Pressespiegel
zur Wentorfer Kommunalpolitik
Neben den Berichten aus den öffentlichen Ausschüssen bieten wir hier einen Pressespiegel aus den kommunalen Tages- und Wochenzeitungen: Bergedorfer Zeitung (www.bergedorfer-zeitung.de). Der Reinbeker (www.derreinbeker.de) und Sachsenwaldzeitung (www.glinder-zeitung.de). Fehler in der Berichtserstattung werden hier nicht kommentiert.

Politisch Interessierte können somit auf unserer Seite alles finden, was in der Gemeinde Wentorf diskutiert und entschieden wird. Wenn Sie Fragen zu den Inhalten haben, wenden Sie sich gern an unsere Fraktionsmitglieder.
Die Kontaktadressen finden Sie auf unserer Seite Fraktion.

Bergedorfer Zeitung 19.10.17

Mit prominenter Hilfe in der Lohe Wurzeln schlagen
WILDPFLANZEN Moderator Yared Dibaba pflanzt in der Lohe Thymian und Goldrute

Von Susanne Holz
Wentorf. Wilder Thymian, Gemeine Goldrute und Tausendgüldenkraut sollen nun mit prominenter Unterstützung in der Wentorfer Lohe Wurzeln schlagen. NDR-Moderator und Plattsnacker Yared Dibaba hat gestern für die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein zu Arbeitshandschuhen und Erdbohrer gegriffen, um seltene Wildpflanzen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz anzusiedeln. Denn sie kommen dort bislang kaum vor. Das Problem: Wildpflanzen sind wichtig, damit sich Bienen, Hummeln und Schmetterlinge wohlfühlen.
„Der Rückgang von seltenen Wildblumen und Wildpflanzen hierzulande ist alarmierend hoch“, warnt Stiftungs-Biologe Christian Dolnik. Allein in den vergangenen 25 Jahren habe das nördlichste Bundesland - unter anderem auch durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung - im bundesweiten Vergleich die größten Verluste hinnehmen müssen.
Diese Entwicklung will die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein stoppen. Mit dem aus dem Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ geförderten Projekt „Blüten- Meer 2020“ will sie den heimischen Wildblumen und Wildpflanzen wieder ein Zuhause geben. Bis März 2020 wird das Projekt mit 2,9 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert und vom Bundesamt für Naturschutz fachlich begleitet. Allein die Kosten für die Pflanzaktion gestern in der Lohe liegen bei rund 2000 Euro.
Das Besondere: „Die Eltern aller eingesetzten Pflanzen kommen aus Schleswig-Holstein“, sagt der Biologe Dr. Björn-Henning Rickert. Gestern wurden die Pflanzen entlang eines Weges gesetzt. Die Hoffnung ist, dass sie gut anwachsen, Saat treiben und diese sich dann über die ganze Lohe verteilt. Im kommenden Frühjahr wird durchgezählt: Welche Pflanzen haben überlebt, wie viele haben sich Wildschweine oder Rehe schmecken lassen.
„Natürliche Auslese gibt es leider immer“, sagt Rickert. Er selbst ist immer wieder in Wäldern und Wiesen unterwegs, um die Samen seltener Pflanzen zu sammeln. Gezielt werden aber auch noch Samen von Wildgräsern und Wildpflanzen eingesät. Im Rahmen des Projekts wurde zudem noch die Archegärtnerei im Archepark in Eggebek eingerichtet. Dort sollen besonders seltene, bedrohte Pflanzen, die früher einmal ihr Zuhause in der Kulturlandschaft Schleswig-Holstein hatten, vermehrt werden. Das Projekt ist ganz im Sinne von Yared Dibaba, der sich in seiner Freizeit gern in der Natur aufhält. „Die Vielfalt fordern und trotzdem wissen, wo die eigenen Wurzeln sind, das passt nicht nur in der Wentorfer Lohe, sondern auch im Leben“, sagt er. Nächstes Jahr wird er schauen, ob „seine“ Pflanzen heimisch geworden sind.

Bergedorfer Zeitung 17.10.17

Sinkt die Kreisumlage 2018?
FINANZIELLE ENTLASTUNG der Kommunen wird beim Runden Tisch diskutiert -
Antrag vorerst gescheitert

Von Gerrit Pfennig und Wiebke Jürgensen
Geesthacht/Ratzeburg. Bis einschließlich 2018 ist der Kreis Herzogtum Lauenburg sogenannte Konsolidierungsgemeinde: Er kann damit finanziell nicht so walten, wie er will, sondern ist an den Vertrag mit dem Land Schleswig- Holstein gebunden, auf dessen Einhaltung die Kommunalaufsicht des Innenministeriums ein Auge hat. Doch schon jetzt zeichnet sich eine deutliche Besserung der Finanzlage des Herzogtums ab - und die Forderung nach der Senkung der Kreisumlage liegt ein Jahr nach der Erhöhung wieder auf dem Tisch.
Zu den Zahlen: Die Kreisverwaltung legte nun den Jahresabschluss für 2015 vor, der einen Überschuss von rund 12,2 Millionen Euro ausweist. Mit diesen Mitteln würden Fehlbeträge aus den Vorjahren in Höhe von 9,8 Millionen Euro getilgt und die restlichen 2,4 Millionen flössen in die Ergebnisrücklage, informierte die Verwaltung. Der Jahresabschluss 2016 sei dem Fachdienst Rechnungs- und Gemeindeprüfung am 28. Juni zur Prüfung vorgelegt worden und beinhalte einen Überschuss von 7,2 Millionen Euro.
Angesichts dieser Zahlen wagte der SPD-Kreisfraktionschef Jens Meyer (Lauenburg) im Kreistag einen Vorstoß: Er möchte, dass die Mitgliedskommunen bereits 2018 von der guten Finanzlage des Kreises profitieren - durch eine Umlagesenkung. Meyer argumentierte für seinen Vorschlag mit Aussagen von Landrat Dr. Christoph Mager (CDU). Dieser habe beim Gemeindetag gesagt, dass die Kreisumlage gesenkt werden könne. Mager verwies darauf, dass er diese Aussage so nicht getätigt habe: „Ich habe dort gesagt, dass eine Anpassung Thema beim Runden Tisch sein wird.“
Diese Wortwahl findet sich auch in der Vorlage, über die unlängst im Haushaltsausschuss beraten wurde. Dort heißt es: „Es erscheint jedoch durchaus möglich, dass mit dem Jahresabschluss 2017 die vorgetragenen Fehlbeträge aus Vorjahren abgebaut werden können.“ Bereits im laufenden Jahr erhalte der Kreis keine Fehlbetragszuweisungen mehr vom Land und damit entfalle auch der Anspruch auf Haushaltskonsolidierungsmittel. „Unter diesen Voraussetzungen und positiven Haushaltsprognosen für die Folgejahre könnte bereits für das Haushaltsjahr 2018 eine leichte Senkung der Kreisumlage in Betracht gezogen werden“, schreibt die Kreisverwaltung.
Grünen-Antrag auf Umverteilung abgelehnt
Auch die Grünen machten im Kreistag einen Vorschlag zur Umverteilung. So forderte der Börnsener Klaus Tormählen, dass der Kreis die Einnahmen aus Verpachtung von kreiseigenen Flächen und Nutzung der Kreisforsten auch im Herzogtum verwenden solle. Laut Kreis geht es um 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Dieses Geld sollte für Aufgaben der Kommunen genutzt werden (etwa den Bau von Schultoiletten) oder für Bürger- und Naturschutzprojekte, so Tormählen.
CDU-Fraktionschef Norbert Brackmann (Lauenburg) konnte diese Forderung nicht nachvollziehen. Schon jetzt gebe doch der Kreis mehr als die Hälfte seiner Mittel für den Bereich Soziales aus, investiere zudem auch in Schulen - wie aktuell 22 Millionen Euro ins Berufsbildungszentrum Mölln. „Ich glaube, dass die Kommunen nur eines interessiert, und das ist die Senkung der Kreisumlage“, betonte er. Der Antrag wurde abgelehnt - gegen die sieben Stimmen der Grünen.
Im Mai 2016 hatten sich Kreis und Kommunen nach monatelangen Verhandlungen auf einen Kompromiss geeinigt: Die Kreisumlage wurde um 0,9 Prozentpunkte angehoben - der Kreis kam den Kommunen im Gegenzug bei der Kita-Finanzierung entgegen. Von 2017 bis Ende 2019 können Kommunen bis zu 40 Prozent der Kosten für Kindergarten- und Krippenplätze auf die Eltern umlegen - bisher galten 38 Prozent als Obergrenze. Für Geesthacht bedeutete die Anhebung der Kreisumlage eine Steigerung um rund 500 000 Euro. Statt der zuvor geplanten elf Millionen muss Geesthacht dieses Jahr 11,5 Millionen zahlen. 2016 standen im Haushalt der Elbestadt 10,9 Millionen Euro Kreisumlage.

Der Reinbeker 16.10.17

Aus Kostengründen Spielplätze anders nutzen
Spielplätze mit hohen Besucherzahlen sollen erhalten bleiben

Wentorf - Sparvorschläge sind willkommen - das ist in der Gemeinde Wentorf nicht anders als im privaten Bereich. Jetzt diskutierten die Liegenschaftsausschussmitglieder bereits zum dritten Mal über einen Antrag der UWW-Fraktion, zwecks Kostenersparnis wenig genutzte Spielplätze aufzulösen. Spielplätze mit hohen Besucherzahlen sollten erhalten bleiben, aber »auf anderen vergammeln die Spielgeräte, ohne dass sie genutzt werden«, stellte Fraktionschef Niels Paulsen fest. Die Fraktion habe dazu Wentorfer Tagesmütter befragt. »Auf dem Spielplatz „Am Gehölz“ gibt es nur zwei Wipptiere und ’ne Sandkiste sowie einen windschiefen Basketballkorb.« Am Wischhoff befinden sich gleich drei Spielplätze in unmittelbarer Nachbarschaft - so kam der Platz am Wischhoff 28 ebenfalls auf die Streichliste - ebenso wie der alte Spielplatz am Friedrichsruher Weg, wo gegenüber am Langen Asper neue Spielplätze entstehen.
Das Thema beschäftigt naturgemäß auch den Kinder- und Jugendbeirat (KUJB), der einem Antrag der SPD zustimmt, der eine Übersicht über die tatsächliche Nutzung sowie die Beteiligung von KUJB und Seniorenbeirat fordert. Dessen Mitglied Monika Offermann erläuterte im Liegenschaftsausschuss, der Beirat habe schon einige Ideen zur zukünftigen Nutzung. Annika Randzio vom KUJB betonte, dass einige Spielplätze durchaus erhalten bleiben und ansonsten Alternativen zur Nutzung gesucht werden sollten. So schlägt der KUJB für den Spielplatz „Am Gehölz“ eine Nutzung als Ballspielmöglichkeit vor. »Das ist etwas, das nicht die Welt kostet«, erklärte Andrea Hollweg (SPD). Niels Paulsen sieht das allerdings nicht zuletzt aus finanziellen Gründen kritisch, gilt es doch, bestimmte Vorgaben zu erfüllen.
Der Wentorfer Matthias Meyer berichtete dem Ausschuss als Anregung über sein Engagement in seinem vorigen Wohnort Herrenberg. »Hier gab und gibt es den Plan, einen Mehrgenerationenplatz anstelle eines Spielplatzes zu gestalten.« Der Diplompädagoge war mit der theoretischen Planung beauftragt worden. »Es kam jedoch aufgrund meines Umzuges nicht mehr zur Umsetzung.« In Herrenberg sollten verschiedene örtliche Verbände und Einrichtungen aktiv den Platz mitgestalten, wie er sagt - und auch praktisch eingebunden werden: »Die Stadt stellt Material, Bürger setzen um...«.
Andrea Hollweg verwies im Übrigen darauf, dass der Spielplatz am Wischhoff 28 zukünftig durch Zuzug wieder mehr genutzt werde und ergänzte, ihre Fraktion würde gern Mario Kramer dazu hören. Bürgermeister Dirk Petersen schlug vor, den Gemeindejugendpfleger zu bitten, bezüglich der Nutzung die Kindertagesstätten zu kontaktieren. Und der stellvertretende Ausschussvorsitzende Torsten Dreyer (Bündnis 90/Die Grünen) gab zu bedenken: »Spielplätze sind Lebensqualität. Einmal verkauft, Haus drauf gebaut, sind sie für alle Zeiten weg.«
Nun haben die Fraktionen erstmal weiterhin Zeit, über das Thema zu diskutieren, denn der Tagesordnungspunkt wurde erneut vertagt.
Christa Möller

Der Reinbeker 16.10.17

Sparsame Grünpflege
»Auch ungepflegt kann gut aussehen«

Wentorf - Ist Wentorf zu grün? Seitdem im Rahmen der Haushaltsbeschlüsse 2016 die Fremdvergabe der Grünflächenpflege gestrichen wurde, kommt es immer wieder zu Beschwerden der Bürger über ungepflegte Bereiche. Deshalb hatte die CDU-Fraktion den Antrag gestellt, die entsprechenden Kapazitäten des Betriebshofes zu prüfen, die Bürger auf ihre Reinigungspflicht im Rahmen der Straßenreinigungssatzung hinzuweisen und gegebenenfalls die Pflege wieder fremd zu vergeben. Dafür sind 45.000 Euro im Haushalt vorgesehen, aber noch nicht von der Politik beschlossen.
Niels Paulsen (UWW) stellt fest: »Auch ungepflegt kann gut aussehen.« Einfach wachsen lassen gehe jedoch nicht. »Eine Wildwiese muss angelegt werden.« In Wentorf gibt es zurzeit übrigens nur eine Wildwiese gegenüber dem Sportplatz am Südring. Alle sonstigen Bereiche werden weiterhin gepflegt. Da der Betriebshof jedoch sehr gut ausgelastet ist, passiert das jedoch seltener als zuvor gewohnt. Demnächst will der Ausschuss den Betriebshof besuchen, um sich hierüber näher zu informieren.
Christa Möller

Der Reinbeker 16.10.17

„Safety first“ für die Wentorfer Schulkinder
Gemeinschaftsprojekt der Wentorfer Schulen geht in die nächste Runde

Wentorf - Im Herbst und Winter ist es morgens noch nicht hell, wenn allerorten Kinder auf dem Weg zur Schule sind. Insbesondere die Erstklässler sind in dieser Zeit gefährdet, Opfer von Verkehrs- Unfällen zu werden. Laut Statistischem Bundesamt verunfallen die meisten Kinder zwischen 7 und 8 Uhr morgens. Damit in Wentorf alle Kinder sicher zur Schule kommen, gibt es seit drei Jahren ein Gemeinschaftsprojekt der Wentorfer Schulen.
Die Idee ist einfach, aber im Kreis Herzogtum Lauenburg doch einmalig: Schüler der 9. und 10. Klassen der weiterführenden Schulen helfen den Kleinen über die Straße. Jeden Morgen tun sie ihren Dienst in der Hauptverkehrszeit zwischen 7.40 und 8 Uhr am Kreisverkehr Reinbeker Weg-Wohltorfer Weg, Am Petersilienberg. Um diese Zeit stauen sich dort Autos, Fußgänger und Fahrradfahrer rund um den Kreisel. Da kann man als Erstklässler schon mal den Überblick verlieren. Felix Moser, Koordinator des Projekts und Lehrer am Gymnasium Wentorf, erklärt: »Die Schüler werden professionell auf ihren Einsatz vorbereitet. Ihre Ausbildung durch die Polizei besteht aus zwei Mal drei Stunden Unterricht, einer Übung vor Ort und einer Prüfung.«
Am 10. Oktober hatten die Schülerlotsen außerdem die Aufgabe, den Erstklässlern in der Aula der Grundschule Wentorf schicke ADAC-Warnwesten zu überreichen. Die sollen sie möglichst jeden Tag auf dem Schulweg anziehen, damit sie von den Autofahrern besser gesehen werden. Schulleiterin Sonja Henke und Konrektor Oliver Fünning-Segieth bedankten sich herzlich bei den zehn Schülerlotsinnen vom Gymnasium und der Gemeinschaftsschule. Dieses Jahr sind alle ehrenamtlichen Helferinnen Mädchen, in den vergangenen zwei Jahren waren allerdings auch engagierte Jungs dabei.
Das ehrenamtliche Engagement macht den Mädchen sichtlich Spaß, auch wenn sie dafür etwas früher aufstehen müssen und etwas zu spät zur ersten Stunde erscheinen. »Es ist schön, dafür zu sorgen, dass kleinen Kindern nichts passiert. Und die Eltern sind uns sehr dankbar für unsere Arbeit«, weiß Marleen Hitzeroth. Das kann Frau Kleipoedszus, Elternsprecherin der Grundschule Wentorf, nur bestätigen. Sie hat das Projekt vor vier Jahren, als ihr eigenes Kind in der ersten Klasse war, ins Laufen gebracht und ist noch heute die Verbindungsfrau zwischen Eltern, Schülern und Lehrern. Sie freut sich, dass das Projekt gut läuft und von allen Beteiligten gleichermaßen unterstützt wird. Sonja Henke ergänzt: »Uns ist die Zusammenarbeit unter den Schulen sehr wichtig. Dieses Projekt ist ein guter Beweis dafür, wie gut sie funktioniert.“
Susanne Martensen

Bergedorfer Zeitung 16.10.17

Landesweite Kinder- und Jugendbeiratswahlen
Wentorfs Jugend muss Wahlvorschläge bis 21. Oktober abgeben

Wentorf - Das ist einmalig in Deutschland und auch im Norden ein Novum: Erstmals gibt es im November landesweite Kinder- und Jugendbeiratswahlen in Schleswig-Holstein. Dann werden die meisten der über 50 Kinder- und Jugendbeiräte neu gewählt. Einige haben es nicht geschafft, zuvor ihre Satzungen entsprechend anzupassen, damit die Wahl jetzt erfolgen kann.
Maximal elf Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 21 Jahren, die spätestens ab dem 24. Oktober 2017 in Wentorf gemeldet sind, können dem Beirat angehören.
Der Auftakt zur Wahl, die vom 27. bis 30. November 2017 stattfinden wird, fand in Wentorf bislang wenig Anklang: Nur 14 Jugendliche hatten sich für das Beteiligungsprojekt zur Kandidatenwerbung für den Kinder- und Jugendbeirat in der Gemeinde angemeldet - beim letzten Mal waren es 42. Dabei hatte Wentorfs Gemeindejugendpfleger Mario Kramer in Gemeinschaftsschule und Gymnasium Werbung für die Wahl und das zuvor geplante Beteiligungsprojekt gemacht. »Ich war sogar in noch mehr Klassen als beim letzten Mal«, sagt er. Alle 1.235 Wahlberechtigten zwischen zwölf und 21 Jahren waren zuvor angeschrieben und über die Wahl und das Projekt informiert worden. Aufgrund der geringen Beteiligung wären die Kosten jedoch unverhältnismäßig hoch gewesen, sodass es stattdessen kürzlich ein zweistündiges Projekt im Rathaus gab. Dabei haben fünf Mädchen und neun Jungen zwischen zwölf und 17 Jahren erklärt, dass sie sich aufstellen lassen wollen. Einige kennen sich schon aus der Grundschule. »Zwei weitere junge Wentorfer haben telefonisch Interesse bekundet«, sagt Kramer.
Wentorfs erster, im November 2014 gewählter Kinder- und Jugendbeirat besteht inzwischen nur noch aus fünf Mitgliedern - der Mindestzahl. Drei von ihnen werden aufhören, da sie studieren, ein Freiwilliges Soziales Jahr machen beziehungsweise arbeiten. Aber »Annika Randzio und Benjamin Solovej wollen weitermachen«, weiß Mario Kramer. Dann wären es insgesamt 13 und es konnte eine richtige Wahl geben, wie Mario Kramer hofft. Die Größe Wentorfs sieht er als Vorteil, »es hat sich bewährt, dass man selber durch die Schulen gehen kann, von Klasse zu Klasse. Das macht Arbeit, aber es bringt auch Spaß und es bringt uns letztlich die Teilnehmer.«
Noch bis zum 21. Oktober können Wahlvorschläge im Rathaus abgegeben werden. Anschrift: Gemeinde Wentorf bei Hamburg, Kinder- und Jugendbeiratswahlen, Der Wahlvorstand, Hauptstraße 16, 21465 Wentorf). Mehr unter bit.ly/lFKQaVb
Der amtierende Kinder- und Jugendbeirat trifft sich das nächste Mal am Mittwoch, 1. November, und dann noch einmal zu seiner letzten Sitzung am Mittwoch, 22. November, jeweils um 16 Uhr im Rathaus.
Christa Möller

Bergedorfer Zeitung 13.10.17

REINBEKER WEG
Bei Anwohnern liegen die Nerven blank

Wentorf (sho). „Sieben Monate Umweg über Wohltorf haben gereicht, die Nerven liegen blank.“ Mit diesen Worten haben sich die Anwohner des Eichenwegs in Wentorf an Bürgermeister Dirk Petersen gewendet. Die umfangreichen Sanierungsarbeiten am Reinbeker Weg und die Folgen für sie als Anwohner in den Nebenstraßen setzen ihnen zu. Was sie wurmt: Dass der Überweg vom Blautannenweg zum Buchenhain nicht für Autos geöffnet wird - obwohl die Gemeinde dies zugesagt habe. Sie seien gezwungen, weite Umwege über die Hege, den Reinbeker Weg, „das unsägliche“ Kopfsteinpflaster Am Haidberg, die „Schlaglochstrecke“ Bergedorfer Weg und Petersilienweg zu fahren.
„Jederzeit freie Zufahrt zu eigenen Grundstücken gehabt"
Die Verwaltung hat die Beschwerde erhalten, kündigt für diese Woche eine Antwort an. Gegenüber unserer Zeitung sagt Ordnungsamtsleiter Sascha Kröger schon jetzt: „Die Anwohner des Eichenwegs hatten die ganze Zeit über eine freie Zufahrt zu ihren Grundstücken. Die Anwohner des Reinbeker Weges hatten dies nicht, haben die Maßnahme aber mit Verständnis begleitet. Die einzige Einschränkung, die die Anwohner am Eichenweg hinnehmen müssen, sind kleinere Umwege.“ Bürgermeister Dirk Petersen bittet die Einwohner um Verständnis und Durchhaltevermögen. Aber: „Eine möglichst geringe Belastung der Bürger hatte jederzeit bei uns oberste Priorität. Wenn diese das so gar nicht anerkennen, dann fehlt mir auch das Verständnis.“
Die Durchfahrt am Blautannenweg soll Mitte November geöffnet werden, wenn andernorts die Straße asphaltiert wird. Anfang Dezember sollen alle Arbeiten am Reinbeker Weg abgeschlossen sein.

Bergedorfer Zeitung 12.10.17

Ehemalige Sprachheilschule soll „Ort der Magie" werden
KUNSTSAMMLER Rik Reinking (41) erhält Zuschlag in Bieterverfahren

Von Susanne Holz und Anne Müller
Wentorf. Bereits im August hatte Rik Reinking (41) das Bieterverfahren gewonnen, jetzt folgt auch der letzte Schritt zu seinem „Traumgrundstück“. Offiziell stimmt der Kieler Landtag zwar erst am Freitag zu, hinter den Kulissen ist die Entscheidung jedoch schon jetzt gefallen: Neuer Eigentümer der ehemaligen Sprachheilschule an der Golfstraße ist der Hamburger Kunstsammler. Er hat das Gebäudeensemble samt Parkgelände für 2,3 Millionen Euro erworben. Es ist das höchste Gebot, das ein Interessent für die Immobilie abgegeben hatte. Das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein war sich sicher: Grundstück und Gebäude sind 3,95 Millionen Euro wert.
Obwohl das Land sich 1,6 Millionen Euro mehr erhofft hatte, wertet Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) den Vertragsabschluss als Erfolg. „Ich bin froh, dass wir den langen Verkaufsprozess der Liegenschaft jetzt voraussichtlich erfolgreich abschließen können. Das Land spart durch den Verkauf der Immobilie jährlich bis zu 300 000 Euro Betriebskosten. Positiv ist zudem, dass mit dem Käufer eine Mehrerlösklausel für den Fall der Weiterveräußerung zugunsten des Landes vereinbart wurde. Damit haben wir eine für Land und Kommune tragfähige Lösung gefunden.“ Bevor am Freitag eine endgültige Entscheidung fällt, wird es nochmals eine kurze Debatte geben. Die AfD hatte dies beantragt.
Bei Wentorfs Bürgermeister Dirk Petersen ist die Freude groß. Er ist sicher, dass die ehemalige Sprachheilschule, die zuletzt als Erstaufnahmeeinrichtung des Landes für Flüchtlinge genutzt worden war, bei Kunstsammler Rik Reinking in guten Händen ist.
Der Hamburger war gestern überrascht, dass das Thema schon vor der Landtagssitzung öffentlich Fahrt aufnimmt. Er freut sich sehr auf das Projekt, findet es jedoch nicht angebracht, sich schon offiziell zu konkreteren Planungen zu äußern: „Zunächst muss auch erst noch der Notarvertrag unterzeichnet werden“, hält sich Rik Reinking zurück.
Vor zwei Jahren war der Kunstsammler auf das Grundstück aufmerksam geworden: „Ich habe die Anlage gesehen, und hier stimmt alles, was ich in Hamburg nicht gefunden hatte“, schwärmte er damals. Zwischenzeitlich hatte er sich schon keine Hoffnungen mehr gemacht, beim Bieterverfahren um das 10,3 Hektar große Areal mit denkmalgeschütztem Park noch mithalten zu können. Unter der Hand kursierte in der ersten Runde eine Summe von 9 Millionen Euro.
Reinking, der mit seiner Familie in Harvestehude lebt, ist Kunstsammler aus Leidenschaft. Bereits mit 16 erwarb er sein erstes Bild, ein Selbstporträt von Horst Janssen. Seine Sammlung umfasst heute 200 Künstler. Um Malerei der Gegenwart, Graffiti oder Konzeptkunst einer Öffentlichkeit präsentieren zu können, suchte er einen „Ort der Magie“. Den hat er nun in Wentorf gefunden. Der Mann mit dem siebten Sinn für die Künstler- Stars von morgen möchte hier in einer permanenten und mit wechselnden Ausstellungen die zum Teil noch in Transportkisten verstauten Werke zeigen.

Bergedorfer Zeitung 12.10.17

Mit Knöllchen gegen Falschparker
VERKEHRSAUFSICHT Stadt will Aufgabe übernehmen –
Politik setzt auf Teilzeit-Politesse für Glinde

Von Susanne Tamm
Glinde. Im Frühjahr 2018 sollen für die Autofahrer in der Stadt andere Zeiten anbrechen: Der Hauptausschuss hat jetzt entschieden, dass der Parkverkehr nicht mehr sich selbst überlassen bleibt. Laut Bürgermeister Rainhard Zug höchste Zeit: „Bei Veranstaltungen tobt das Chaos, wild Parken wäre für Glinde schon zu wenig gesagt“, monierte er. Statt- dessen soll ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin der Stadt bald Knöllchen verteilen.
Außerdem will die Stadt Glinde die Verkehrsaufsicht selbst übernehmen. Dies hat der Hauptausschuss gegen die Stimmen der CDU beschlossen.
Die Aufgaben unterliegen nicht der kommunalen Selbstverwaltung, sondern allein der Deutschen Straßenverkehrsordnung, betonte Ordnungsamtsleiter Bernd Mahns. Die Verkehrsaufsicht entscheidet über Tempo-Begrenzungen, Verkehrszeichen und -einrichtungen sowie weitere Verkehrsbeschränkungen im öffentlichen Raum. Ein Vorteil wären vorhandene Ortskenntnisse und kurze Entscheidungswege, so die Vorlage.
SPD-Politiker setzen bei Entscheidungen etwa zu Tempo 30 auf Ermessensspielräume. Das Gesetz erlaubt Kommunen mit mehr als 10 000 Einwohnern neuerdings die Übernahme der Aufgaben.
Für Diskussionen sorgte in beiden Fragen der finanzielle Aufwand. Da für die Verkehrsaufsicht nur acht Stunden pro Woche veranschlagt sind, kostet diese neue „Behörde“ die Stadt im Jahr etwa 14 000 Euro. „Das letzte Wort zur Übernahme hat das Land“, erläuterte Mahns. „Aber dies wäre eine dauerhafte Übernahme dieser Aufgabe.“
Die Verwaltungsaufgaben für die Überwachung des Parkverkehrs würde vermutlich von derselben Person übernommen werden: Dafür sind ebenso wie für die Politesse 20 Stunden pro Woche kalkuliert. Lars Nielson (CDU) bezweifelte, dass Glinder Verwaltungsmitarbeiter das nötige Know-how für ständige Gesetzesänderungen mitbringen. Mahns brach eine Lanze für sein Team: In seinem Amt gebe es bereits Mitarbeiter mit den nötigen Kenntnissen, die Kollegen müssten nur noch eingearbeitet werden.
Die Kosten für die Kontrolle der parkenden Autos sind mit etwa 77 600 Euro pro Jahr berechnet, die Einnahmen sollen bei etwa 88 000 Euro liegen - zumindest bis sich bei den Falschparkern ein gewisser Lerneffekt einstellt. Wolfgang Pohlmann (SPD) hält die Zahlen für zu optimistisch: „Dann müsste der Mitarbeiter doch 36,7 Vorgänge pro Tag bearbeiten“, kritisierte er. „Nach ein, zwei Jahren wird das ein reines Zusatzgeschäft.“ Mahns widersprach und verwies auf Großhansdorf: Dort brauche man im Schnitt nur drei Minuten für jeden Fall.
Mehrere Politiker von SPD, CDU und den Grünen stellten klar, dass es ihnen vordringlich nicht um Mehreinnahmen für die Stadt gehe - sondern um die Sicherheit auf den Straßen. „Sonst können wir die Schilder gleich wegflexen“, schimpfte Lars Nielson. „Wir wollen endlich wieder Ordnung auf Glindes Straßen.“

Bergedorfer Zeitung 11.10.17

Ringen um den künftigen Klimaschutz
KONZEPT Politik bewilligt 50 000 Euro

Von Ann-Kathrin Schweers
Oststeinbek. Ein erster Schritt in Richtung Klimaschutzkonzept ist getan: Die Gemeindevertreter haben mehrheitlich die Verwaltung beauftragt, 50 000 Euro für ein Konzept im Haushalt 2018 bereitzustellen - Voraussetzung dafür, dass Angebote eingeholt und ein Förderantrag gestellt werden kann. Hat der Erfolg, beteiligt sich der Bund mit 65 Prozent an den Kosten.
Zuvor hatten Politiker im Bauausschuss den Nutzen eines Konzeptes angezweifelt. Doch nachdem Stormarns Klimaschutzbeauftragte Isa Reher über die Vorteile informiert hatte, diskutierten die Gemeindevertreter nun noch einmal neu. Die Kreisverwaltung hat unter anderem Einsparungen von 179 000 Euro im Jahr durch den Einsatz erneuerbarer Energien, den Austausch von Beleuchtung und modernere Lüftung erzielt.
„Das Thema ist wichtig und sollte unsere Aufmerksamkeit bekommen“, befand Rudi Hametner (OWG) und fand auch Anklang im Plenum. Christian Höft, Fraktionschef der SPD, machte erste Vorschläge für ein Konzept. So denkt Höft an eine Optimierung der Radwegeverbindung zum U-Bahnhalt Steinfurther Allee.
Hendrik Maier (CDU) haderte als Finanzausschusschef dagegen mit dem Zeitpunkt. Klimaschutz sei zwar wichtig, werde jedoch auch bei anderen Vorhaben wie dem Schulneubau und einer möglichen Erweiterung des Gewerbegebiets berücksichtigt. „Dafür kommen auch viele Kosten auf uns zu. Ist da das Geld beim Klimaschutzkonzept jetzt richtig aufgehoben?“
Zu einer endgültigen Entscheidung für das Konzept konnten die Gemeindevertreter sich nicht durchringen. Allein die Bereitstellung der 50 000 Euro im Haushalt verpflichtet nicht zur Vergabe des Auftrags. Christian Höft schlug vor, in Sachen Klimaschutz eine Kooperation mit einer anderen Kommune einzugehen. „Vielleicht mit Glinde. Gerade was den Verkehr angeht, haben wir viel mit unseren Nachbarkommunen zu tun.“ Hans-Joachim Vorbeck, Fraktionschef der CDU, favorisiert eine kreisübergreifende Initiative. Dennoch plädierte er dafür, den Weg zunächst allein beschreitet.
Kooperation mit Glinde?
Drei Jahre nach Aufstellen des Konzeptes muss sich die Gemeinde für oder gegen einen Klimaschutzmanager entscheiden. Die CDU mag sich derzeit eine neue Stelle nicht vorstellen. Vorbeck: „Wir sollten erstmal ein Konzept angehen und sehen, was uns das bringt.“ Auch die SPD ist unentschlossen, ob Oststeinbek einen Klimaschutzmanager braucht. Die Personalkosten könnte in den ersten drei Jahren zu 65 Prozent vom Bund bezuschusst werden.
Ein Jahr dauert es laut Isa Reher allein, ein Konzept mithilfe eines Lenkungskreises zu erstellen. Darin fließen Ideen der Politiker und Bürger ein.

Bergedorfer Zeitung 11.10.17

Zerfledderte gelbe Säcke bleiben vorerst Dauerärgernis
MÜLL Verträge mit privaten Entsorgern gelten noch bis 2020

Wentorf (amü). Alle 14 Tage ist am Brookweg Abholtag. Doch bevor die prall gefüllten gelben Säcke im Müllwagen landen, sind sie ein gefundenes Fressen für Katzen und Vögel. „Ein Teil des Inhalts liegt dann verstreut auf der Straße“, ärgert sich eine Anwohnerin. Sie hat nun zur Selbsthilfe gegriffen und privat eine gelbe Tonne gekauft. „Ich hatte gehofft, die Investition von 100 Euro ist eine Lösung“, sagt die entnervte Wentorferin. Doch die Tonne bleibt meist ungeleert stehen. Ein Ärgernis, das in Stormarn und im Herzogtum Lauenburg weiter bestehen wird. Hier gilt noch bis mindestens 2020 die Sackabfuhr, erläutert Olaf Stötefalke, Sprecher der AWSH (Abfallwirtschaft Südholstein). „Die Verträge mit den privaten Entsorgern laufen noch bis 2020.“
Bei ihm und seinen Kollegen laufen viele Beschwerden auf, denn die Abfallentsorgung ist für viele Verbraucher undurchsichtig. Immer wieder muss darüber aufgeklärt werden, dass die Entsorgung der Verpackungen an private Firmen vergeben ist. Die AWSH wiederum organisiert die Restmüllabfuhr.
Das neue Verpackungsgesetz, das 2019 in Kraft treten wird, habe die Chance vertan, die gelbe Tonne verpflichtend einzuführen, bedauert Stötefalke, der es für sinnvoll hält, die Verantwortung für die Entsorgung in kommunale Hände zu geben. Er hätte sich gewünscht, dass das in diesem Jahr im Bundestag verabschiedete Abfallgesetz den Status quo nicht „nur manifestiert“.
In den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg gebe es zwar politische Bestrebungen, auch die Entsorgung recycelbarer Wertstoffe in die kommunale Verantwortung zu geben, doch diese Diskussion steht erst am Anfang. Im September war AWSH-Geschäftsführer Dennis Kissel als Experte im Umweltausschuss des Kreises Stormarn zu Gast.
Das Thema birgt noch viel Diskussionsstoff: Neben einer gelben Tonne, in der ausschließlich Verpackungen aus Kunststoff und Metall gesammelt werden dürfen, könnte es auch eine Wertstofftonne geben, in der neben Verpackungen auch Abfalle aus ähnlichem Material entsorgt werden können, wie alte Zahnbürsten, Plastikspielzeug oder ein ausgedientes Kehrblech. Ökologisch wäre das sinnvoll, dann könnten auch diese Materialien recycelt werden.
Vorerst bleibt es bei der Sacksammlung durch private Firmen. Etwa zwölf Millionen Plastiksäcke gibt die Willi Damm GmbH & Co. KG (gehört zur Buhck-Gruppe) in den beiden Landkreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg pro Jahr aus. „Nur etwa die Hälfte kommt zurück“, bedauert Geschäftsführer Jens Göhner. Etwa 30 Kilogramm werden pro Jahr und Kopf in den Säcken gesammelt. Auch Göhner meint: „Die Pflicht zur Wertstofftonne wäre eine sinnvolle ökologische Entscheidung gewesen.“ Denn in den festen Behältern könnten auch sogenannte „stoffgleiche Nichtverpackungen“ landen, die jetzt noch mit dem Restmüll verbrannt werden.
Da die Verträge nur für drei Jahre vergeben werden, lohne es sich für private Entsorger für die kurze Zeit nicht, die Tonnen bereitzustellen. Auch wäre das Abkippen zeit- und personalintensiver und damit teurer.
Seit 1991 wird getrennt
Seit einem Vierteljahrhundert trennen die Deutschen nun schon ihre Abfälle. Hintergrund war die 1991 in Kraft getretene Verpackungsverordnung, die die Wirtschaft verpflichtete, in Umlauf gebrachte Verpackungen nach Gebrauch zurückzunehmen. Bis dahin waren die Gemeinden für die Abfallentsorgung zuständig. Es entstand die gemeinsame Entsorgung im dualen System. Erster privatwirtschaftlicher Anbieter dieser Dienstleistung war die Duales System Deutschland GmbH. Nach dem neuen Abfallgesetz sollen die Recyclingquoten bei Kunststoffverpackungen von heute 36 Prozent bis 2022 auf 63 Prozent steigen.

Bergedorfer Zeitung 10.10.17

OBERGRENZE
Kiel will Deckel für Kita-Gebühr

Kiel (Ino). Die Kieler Landesregierung will den Anstieg der Kita-Gebühren deckeln, um Eltern zu entlasten. Das kündigte Sozialminister Heiner Garg (FDP) jetzt an. „Die Gebühren werden nach oben begrenzt.“ Ziel sei es, den Eltern unabhängig vom Wohnort ein verlässliches, transparentes Grund-Betreuungsangebot mit einheitlichen und vergleichbaren Elternbeiträgen zu machen, sagte Garg.
Wie viele Stunden Betreuung und welche Qualität dieses Basis-Angebot habe, solle nun mit allen Beteiligten - auch mit den Elternverbänden - ausgehandelt werden. Auch wie viel ein Platz maximal kosten darf, ist zurzeit noch unklar. Kita-Gebühren von mehr als 600 Euro im Monat wie heute im Hamburger Rand soll es jedenfalls nicht mehr geben. Das neue Finanzierungssystem soll nach Angaben Gargs bis zum Jahr 2020 stehen.

Bergedorfer Zeitung 07.10.17

GEMEINDE PRÜFT
Nutzung der Spielplätze

Wentorf (amü). Mit einem Antrag stellte die UWW-Fraktion im Sommer fünf Spielplätze in der Gemeinde zur Disposition. Der Antrag sah vor, einige der gemeindeeigenen Spielplätze aufzulösen, um bei den Unterhaltskosten zu sparen und die frei werdenden Grundstücke zu veräußern.
Nach erneuter Diskussion im Liegenschaftsausschuss der Gemeinde ist das Thema am Donnerstagabend erst einmal vertagt worden. Die Verwaltung wurde beauftragt, vor der Beratung erst einmal die Frequentierung zu prüfen, sagt Sachgebietsleiter Kai Siemers. Die Spielplätze sind zwischen 830 und 1532 Quadratmeter groß.

Bergedorfer Zeitung 06.10.17

Klimaschutzkonzept: Es fehlen die belastbaren Zahlen
SPD-ANTRAG zu umfangreichem Energiebericht läuft ins Leere

Geesthacht (wjü). Die Stadt Geesthacht soll zu 100 Prozent CO2-neutral mit erneuerbaren Energien versorgt werden. Dieses ehrgeizige Ziel hat sich die Elbestadt bis 2030 gesetzt. Damit das gelingt, justieren Politik und Verwaltung regelmäßig bei der Energiebilanz nach - der Haken: Orientieren können sie sich bisher nur an den Verbräuchen der öffentlichen Liegenschaften.
„Wir können keine Privateigentümer oder Unternehmer verpflichten, uns ihre Zahlen offen zu legen“. Geesthachts Klimaschutzmanagerin Isis Haberer bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung, warum ein im Energieausschuss gestellter Antrag der SPD ins Leere läuft. Die Sozialdemokraten hatten die Erstellung eines umfassenden Energieberichts gefordert, in dem ersichtlich werden soll, in welchen Straßenzügen beim Energieverbrauch noch nachgebessert werden kann.
„Der Antrag geht für uns alle in die richtige Richtung - wir brauchen belastbare Zahlen. So wie gefordert, ist das jetzt aber nicht umsetzbar“, begründet der Energieausschuss-Vorsitzende Thomas Markwart (CDU), warum die Fraktionen zwar dem Antrag ihre Zustimmung verweigert, die Verwaltung dennoch auf das Thema angesetzt haben.
Haberer soll nun Kontakt mit den Stadtwerken aufnehmen und klären, welche Zahlen mit möglichst geringem Aufwand erfasst werden könnten. Bisher versucht sie, durch möglichst viele Aktionen mit unterschiedlichen Zielgruppen dem Thema Klimaschutz Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Für die Sanierungsinitiative sind in diesem Jahr mit der Verbraucherschutzzentrale Schleswig-Holstein zahlreiche Informationsveranstaltungen zum Thema energieeffizientes Umbauen und Energiesparen im Alltag organisiert worden. In Kürze startet zudem ein auf Unternehmer zugeschnittenes Projekt.
2018 beginnt unter dem Titel „Kita 21“ eine intensivere Zusammenarbeit mit vielen Kindertagesstätten in der Stadt. Und bis zum Ende des Jahres können Geesthachter Einwohner noch bei dem Projekt „Stromabwärts“ mitmachen und sich durch das Dokumentieren von Energieeinsparungen im Alltag einen Preis sichern.
„Ich möchte möglichst viele Menschen für Klimaschutzthemen motivieren“, sagt Haberer. Für Fragen ist sie unter Telefon (0 4152) 134 72 oder auch per E-Mail erreichbar: isis.haberer@geesthacht.de
► Das Geesthachter Klimaschutzkonzept
Die Stadt Geesthacht hat sich 2012 dazu entschieden, ein integriertes Klimaschutzkonzept zu entwickeln und umzusetzen. Auf 151 Seiten wurden eine Bestandsaufnahme, Klimaschutzziele und mögliche Maßnahmen zum Erreichen der Zielstellung formuliert. Kernforderung: Die Stadt soll bis 2030 zu 100 Prozent CO2-neutral mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Die Ideen zum Erreichen der Klimaschutzziele reichen von der Sanierung städtischer Wohnungen über die Erneuerung der Straßenbeleuchtung bis zur stärkeren Nutzung von Blockheizkraftwerken. Das gesamte Konzept ist online einsehbar unter www.geesthacht.de.

Bergedorfer Zeitung 06.10.17

Isa Reher wirbt für den Klimaschutz
KONZEPT Oststeinbeks Politiker wollen noch beraten

Von Susanne Tamm
Oststeinbek. Als es um den Nutzen eines integrierten Klimaschutzkonzeptes ging, verstand es Isa Reher, im Hauptausschuss die richtige Saite zum Klingen zu bringen: „Wir sparen durch dieses Konzept allein in der Kreisverwaltung 179 000 Euro an Betriebskosten im Jahr ein - ohne die Einsparpotenziale durch die energetische Sanierung, die wir noch nicht in Angriff genommen haben“, erklärte Stormarns Klimaschutzbeauftragte bereits zu Beginn ihres Vortrags. Der Kreis hat bereits seit 21 Jahren ein Klimaschutzprogramm - laut der Wirtschaftsingenieurin sei dies bundesweit einzigartig.
Mehr als 50 Stormarner Kommunen sind dem Beispiel des Kreises schon gefolgt oder dabei, ein Konzept erstellen zu lassen, darunter Barsbüttel und Reinbek. Einige Politiker hatten im Bauausschuss zwar die Notwendigkeit des Klimaschutzes gesehen, den Nutzen eines Konzeptes jedoch angezweifelt, solange ihnen nichts über Inhalte bekannt sei. Mehrheitlich hatte das Gremium daher beschlossen, dass die Verwaltung zuerst Angebote für ein Konzept einholen und einen Förderantrag beim Bund für bis zu 65 Prozent der Kosten stellen sollte. Dies ist jedoch so nicht möglich: Denn Bedingung für einen solchen Antrag ist, dass die Gemeinde zuerst 50 000 Euro für ein Konzept bereitstellt.
Daher war Isa Reher eingeladen, das Verfahren eines integrierten Klimaschutzkonzeptes zu erläutern. Es werde maßgeschneidert für eine Gemeinde erstellt, sagte sie. Das Konzept lege technische und wirtschaftliche Potenziale zur Minderung der Treibhausgase in Oststeinbek offen, schlage konkrete Maßnahmen zur Senkung der Emissionen und Energieverbräuche vor und lege Klimaschutz-Ziele für Oststeinbek fest. Auch ein Controllingkonzept sei enthalten. Ob Flächenmanagement, die Liegenschaften, Straßenbeleuchtung, private Haushalte, Gewerbe, Mobilität, Abfall oder Umweltbildung: Alle Bereiche würden berücksichtigt.
Erreicht habe der Kreis die Einsparungen vor allem durch den Einsatz erneuerbarer Energien, Grüne IT, den Austausch von LED und Lüftungen. Zudem habe man den Kohlendioxid-Ausstoß durch erneuerbare Fernwärme stark, reduziert, erläuterte Reher.
„Es dauert etwa ein Jahr, das Konzept mithilfe eines Lenkungskreises zu erstellen“, so Reher. Daran sollten sich Politiker beteiligen, aber auch Bürgerideen einfließen. Ein Gutachter rechnet aus, was dies alles bringt. „Ich unterstütze Oststeinbek gern dabei.“ Die Zuschüsse würden nicht durch Steuern, sondern durch Emissionszertifikate von Unternehmen finanziert. Innerhalb dreier Jahre müsse Oststeinbek entscheiden, ob ein Klimaschutzmanager eingestellt werden soll. Die Stelle kann ebenfalls bezuschusst werden. Auf Antrag der CDU entscheiden die Gemeindevertreter über das Bereitstellen der 50 000 Euro am Montag, um 19.30 Uhr im Bürgersaal.

Der Reinbeker 02.10.17

6 Monate im Amt: Bürgermeister Dirk Petersen
»Ich habe die Vision, dass es einen Wirtschaftsbeirat gibt.«

Wentorf - Wentorfs Bürgermeister Dirk Petersen ist entspannt und - nach sechs Monaten im Amt - immer noch euphorisch, wie er sagt. »Ich fühle mich sehr wohl in meinem Amt Ich habe eine Verwaltung vorgefunden, die einfach super funktioniert, alle sind mit Elan dabei. Das bestärkt mich in meinem Handeln und Tun.« Durch seine politischen Erfahrungen in der Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN habe er gewusst, was auf ihn zukomme, sagt er unter anderem mit Blick auf den Haushalt der Gemeinde.
Sparen ist angesagt, außerdem sollen neue Einnahmequellen generiert werden. Dazu zählt im Vorfeld die technische Satzung fürs Niederschlagwasser. Im zweiten Schritt folge dann die Umsetzung mit Einführung der Regenwassergebühren. Wahrscheinlich seien eine geringe Grundgebühr sowie eine zusätzliche Gebühr entsprechend der jeweiligen Fläche. »Da muss aber keiner Angst haben, dass die exorbitant hoch sein werden, das wird keine Unsummen kosten.« In der Vergangenheit habe es die Gemeinde vernachlässigt, die ordnungsgemäße Entsorgung sicherzustellen. »Das Projekt wurde von meinem Amtsvorgänger Matthias Heidelberg ins Leben gerufen, ich begleite das jetzt weiter.« Gemeinsam mit Bürgervorsteher Andreas Hein hat Dirk Petersen diesbezüglich eine Einwohnerversammlung geplant, die am 21. November um 19 Uhr in der Gemeinschaftsschule stattfinden soll.
»Jetzt habe ich viel mehr Verständnis für die Verwaltungsseite«, stellt er fest. Transparenz sei sehr wichtig. Dazu gehört auch die Informationspolitik zur Langzeitbaumaßnahme Reinbeker Weg. Die einzige Verbindung nach Reinbek ist seit seinem Amtsantritt am 1. April und noch bis Anfang Dezember gesperrt. Im Internet informiert die Verwaltung über den Baufortschritt.
Das Thema Straßenbau und die damit verbundenen Kosten beschäftigt die Bürger sehr. Diesbezüglich seien die Gemeinden jetzt nicht mehr an die Satzung gebunden, müssen sich nicht langfristig auf einmalige oder wiederkehrende Gebühren festlegen. Gespannt sei er darauf, wie die Politik entscheiden werde, so der Bürgermeister.
Der Haushalt für das Jahr 2018 könne wohl frühestens im Februar/März 2018 verabschiedet werden. Denn die Sparvorschläge müssen von der Politik kommen, und die ringt noch um Details. Immerhin könne nur bei den freiwilligen Leistungen gekürzt werden, aber nicht bei den pflichtigen. »Und wenn man daran geht, tut es weh.« Da seien noch intensive Diskussionen nötig.
»Das, was im Moment auf dem Weg ist, sehe ich positiv, aber nicht unmittelbar«, betont Petersen bezüglich Wentorfs Wirtschaft. In der Vergangenheit hatte es einen kräftigen Einbruch bei der Gewerbesteuer gegeben. Für das Gewerbegebiet am Südring sieht er Möbel Schulenburg als Anker, von dessen Sanierung, die Ende November abgeschlossen sein soll, werde auch Möbel Roller profitieren. Lichtblicke gibt es dank des neuen Investors Concept-Immobilien für den Casinopark. Das Zusammenspiel zwischen diesem, den Gewerbetreibenden und der Verwaltung beim Weinfest habe gut funktioniert. »Da war auch die Wirtschaftsinitiative Wentorf involviert.« Aldi plant eine Erweiterung im Bestand Richtung Parkplatz, wobei jedoch keine Parkplätze verloren gehen. Allerdings gebe es noch massive Leerstände, aber er sei fest davon überzeugt, dass sich das im nächsten Jahr ändern werde. Gerade hat er seinen ersten städtebaulichen Vertrag (für den geplanten REWE-Neubau) auf den Weg gebracht.
Weiteren Aufschwung für Wentorf erhofft sich Dirk Petersen durch ein neues Projekt: »Ich habe die Vision, dass es einen Wirtschaftsbeirat gibt.« Wie Wentorfs Zukunft aussehen wird, darüber wollen Politik und Verwaltung in einem Workshop diskutieren, der für November geplant ist. Arbeitstitel: »Wentorf 2030«. Dirk Petersen ist optimistisch: »Ich sehe Wentorf in der Entwicklung als positive Gemeinde.«
Christa Möller

Der Reinbeker 02.10.17

1.990 Schüler besuchen Wentorfs Schulen
Schulwegeplan soll realisiert werden

Wentorf - Wentorfs Gemeinschaftsschule ist beliebt: Aufgrund der Entwicklung der Schülerzahlen wurde die Vierzügigkeit der Schule seitens des Schulamtes festgelegt, so konnten alle Schüler aufgenommen werden. Die zehnten Klassen der Gemeinschaftsschule sind weiterhin zweizügig. Zurzeit besuchen insgesamt 1.990 Schüler die drei Wentorfer Schulen. Die Gemeinschaftsschule hat 518 Schüler, 313 kommen von außerhalb. Die Grundschule wird derzeit von 412 Schülern besucht, darunter 15 von außerhalb. Das Gymnasium hat 1.060 Schüler, 548 sind von außerhalb.
Derzeit fehlt für die Gemeinde ein aktueller Schulwegplan, den auch die Fraktionen fordern. Zuständig dafür ist laut Schulgesetz die jeweilige Schule, wie Sachgebietsleiterin Susann Kröger erläutert. Dies sei jedoch in der Vergangenheit nicht von allen Schulen erledigt worden. Nun habe die Verwaltung sich entschieden, dieses Projekt gemeinsam mit den Schulen anzugehen. Anfang November ist eine entsprechende Schulung im Wentorfer Rathaus geplant, die alle rechtlich relevanten Punkte und Praxishandlungen umfasst. Anschließend soll ein Schulwegplan für das gesamte Gemeindegebiet aufgestellt werden, der dann den Gremien in den Schulen sowie der Gemeinde zur Beschlussfassung vorgelegt werden soll. Geplant ist eine Veröffentlichung vor den Sommerferien 2018.
Christa Möller

Der Reinbeker 02.10.17

Ein Bagger für den Friedhof
Parteien ringen um Investition

Wentorf - Die Fläche des Wentorfer Friedhofes ist ursprünglich ein altes Kerbtal, sagt Amtsleiter Karsten Feldt. Um dieses einzuebnen, sei es aufgefüllt worden. »Es gibt Bereiche, in denen große Betonklötze liegen. Der alte Bagger ist deswegen kaputtgegangen.« Nun mussten die Gemeindevertreter über eine Neuanschaffung für die Bewirtschaftung des Friedhofes abstimmen. Ursprünglich war dieser Tagesordnungspunkt für den nicht-öffentlichen Teil der Sitzung vorgesehen. Doch auf Antrag der SPD-Fraktion wurde darüber schließlich öffentlich diskutiert. Die Kosten schlagen mit 125.000 Euro zu Buche, 40.000 Euro übernimmt die Kirche. Für die restlichen 85.000 Euro war die Bereitstellung außerplanmäßiger Mittel erforderlich. »Dieses Gerät ist alternativlos«, betonte Wolfgang Warmer (SPD). Er verwies darauf, dass die Gemeinde zu der Anschaffung verpflichtet sei. Die CDU sah die Investition dennoch kritisch und hinterfragte die Modalitäten zur Prüfung des Kaufs. Schließlich bat die Fraktion um eine Sitzungsunterbrechung und schlug anschließend vor, Informationen über Vergleichsangebote und Leistung des Geräts ans Sitzungsprotokoll anzuhängen. Im Anschluss stimmten die Vertreter von SPD, GRÜNEN, UWW und FDP für die Anschaffung, die sieben Fraktionsmitglieder der CDU enthielten sich.
Christa Möller

Der Reinbeker 02.10.17

Niederschlagswasserbeseitigungssatzung
Abstimmung über »ein bürokratisches Werk«

Wentorf - Für den Liegenschaftsausschussvorsitzenden Dr. Marco Schmitz (CDU) ist die Änderung der Niederschlagswasserbeseitigungssatzung, über die es in der Gemeindevertretung abzustimmen galt, ein praktikabler Weg. »Wir haben darum gerungen«, sagte er, »eine Diskussion grundsätzlicher Art.« Günter Weblus (FDP) war mit der Vorlage jedoch nicht einverstanden, er sagte, er vermisse Klarheit bei Paragraf 9. »Das ist nicht das, was ich unter Transparenz verstehe.« Deshalb stellte er den Antrag, die Vorlage zurück in den Liegenschaftsausschuss zu verweisen, »damit der endlich mal für klare Formulierungen sorgt«.
Dazu sagte Gregor Zahnow (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): »Wir haben zweimal im Ausschuss dazu getagt. Ich vermisse konkrete Änderungsvorschläge der FDP.« Dr. Schmitz betonte: »Es ist ein bürokratisches Werk, es muss in erster Linie rechtssicher sein. Ich denke, wir können so über die Änderungen abstimmen.« Er ergänzte, das Hauptanliegen der Bürger sei die Genehmigung für dezentrale Anlagen. Amtsleiter Karsten Feldt verwies darauf, dass es sich bei dem von der FDP monierten Text um eine Passage aus dem Landeswassergesetz handele.
Andrea Hollweg (SPD) meldete sich bezüglich des Themas Streitkultur zu Wort. Sie gab zu bedenken: »Keiner von uns und keiner, der in dem Ausschuss sitzt, trifft seine Entscheidungen leichtfertig.« Sie appellierte deshalb an die Politiker, die Arbeit in den Ausschüssen zu würdigen.
Schließlich zog Günter Weblus den Antrag zurück, bei der anschließenden Abstimmung enthielt sich die FDP, während die übrigen Gemeindevertreter für die Satzungsänderung plädierten.
Christa Möller

Der Reinbeker 02.10.17

Neues vom Seniorenbeirat
Fittness und Gesundheitsvorsorge

Wentorf - Auf Einladung des Seniorenbeirats informiert Claudia Duden, eine Wentorfer Trainerin für Gesundheitssport und Yoga, am 4. Oktober von 10.30 Uhr bis circa 12 Uhr in der Alten Schule, Teichstraße 1, über ein auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierendes Konzept zur »Sturzprophylaxe«. Stürze im höheren Alter stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar und können einschneidende Veränderungen nach sich ziehen. Durch gezieltes Bewegungs-, Kraft- und Gleichgewichtstraining kann das Sturzrisiko jedoch vermindert werden. Nach einer kurzen theoretischen Einführung soll es gleich in die Praxis gehen. Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht. Anmeldung ist nicht nötig, der Eintritt ist frei.
Außerdem gibt es jeden Donnerstag eine Walking-Runde mit Claudia Duden. Treffpunkt ist um 11 Uhr am Rathaus. Anmeldung ist nicht erforderlich, es gibt aber einen Kostenbeitrag. »Es hängt vom Interesse und der Beteiligung der Wentorfer über 60 ab, ob diese Wakinggruppe ein festes Angebot werden kann«, erläutert Monika Offermann vom Seniorenbeirat.
Christa Möller

Der Reinbeker 02.10.17

Bürgerausschuss diskutiert über Zuschüsse aus dem Gemeindebudget
Grünes Licht für Kooperation mit der Volkshochschule Sachsenwald

Wentorf - Englisch lernen in der Alten Schule, sich im Wentorfer Lesekreis im Rathaus über Literatur austauschen oder beim Aqua-Zumba im Lehrschwimmbecken der Gemeinschaftsschule ein Workout im Wasser kennenlernen - das können die Wentorfer dank der Volkshochschule Sachsenwald, die in Wentorf noch weitere Kurse anbietet.
Allerdings hatten die für das erste Halbjahr angebotenen VHS- Kurse stattgefunden, obwohl der Vertrag zwischen den Kommunen über die Zusammenarbeit zum Jahresanfang ausgelaufen war. Die VHS hat die Raummiete bei der Gemeinde beglichen, was jedoch aufgrund der finanziellen Lage der VHS für diese nicht tragbar ist. Weil jedoch beiderseits Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit besteht, gab es kürzlich bereits ein Gespräch zwischen der Verwaltung und VHS-Leiter Ralf Bauer sowie Reinbeks Amtsleiterin Katrin Schöning.
Im September stellten sich Ralf Bauer und Katrin Schöning den Mitgliedern des Bürgerausschusses vor, die sich für die Förderung der VHS aussprachen und im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung für dieses Jahr die Zahlung von 22.000 Euro an die VHS bewilligten - unter anderem für Raummiete. Außerdem beauftragte der Ausschuss Bürgermeister Dirk Petersen einstimmig, den Vertrag mit Reinbeks Bürgermeister Björn Warmer auf den Weg zu bringen, dem im Dezember dann die Gemeindevertretung noch zustimmen muss. Somit kann die Volkshochschule Sachsenwald die Wentorfer auch zukünftig versorgen. »Das ist für mich das Highlight dieser Sitzung«, sagte Bürgermeister Dirk Petersen bezüglich der kulturellen Zusammenarbeit mit Reinbek.
Die Bezuschussung von Wentorfer Kindern in der Spielgruppe des Waldkindergartens wurde öffentlich beschlossen, nachdem der Punkt vom nicht-öffentlichen auf den öffentlichen Teil der Tagesordnung gesetzt worden war.
Das enge Gemeindebudget betrifft vor allem die freiwilligen Leistungen wie etwa die Förderung der Hallennutzung durch den SC Wentorf oder den Zuschuss an den Runden Tisch Asyl für die Nutzung gemeindeeigener Räumlichkeiten. Die Politiker stellten die beiden Tagesordnungspunkte zurück und planen nun, gemeinsam mit der Verwaltung zu klären, wie diese Institutionen zukünftig unterstützt werden können.
Klärungsbedarf in den Fraktionen gibt es außerdem für den Haushalt 2018 aus den Sachgebieten Ordnung, Wahlen und Soziales sowie Schule, Kultur, Kinder und Jugendliche.
Christa Möller

Bergedorfer Zeitung 29.09.17

G9 - „Viele nehmen es als Chance wahr"
NEUES GESETZ Schulen warten auf Fakten

Geesthacht (wjö). Längeres Lernen könnte in Geesthacht für Abiturienten bald wieder in allen Oberstufen möglich sein. Denn die Landesregierung plant die Wiedereinführung des G9-Abiturs im Norden - eine erneute Wende, die in der Elbestadt gelassen bis hoffnungsvoll beobachtet wird.
Dr. Jan Rüder, Leiter der Alfred-Nobel-Gemeinschaftsschule (ANS), sieht der möglichen Entwicklung bei den Gymnasien gelassen entgegen. Beim ihm erreichen Schüler nach mindestens neun Jahren das Abitur. Sinkende Schülerzahlen erwartet er nicht, falls das Geesthachter Gymnasium in Sachen längeres Lernen nachzieht. „Unsere Schule hat schon lange existiert bevor der Wechsel von G9 auf G8 kam“, sagt Rüder und betont: Die Lernzeit sei für Familien nicht der entscheidende Grund, dass ihre Wahl auf eine Gemeinschaftsschule falle. Vielmehr punkte die Schulform beispielsweise mit heterogenen Lernkonzepten und unterschiedlichen Bildungsabschlüssen.
„Von vielen wird das eher als Chance wahrgenommen“, ordnet Michael Francke, Studiendirektor und Koordinator für schulfachliche Aufgaben am Otto-Hahn-Gymnasium (OHG), die Stimmung an seiner Schule ein. Geesthachts einziges Gymnasium hatte sich 2011 dafür entschieden, beim schnellen Abitur, das 2004 eingeführt worden war, zu bleiben, obwohl das damals neue Schulgesetz eine Rückkehr zu G9 bereits ermöglicht hätte. Heute sind Lehrer, Schüler und Eltern noch unentschieden. „Wir führen angeregte Diskussionen innerhalb der Lehrerschaft - aber auch unter Schülern und Eltern ist das ein Thema“, sagt Francke. Eine Wechselmüdigkeit, Frust oder Ärger angesichts des Zick-Zack-Kurses der Politik beobachtet er am OHG nicht. „Die Umstellung zu G8 war massiv. Es musste zum Beispiel viel an den Lehrplänen gearbeitet werden. Aber es ist nicht so, dass wir denken, dass das nun alles umsonst war“, sagt er. Im November tagen Lehrer- und Schulkonferenz zu den Umstrukturierungsoptionen. Dann - so hofft Francke - sollten weitere Details bekannt sein.
Bisher liegt nur ein Gesetzentwurf aus Kiel vor. Im Dezember soll das Gesetz in zweiter Lesung beschlossen werden. Bis Ende Februar müssen die Schulkonferenzen der Gymnasien dann entscheiden, ob sie an G8 festhalten. Praktisch in Kraft treten soll das Gesetz zum Schuljahr 2019/20 für die 5. und 6. Klassen.

Bergedorfer Zeitung 26.09.17

Ergebnisse in den Wentorfer Wahlbezirken

WB 1 (Zur Alten 16): Wahlber. 843, Wähler 526, CDU 33,9, SPD 22,2, FDP 15,3, Grüne 8,8, Linke 9,0, AfD 9,2

WB 2 (Gymnasium II): Wahlber. 752, Wähler 407, CDU 36,0, SPD 11,4, FDP 24,4, Grüne 15,3, Linke 5,7, AfD 5,7

WB 3 (Altentagesstätte Alte Schule): Wahlber. 888, Wähler 556, CDU 31,6, SPD 25,1, FDP 11,0, Grüne 10,3, Linke 8,3, AfD 10,6

WB 4 (Kindergarten Zauberwald): Wahlber. 849, Wähler 527, CDU 28,3, SPD 23,1, FDP 15,3, Grüne 14,5, Linke 6,5, AfD 9,6

WB 5 (Kita Sportini Sachsenring): Wahlber. 825, Wähler 537, CDU 31,1, SPD 20,0, FDP 14,6, Grüne 14,2, Linke 7,7, AfD 9,0

WB 6 (Kita Sportini Kids): Wahlber. 842, Wähler 527, CDU 30,5, SPD 22,3, FDP 11,3, Grüne 18,3, Linke 9,0, AfD 7,1

WB 7 (Sport- und Jugendheim): Wahlber. 852, Wähler 495, CDU 35,7, SPD 21,4, FDP 14,4 Grüne 12,4, Linke 7,0, AfD 8,0

WB 8 (Rathaus): Wahlber. 710, Wähler 416, CDU 31,9, SPD 26,3, FDP 15,0, Grüne 11,6, Linke 5,6, AfD 7,5

WB 9 (Gemeinschaftsschule): Wahlber. 792, Wähler 505, CDU 33,4, SPD 20,8, FDP 13,0, Grüne 12,8, Linke 6,8, AfD 12,0

WB 10 (Feuerwehrgerätehaus): Wahlber. 913, Wähler 563, CDU 34,9, SPD 20,8, FDP 12,3, Grüne 10,9, Linke 5,2, AfD 12,2

WB 11 (Gymnasium I): Wahlber. 783, Wähler 436, CDU 30,9, SPD 15,3, FDP 18,1, Grüne 17,9, Linke 6,3, AfD 10,0

WB 12 (Ev. Kirche): Wahlber. 800, Wähler 481, CDU 32,6, SPD 15,5, FDP 20,9, Grüne 13,4, Linke 8,2, AfD 7,1

Briefwahl I: Wähler 2158, CDU 37,8, SPD 18,6, FDP 18,3, Grüne 11,8, Linke 4,4, AfD 6,6

Bergedorfer Zeitung 26.09.17

Wahlkreis 10 schickt diese Abgeordneten nach Berlin
Brackmann holt Direktmandat - SPD, Grüne und AfD über Liste erfolgreich

Von Gerrit Pfennig
Geesthacht/Berlin. Das ist rekordverdächtig: Der Wahlkreis 10 (Kreis Herzogtum Lauenburg - Stormarn-Süd) wird künftig von vier statt drei Abgeordneten im Deutschen Bundestag vertreten. Für Schleswig-Holstein ist das der absolute Spitzenwert und auch im Vergleich zu anderen Wahlkreisen ist die Region damit bestens ausgestattet.
Wie bereits 2009 und 2013 holte der Lauenburger Norbert Brackmann das Direktmandat für die CDU, allerdings mit deutlichen Verlusten. Der 63- Jährige brachte es auf 39,5 Prozent der Erststimmen (2013: 45,2 Prozent) - und fiel damit sogar leicht hinter sein Ergebnis von 2009 (39,9 Prozent) zurück.
Als einzige hätte Nina Scheer (Siebeneichen) beim Kampf um das Direktmandat gefährlich werden können. Doch der Stimmeneinbruch bei der SPD-Abgeordneten, die seit 2013 im Bundestag sitzt, fiel noch deutlicher aus. Während die 46-Jährige bei der damaligen Wahl noch 34,6 Prozent der Erststimmen auf sich vereinigen konnte, waren es diesmal nur 27,2 Prozent. Scheer zieht so erneut über die Landesliste (Platz 3) ein. „Die starken Verluste beider großer Volksparteien sagen auch etwas über die große Koalition aus, die sich auf dieser Grundlage, aber auch aufgrund der großen programmatischen Unterschiede nicht fortsetzen lassen wird“, bilanzierte Nina Scheer gestern die historische Wahlniederlage der Sozialdemokratie.
Der Möllner Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz verbuchte einen leichten Zuwachs bei den Erststimmen auf 9,8 Prozent (plus 2,7 Punkte). Der 46-Jährige, der seit 2009 einen Sitz im Bundestag hat, war als Spitzenkandidat über die Landesliste (Platz 2) abgesichert. „Wir werden die AfD inhaltlich stellen. Sie ist nicht nur eine Partei der menschenverachtenden und geschichtsvergessenden Parolen, sondern auch eine der politischen Inkompetenz“, kündigte von Notz gestern an.
Bei diesen Diskussionen könnte es der Möllner künftig mit dem stellvertretenden AfD-Landesvorsitzenden Bruno Hollnagel aus Hoisdorf zu tun bekommen. Er schaffte bei seiner ersten Bundestagskandidatur einen Erststimmenanteil von 9,1 Prozent im Wahlkreis 10. Der 69-jährige Bau- und Wirtschaftsingenieur zieht als Spitzenkandidat über die Landesliste (Platz 1) in den Bundestag ein. Mit Hollnagel war auch der Medizin-Professor Axel Gehrke über die AfD- Liste erfolgreich. Er wohnt im Wahlkreis 10 (Grönwohld, Amt Trittau), trat aber im Wahlkreis 9 an (Ostholstein - Stormarn-Nord).
Einen Achtungserfolg für die FDP verbuchte Bernd Buchholz. Er steigerte das Erststimmen-Ergebnis für die Liberalen um 6,1 Prozentpunkte auf 8,23 Prozent. Der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister hatte vor der Wahl bereits angekündigt, in Kiel im Amt zu bleiben. Und er hielt sich daran: So verzichtete er auf sein Bundestagsmandat, das er über den Landeslistenplatz 2 errungen hatte. Für ihn rückt die 27-jährige Gyde Jensen aus dem Kreis Rendsburg- Eckernförde auf.
Die Linken-Bundestagskandidatin Heidi Beutin (72) aus dem Amt Trittau schaffte den Bundestagseinzug weder direkt (5,1 Prozent der Erststimmen) noch über die Liste. Über die Linken-Landesliste war dagegen ihr Sohn Lorenz Gösta Beutin (39) erfolgreich, der im Wahlkreis 6 (Plön - Neumünster) als Direktkandidat angetreten war.

Bergedorfer Zeitung 23.09.17

STRASSENAUSBAU
Beitragsfreiheit? Kritik an Kieler Plänen

Geesthacht (rpf). Beiträge, die Anwohner für den Straßenausbau zahlen müssen, stoßen vielfach auf Kritik. Beispiel aus Geesthachter Sicht: der zunächst aufgeschobene Umbau der Straße Am Spakenberg, der im Haushalt 2017 mit einem Wert von 500 000 Euro zu Buche schlägt - der taxierte Wert der Anliegerbeiträge.
Könnte mit diesen Zahlungen bald Schluss sein? Diese Option wird jedenfalls im Kieler Landtag diskutiert. In erster Lesung beschäftigen sich die Abgeordneten am Freitag mit zwei Gesetzesvorlagen. So will die Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP die Gemeindeordnung dahingehend ändern, dass es wieder ins Ermessen der Kommunen fällt, ob sie die Beiträge erheben. Die AfD brachte dagegen einen eigenen Entwurf ein - sie will das Kommunalabgabengesetz ändern, um das gleiche Ziel zu erreichen.
Nach Einschätzung von Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) führe der AfD-Vorstoß zu Rechtsunsicherheit, weil das Abgabengesetz bloß das Verfahren regele. Er warb für den eigenen Entwurf: „Mich erreichen immer wieder Schreiben, in denen mir Schleswig-Holsteiner schildern, wie sehr sie diese Beiträge belasten.“
Bei der SPD-Opposition stößt der Vorschlag auf wenig Gegenliebe: „Danke für nichts!“, kommentierte die Geesthachter Landtagsabgeordnete Kathrin Wagner-Bockey via Facebook. „Es wird interessant sein, wie das Land den Kommunen die Mittel zur Verfügung stellen will, die hierdurch fehlen würden“, sagt Geesthachts Bürgermeister Olaf Schulze (SPD). Es helfe den Kommunen wenig, wenn sie mehr Schulden machen dürften. Die Ratspolitiker diskutieren aktuell eine Änderung der Straßenbaubeitragssatzung. Strittig ist die Höhe und der Zinssatz für Ratenzahlungen. Aus dem Rat wurde die Verwaltungsvorlage in die Fraktionen verwiesen.

Bergedorfer Zeitung 21.09.17

Landtag schiebt Wiedereinführung von G9-Abitur an
BILDUNG Ministerin Prien (CDU): „Ein guter Tag"
- SPD und SSW kritisieren den Gesetzentwurf

Kiel (Ino). Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat die von der Landesregierung geplante Wiedereinführung des G9-Abiturs an den Gymnasien im Norden durchweg positiv bewertet. „Heute ist ein guter Tag für die zukünftigen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in Schleswig-Holstein“, sagte Prien am Mittwoch im Landtag, der nach erster Lesung den Gesetzentwurf der Regierungsfraktionen CDU, Grüne und FDP zur weiteren Beratung in den Bildungsausschuss überwies.
Die Schüler sollten mehr Zeit zum Lernen, aber auch für andere Aktivitäten habe, sagte Prien. Das G8-Turbo-Abi habe sich als Fehler erwiesen, der gemäß dem Willen der Wähler korrigiert werde. SPD und SSW kritisierten den Gesetzentwurf.
Im Dezember soll das Gesetz in zweiter Lesung beschlossen werden. Bis Ende Februar haben die Schulkonferenzen der Gymnasien die einmalige Gelegenheit, am G8-Abitur festzuhalten. Das Gesetz soll mit dem Schuljahr 2019/20 für die 5. und 6. Klassen praktisch in Kraft treten.
„Unser Auftrag ist es, die Gymnasien gut auf die flächendeckende Einführung des Abiturs nach neun Jahren vorzubereiten“, sagte die Ministerin. Sie sprach von einer politischen Leitentscheidung der Landesregierung.
Als „Schulentmündigungsgesetz“ kritisierte der SPD-Bildungsexperte Martin Habersaat den Gesetzentwurf. Er verwies darauf, dass Gymnasien nur mit einer Dreiviertelmehrheit ihrer Schulkonferenz am G8-Abitur oder an beiden Optionen („Y-Modell“) festhalten könnten. „Wo ist denn da die Entscheidungsfreiheit, wenn ich 75 Prozent der Stimmen brauche und das Ganze dann noch unter den Letztentscheid der Ministerin gestellt wird?“
Die SPD und der SSW kritisierten außerdem, das Gesetzesverfahren werde im Hauruckverfahren ohne echten Dialog mit den Betroffenen durchgezogen: „Dialog war gestern, jetzt wird durchregiert!“, sagte Habersaat.

Der Reinbeker 18.09.17

Gefährlicher (Schul-)weg in Wentorf
Zebrastreifen für die Berliner Landstraße?

Wentorf - Wer vom Wohngebiet auf dem ehemaligen Kasernengelände zu Fuß oder mit dem Fahrrad Richtung Feldstraße / Kinderzentrum unterwegs ist, muss die Berliner Landstraße überqueren. »Eine ziemlich gefährliche Straße - gerade für Kinder«, stellt der Vorsitzende des Liegenschaftsausschusses Dr. Thomas Schmitz (CDU) nicht zuletzt mit Blick auf seitlich parkende Autos fest, die die Sicht einschränken. Deshalb befürwortet seine Fraktion zusätzlich zum Fußgängerüberweg in Höhe des Casino-Parks und den Ampeln in Höhe der Moorkoppel sowie an der Kreuzung Berliner Landstraße/Am Grotensahl/Zwischen den Toren eine weitere sichere Überquerungsmöglichkeit: Einen beschilderten Fußgängerüberweg in der Berliner Landstraße in Höhe des Querwegs, der die Feldstraße mit der Berliner Landstraße verbindet.
»Einen Zebrastreifen können wir nur einrichten, solange es keine Tempo-30-Zone ist«, gab Bürgervorsteher Andreas Hein (CDU) zu bedenken. Denn sollte in der Berliner Landstraße zukünftig eine Tempo-30-Zone entstehen, dürfte kein neuer Zebrastreifen eingerichtet werden, wohingegen ein bereits vorhandener jedoch Bestandsschutz hätte.
Die Verwaltung soll nun die Kosten für einen Zebrastreifen prüfen.
Christa Möller

Der Reinbeker 18.09.17

Sollte man 5 Spielplätze auflösen?
Die UWW in Wentorf hat eine Liste veröffentlicht

Wentorf - Die Gemeinde muss sparen, und die Politiker müssen dafür Vorgaben erarbeiten. Da werden viele Bereiche unter die Lupe genommen, so auch die 17 gemeindeeigenen Spielplätze in Wentorf, die die UWW-Fraktion nicht alle für erhaltenswert hält.
»Es entstehen der Gemeinde ja doch relativ erhebliche Kosten«, erläuterte im Liegenschaftsausschuss Axel Bonn seinen Antrag bezüglich wenig frequentierter Spielplätze. Jeder Spielplatz müsse ein-, zweimal wöchentlich vom Betriebshof angefahren werden. »Wir wollen gern prüfen, ob wir auf einige dieser Spielplätze verzichten können, weil ja auch noch andere dazukommen werden.« Denn im Neubaugebiet Langer Asper sind drei weitere Spielplätze geplant und ein weiterer im Bereich des Bebauungsplanes 27.
Die Fraktion hat fünf Spielplätze aufgelistet: Am Gehölz (dort gebe es nur noch einen Basketballkorb), Friedrichsruher Weg, Grenzweg, Schanze (»da ist kein richtiger Spielplatz mehr vorhanden«) und Wischhoff. Mit den Spielgeräten könnten andere Spielplätze aufgepeppt werden. »An der Schanze sind so viele Kinder, die fühlen sich da sehr wohl«, hat Horst Hönck (CDU) festgestellt. Und auch der Spielplatz am Wischhoff scheint noch relativ häufig genutzt zu werden, wie der Ausschussvorsitzende Dr. Marco Schmitz zu bedenken gab. Sybille Hampel (SPD) schlug vor, eine genaue Übersicht zu erstellen, welche Spielplätze wirklich genutzt würden und über alternative Nutzung nachzudenken. Dazu hatte ihre Parteikollegin Irmtraud Zilles auf die Möglichkeit eines Dirt Park-einer Buckelpiste für Radfahrer - eines Bouleplatzes, einer Möglichkeit zum Schachspielen und eines Spielplatzes für Senioren verwiesen. Gregor Zahnow (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) stellte klar, vor der Entscheidung für eine mögliche Nutzung als Bauplatz den geplanten Workshop zur Zukunft der Gemeinde abwarten zu wollen. Zunächst soll das Thema nun in den Fraktionen weiter verfolgt werden.
Vertagt wurde außerdem ein Antrag der CDU-Fraktion zur Grünflächenpflege. »Das Straßenbild ist nicht schön - sicherlich begünstigt durch die Wetterverhältnisse in diesem Sommer«, meint Dr. Mirco Schmitz. Deshalb will seine Fraktion prüfen lassen, welche freien Kapazitäten der Betriebshof hat, um die Grünflächenpflege zu intensivieren, nachdem im Zuge der Haushaltsbeschlüsse die Mittel für die Fremdvergabe im Gemeindegebiet in Höhe von 70.000 Euro gestrichen worden waren. Außerdem sollen Grundstückseigentümer in bestimmten Bereichen im Rahmen der Straßenreinigungssatzung darauf hingewiesen werden, ihrer Reinigungspflicht nachzukommen. Wenn das nicht ausreicht, beantragt die CDU, den verbleibenden Pflegebedarf fremd zu vergeben. Diesbezüglich stellte Dirk Matzen (FDP) die Frage der Gegenfinanzierung. Gregor Zahnow schlug ein Treffen der Kommunalpolitiker mit dem Betriebshof vor.
Christa Möller

Der Reinbeker 18.09.17

Planungs- und Umweltausschuss wartet auf Workshop
Sparwille, aber keine Beschlüsse

Wentorf - Wenig Beschlussfreude zeigten die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses in Wentorf. Auf ihrer September-Sitzung vertagten sie den Beschluss zum Vorentwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes Nummer 11 (Gebiet südlich Stettiner Straße, nördlich und östlich Danziger Straße, westlich Stettiner Straße 10 und Danziger Straße 7 a-c). Dort sollen drei dreigeschossige Bestandsgebäude mit insgesamt sechzig Wohnungen ein Satteldach erhalten, wodurch etwa 20 kleine Wohnungen zusätzlich entstehen könnten. Im ersten Bauabschnitt soll 2020 / 2021 außerdem eine Kindertagesstätte entstehen. Außerdem ist geplant, Altbestand mit zwölf Wohnungen durch drei neue Gebäude zu ersetzen. Nach Umsetzung des Projekts würden insgesamt 132 Wohnungen zur Verfügung stehen. Gerd Fleischhauer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) stellte für seine Fraktion den Antrag, den Tagesordnungspunkt bis zum für Herbst geplanten Workshop zur (baulichen) Zukunft der Gemeinde zurückzustellen. Mit acht Ja-Stimmen und einer Enthaltung folgten die Ausschussmitglieder dem Antrag.
Das gleiche Abstimmungsergebnis erzielte Fleischhauers Antrag bezüglich des Bebauungsplanes Nummer 13 (südlich Hochweg, westlich Am Redder, nordöstlich Reinbeker Weg), wo ebenfalls Wohnungen gebaut werden sollen.
Und auch die Haushaltsplanungsliste Sachbereich Planung wird sich auf der Tagesordnung einer zukünftigen Sitzung wiederfinden. Hier bemängelte Gregor Zahnow (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Einsparungen in Höhe von 5.000 Euro gemäß Beschlussvorlage des Finanzausschusses seien nicht eingearbeitet worden. Dem hielt Hauptamtsleiter Karsten Feldt entgegen, Einsparmöglichkeiten müsse die Politik erarbeiten und nicht die Verwaltung. Gerd Fleischhauer schlug daraufhin vor, 3.000 Euro durch Verzicht auf die Mitgliedschaft im interkommunalen Einzelhandelsforum einzusparen, 1.500 Euro durch Reduzierung des Ansatzes für Sachverständigen- und Gerichtskosten sowie 500 Euro durch Reduzierung des Planungsansatzes für Zuschüsse an übrige Bereiche von 3.000 auf 2.500 Euro. Günter Weblus (FDP) sieht diesbezüglich weiteren Diskussionsbedarf - »möglicherweise über die Fraktionsgrenzen hinaus« und stellte den Antrag, das Thema zurück in die Fraktionen zu verweisen. Das beschloss der Ausschuss einstimmig. Klaus Derndinger (SPD), der für den verhinderten Ausschussvorsitzenden Dreyer und seinen Stellvertreter Dr. Peters eingesprungen war, kritisierte allerdings den Wunsch der GRÜNEN zur Kündigung der Mitgliedschaft im Einzelhandelsforum.
Christa Möller

Der Reinbeker 18.09.17

Satzung fürs Niederschlagswasser soll geändert werden
Wasserrechtliche Erlaubnis ist nötig

Wentorf-Jahrzehntelang haben viele Bürger ihr Niederschlagswasser auf dem eigenen Grundstück versickern lassen. Im Zuge einer Änderung der Niederschlagswasserbeseitigungssatzung kam das Thema im Liegenschaftsausschuss zur Sprache, der sich jetzt erneut damit befasste. Amtsleiter Karsten Feldt stellte klar: »Die Leute, die ihr Wasser selbst entsorgen wollen, brauchen dafür eine wasserrechtliche Erlaubnis vom Kreis, damit die Gemeinde das übertragen kann.« Ein Besucher der Sitzung fragte, ob es vernünftig sei, dass Grundstückseigentümer, die dies seit über 70 Jahren tun, jetzt nachweisen müssen, dass ihr Grundwasser ordnungsgemäß versickert?
Laut Landesgesetz ist jedoch bereits seit Jahrzehnten eine Genehmigung für das Betreiben einer Anlage zum Versickern erforderlich. »Das ist in Wentorf bisher ungeregelt gemacht worden«, sagte Gregor Zahnow, der für die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einen Ergänzungsantrag zur Satzung gestellt hatte. Darin wird unter anderem klar gestellt, unter welchen Voraussetzungen es eine Befreiung vom Anschluss- und Benutzungszwang gibt. Der Antrag wurde mit acht Ja-Stimmen und einer Enthaltung angenommen. Mit acht Ja-Stimmen und einer Enthaltung wurde auch die Empfehlung an die Gemeindevertretung zur Änderung der Niederschlagswasserbeseitigungssatzung ausgesprochen.
Christa Möller

Bergedorfer Zeitung 13.09.17

Regenfluten sollen kanalisiert werden
WENTORF Versiegelte Flächen und „wilde" Rohre bereiten Probleme

Von Susanne Holz
Wentorf. Sonne, Sturm und vor allem ganz viel Regen - das war der Sommer 2017 in Norddeutschland. Für die meisten einfach nur ein Ärgernis, für Städte und Gemeinden jedoch zunehmend eine Herausforderung. Grund: Das viele Wasser muss abgeleitet werden, weil immer mehr Flächen versiegelt sind: Dort, wo Häuser stehen, Terrassen oder Carports errichtet werden, versickert so einfach nichts.
Besonders gut lässt sich dies derzeit an Neubaugebieten wie dem Langen Asper in Wentorf beobachten. Genau ist festgelegt, wer was und in welcher Größe bauen darf. Bei diesen Vorgaben hatten die Genehmigungsbehörden auch immer das Regenwasser im Blick. Zu verlockend ist es jedoch für einige Hausbesitzer, den Parkplatz oder Carports heimlich ein bisschen größer zu bauen. Die Verwunderung ist dann groß, wenn auf dem eigenen Grundstück plötzlich das Regewasser knöchelhoch steht - es kann bei all dem Beton schlicht nicht mehr im Boden versickern.
„In der Folge läuft es dann über die Straßen in ein Regenrückhaltebecken. Doch auch das fasst diese Wassermengen oft nicht mehr“, erläutert Wentorfs Tiefbauingenieurin Christiane Schabert. Ein zusätzliches Problem: Es dürfen nur genau festgelegte Regenmengen über das Regenrückhaltebecken in das Bächlein Schulenbrooksbek eingeleitet werden. Von dort aus fließt das Wasser bis nach Bergedorf. Zudem leitet Wentorf Wasser in den Mühlenteich und in die Bille ein. Das unterirdische Regenrohrnetz ist 60 Kilometer lang.
Einige alteingesessene Wentorfer haben vor mehr als 50 Jahren ganz individuelle Lösungen in Sachen Regenwasserentsorgung gefunden. Sie haben etwa ihre Regenrohre unter der Erde weiter verlegt und dann eigenhändig angeschlossen, auch an das öffentliche Schmutzwassersiel.
Herausgefunden hat die Gemeinde das erst jetzt: Nach dem Erlass einer Satzung zur Niederschlagswasserbeseitigung 2012 hat sie sich zum ersten Mal damit beschäftigt, welcher Grundstückseigentümer eigentlich wie und wo sein Regenwasser entsorgt. Die genaue Feststellung ist auch Grundlage dafür, dass die Gemeinde Wentorf bald erstmals Abwasserbeseitigungsgebühren erheben darf.
„Bei den aktuellen Sielarbeiten tauchten plötzlich am Reinbeker Weg links und rechts Rohre auf, die keiner zuordnen konnte“, sagt Amtsleiter Karsten Feld. Andernorts lugten Rohre unter Büschen hervor. Die Hausbesitzer ließen das Wasser also einfach auf die Straße und damit schlimmstenfalls auch auf tieferliegende Grundstücke laufen. All das ist nicht erlaubt.
Zwar dürfen Hausbesitzer Wasser auf ihrem Grundstück versickern lassen. Nach dem Prinzip „Niederschlagswasser soll dort entsorgt werden, wo es entsteht“, ist das sogar erwünscht - aber nur in technisch einwandfreien und genehmigten Anlagen.
Die Aufregung bei einigen ist groß, weil sie nur 50 Jahre alte Baugenehmigungen vorlegen können. „Die ersetzen keine wasserbehördliche Genehmigung“, sagt Karsten Feldt. Er bietet Betroffenen an, sich an das öffentliche Regenwassersiel anzuschließen - wenn vorhanden. In Deutschland ist alles geregelt - auch der Regen.

Bergedorfer Zeitung 11.09.17

Spielen bald die Senioren im Sand?
SPIELPLÄTZE UWW möchte fünf schließen,
SPD denkt über Nutzung durch Ältere nach

Wentorf (sho). Unterhaltungskosten minimieren und den Betriebshof entlasten - mit diesem Ziel hatte die UWW in Wentorf vorgeschlagen, fünf der insgesamt 20 Spielplätze in der Gemeinde zu schließen. Rund 12 000 Euro ließen sich pro Jahr sparen, wenn die Plätze am Grenzweg, Am Wischhoff 28, An der Schanze, am Friedrichsruher Weg und Am Gehölz gestrichen werden. Würde die Gemeinde zudem noch einige der Plätze verkaufen, die zum Teil mitten in einem Wohngebiet liegen, käme sogar noch ordentlich Geld in die Gemeindekasse, so die UWW.
Doch so schnell werden Schaukel, Wippe und Rutsche nicht abgebaut. Denn bei dieser weitreichenden Entscheidung wollte im zuständigen Liegenschaftsausschuss der Gemeinde keine Partei übereilt entscheiden. Zunächst soll geprüft werden, ob die Spielplätze tatsächlich entbehrlich sind. Denn das bezweifelten die anderen Fraktionen.
Der Platz an der Schanze beispielsweise werde mittlerweile wieder rege besucht, hatten einige Politiker beobachtet. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass derzeit möglicherweise weniger Kinder auf den Plätzen spielten, sich das mit dem allerorten stattfindenden Generationswechsel aber ändern könnte.
Die SPD hatte eine ganz andere Idee und schlug vor, aus den Kinderspielplätzen Treffpunkte und „Spielplätze“ für Senioren zu machen - unter anderem mit Bouleplatz und Schachbrett. Eine Idee, die auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, in anderen Städten jedoch schon erfolgreich umgesetzt wird. In Reinbek beispielsweise ist neben dem Bismarck-Seniorenstift ein Bewegungspark für ältere Menschen entstanden. Dort stehen zehn seniorengerechte Fitnessgeräte, zudem soll der Park ein Treffpunkt für die Bewohner sein und auch Gäste anlocken.
Wie man Spielplätze insgesamt wieder attraktiver machen kann - möglicherweise sogar für alle Generationen -, wird nun ein jüngst nach Wentorf gezogener Vater und Erzieher erklären. Er hatte sich in der Einwohnerfragestunde des Liegenschaftsausschusses für Spielplätze stark gemacht und ist zudem noch ein Experte in Sachen Spielplatzbau. Flugs wurde der Neubürger von den Politikern als Gast für den nächsten Ausschuss eingeladen. Das Ergebnis der Debatte ist noch völlig offen.

Bergedorfer Zeitung 09.09.17

Zusammenarbeit stärkt die ganze Region
MITTELZENTRUM Reinbek, Glinde und Wentorf setzen auf gute Nachbarschaft

Reinbek (sho). Wichtige Themen wie Schulbildung, Wohnungspolitik, Gewerbeansiedlungen oder Einzelhandel enden nicht am Ortsausgangsschild. Deshalb treffen sich seit neun Jahren die Mittelzentrumspartner Reinbek, Glinde und Wentorf regelmäßig mit ihren Nachbarn Bergedorf, Barsbüttel, Oststeinbek, Aumühle und Wohltorf.
Bei der gestrigen Sitzung im Reinbeker Schloss sei wieder mal deutlich geworden, wie vertraut man miteinander sei und wie die Städte und Gemeinden schon jetzt Zusammenhängen, betont Reinbeks Bürgermeister Björn Warmer. Ein Jahr lang übernimmt er nun die Sprecherfunktion für die Gruppe. Für ihn haben derzeit vor allem zwei Projekte besondere Bedeutung. „Nach intensiver Vorbereitung wird in den nächsten Wochen ein Planerteam beauftragt, für den Raum Bergedorf/Südstormarn/Herzogtum Lauenburg Süd ein Siedlungsstruktur- und Verkehrsentwicklungskonzept aufzustellen“, sagt er. Finanziert wird dies durch die kommunalen Akteure und voraussichtlich die Metropolregion Hamburg. „Die Lösung von Verkehrsproblemen in unserem weiter wachsenden Raum ist für die Lebensqualität und Wirtschaftsentwicklung eminent wichtig“, sagt Warmer. Darüber hinaus sei die Fortschreibung des ersten gemeinsamen Schulentwicklungsplans von 2013 ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
Dass bei den meisten Themen die Übergänge selbst über Ländergrenzen hinweg längst fließend sind, unterstreicht Bergedorfs Bezirksamtschef Arne Dornquast. Baut Bergedorf am Reinbeker Redder 650 Wohneinheiten, sei das auch für Oststeinbek und Reinbek interessant. Denn die Bewohner müssen einkaufen, Ärzte besuchen, nutzen den Öffentlichen Nahverkehr. Deshalb hat Dornquast Oststeinbeks Bürgermeister Jürgen Hettwer auch eingeladen, als die ersten Pläne für das neue Bergedorfer Wohngebiet vorgestellt wurden. Dessen grüne Ausgleichsflächen sind in Oststeinbek geplant. Auch Barsbüttels Verwaltungschef Thomas Schreitmüller hat die Planung wohlwollend beobachtet, entlaste eine aktive Hamburger Wohnungbaupolitik doch auch immer die Städte und Gemeinden am Rande Hamburgs, sagt er. Selbst wenn sich ein Unternehmen nicht in der eigenen Stadt ansiedele, sondern beim Nachbarn, sehe man das sportlich. „Schließlich geht es darum, dass unsere Bürger in der Region Arbeit finden“, so Schreitmüller.

Bergedorfer Zeitung 31.08.17

Fünf Spielplätze auf der Streichliste
VORSTOSS UWW will mit Schließung Kosten sparen und denkt darüber nach,
die Flächen zu verkaufen

Von Susanne Holz
Wentorf. ln Zeiten knapper Kassen hat die UWW Wentorf die Spielplätze ihrer Gemeinde ins Visier genommen. Die unabhängige Wählergemeinschaft möchte fünf von insgesamt 20 Spielplätzen schließen, die ihrer Ansicht nach nicht mehr von Eltern und ihren Kindern genutzt werden. Von den rund 12 790 Wentorfern sind etwa 790 bis zu sechs Jahre alt. Auf der Streichliste stehen die Spielflächen am Grenzweg, Am Wischoff 28, An der Schanze, am Friedrichsruher Weg und Am Gehölz. „In erster Linie möchten wir den Bauhof entlasten, der die Plätze pflegt“, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Axel Bonn. Denn die Unterhaltung von Rutsche, Schaukel und Co. koste Zeit und zudem noch eine Menge Geld.
Unterhaltung aller Plätze kostet pro Jahr 80 000 Euro
Wie viel Geld genau, kann Amtsleiter Karsten Feldt beziffern. Alle gemeindeeigenen Spielplätze kosten Wentorf im Jahr rund 80 000 Euro. Dieser Posten beinhaltet von der Säuberung bis zur Instandsetzung von Geräten alles. Würde man die genannten fünf Plätze tatsächlich schließen, ließen sich so 12 000 Euro einsparen.
Die UWW möchte jedoch nicht nur Geld sparen, sondern auch welches einnehmen. Die Plätze sollen an interessierte Investoren verkauft werden. Grundsätzlich könne sich die UWW auch vorstellen, geeignete Spielplatzflächen als Bauland zu verkaufen. „Ob dort jedoch überhaupt gebaut werden darf, haben wir bislang noch nicht geprüft“,sagt Axel Bonn. Die anvisierten Flächen sind zwischen 652 und 1532 Quadratmeter groß.
Die Schließung sei nachvollziehbar, weil die genannten Spielplätze nicht sehr stark frequentiert würden. „Wir haben alle Plätze mehrmals besucht. Auch Eltern aus dem Umkreis, mit denen wir gesprochen haben, halten die genannten Spielplätze für wenig attraktiv“, sagt Axel Bonn. Eine Einschätzung, die auch Karsten Feldt teilt. Aus seiner Sicht wäre eine Schließung vertretbar. Auch deshalb, weil sich die restlichen 16 Spielplätze gleichmäßig über die gesamte Gemeinde verteilen.
Die Politik wird im kommenden Liegenschaftsausschuss am Donnerstag, 7. September (19 Uhr, Rathaus, Hauptstraße 16), darüber beraten.
Die FDP steht dem Ansinnen schon jetzt generell offen gegenüber. „Das ist vernünftig“, sagt der Fraktionsvorsitzende Günther Weblus. „Aber wir schließen keine Spielflächen, die von Müttern mit Kindern genutzt werden“, betont er. Sondern wenn, dann jene, die eben nicht mehr bespielt würden. Zudem gibt Weblus zu bedenken, dass in den Neubaugebieten nach und nach weitere, modernere Spielplätze entstehen.
Die CDU geht differenziert an die Sache heran, kommt nach Vorort-Besichtigungen und Diskussionen zu dem Ergebnis, dass der Wegfall der Plätze am Grenzweg, an der Schanze und am Friedrichsruher Weg zu verschmerzen wäre. „Der Platz am Gehölz wird als Bolzplatz genutzt, der Platz am Wischhoff gehört zur Glunz-Wohnanlage. Da muss man genau hinschauen“, sagt Kristin Thode, Fraktionsvorsitzende der CDU. Gregor Zahnow, stellvertretender Fraktionschef der Grünen, möchte zunächst belegbare Zahlen haben, dass die Plätze tatsächlich nicht mehr von Kindern und Eltern genutzt werden. Aber auch dann würde er die Plätze gern als Treffpunkte in den Ortsteilen erhalten. „Ich halte nichts davon, daraus Bauland zu machen. Das ist eine schlechte Idee“, sagt er. SPD-Urgestein Wolfgang Warmer rät zu einer genauen Analyse, wie stark die Plätze tatsächlich noch frequentiert werden. Komme keiner mehr, kann er sich vorstellen, die Plätze letztlich aufzugeben und Bauland daraus zu machen.
Um nicht am Willen der Eltern vorbeizuplanen, begrüßt Initiator Axel Bonn eine Diskussion über das Thema. Die nächste Gelegenheit dazu ist am kommenden Donnerstag.

Bergedorfer Zeitung 30.08.17

KIELER KABINETT STIMMT ENTWURF ZU
Gesetz zur Absicherung von Waldkindergärten auf dem Weg

Kiel (Ino). Die Landesregierung in Kiel will mit Gesetzesänderungen Waldkindergärten juristisch besser schützen. Das Kabinett stimmte gestern einem Entwurf zur Änderung des Waldgesetzes zu. „Kitas in freier Natur haben unsere Rückendeckung“, sagte Staatssekretärin Anke Erdmann (Grüne). „Mit der neuen Passage im Landeswaldgesetz heben wir das noch einmal hervor und geben so mehr Sicherheit für unsere Waldkitas.“ Davon gibt es im Norden nahezu 200. Hintergrund: Unterstände für Waldkindergärten gelten nach dem Baurecht als bauliche Anlagen, was Konflikte mit dem Bauplanungsrecht bewirkte. Nachdem einigen Waldkitas die Erlaubnis entzogen worden war, einen Bauwagen als Schutz aufzustellen, hatte der Landtag im Februar vehement über das Problem diskutiert. Künftig soll die Erziehung und Bildung von Kindern in naturnahen Kitas explizit als Zweckbestimmung in das Waldgesetz aufgenommen werden.

Glinder Zeitung / Sachsenwald 29.08.17

Arne Hopmann von Concept-Immobilien will dem Casinopark zu neuem Glanz verhelfen
Ein Standort mit großem Potenzial

Wentorf (hap) - Im Casinopark wird ein Fass aufgemacht. - quasi ein Weinfass. Pünktlich zum verkaufsoffenen Sonntag am 17. September organisiert der neue Eigentümer des Einkaufszentrums in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Fachgeschäften ein Weinfest, das am Freitag, 15. September, eröffnet wird. Das Event markiert einen sichtbaren Neustart für das Zentrum.
Im Casinopark hat seit einigen Monaten sozusagen ein alter Bekannter das Sagen: Arne Hopmann, der in Wentorf aufgewachsen ist und dessen Familie noch heute in der Gemeinde lebt, ist Geschäftsführer der Concept- Immobilien Projektentwicklungs Gesellschaft. Das Hamburger Unternehmen übernahm den Casinopark in diesem Frühjahr von dem Investor Gazit Germany, Tochter des israelischen Unternehmens Gazit Globe. Auf den neuen Eigentümer richten sich nun viele Hoffnungen von Gemeinde und Gewerbetreibenden. Hopmann möchte dem Casinopark zu neuem Glanz verhelfen.
Seit langem dämmert das vor gut 15 Jahren eröffnete Einkaufszentrum in einem wirtschaftlichen Halbschlaf vor sich hin. Die gähnende Leere des weitläufigen Marktplatzes wirkt alles andere als einladend. Daran ändern auch bunte Blumenampeln an den Laternen nichts. In manchen der Geschäfte gaben sich Gewerbetreibende in der Vergangenheit die sprichwörtliche Klinke in die Hand. Einige Läden stehen leer.
Das soll jetzt anders werden. „Wir wollen den Casinopark revitalisieren“, sagt Norman Chrubasik, Projektleiter bei Concept- Immobilien. „Wir haben uns erst einmal einen Überblick verschafft, mit den Mietern über ihre Wünsche, Vertragsverlängerungen oder mögliche Erweiterungspläne gesprochen“, erklärt Falk Herrmann, Akquisitions- und Vermietungsexperte in dem Unternehmen.
Concept-Immobilien ist Eigentümer von fünf Gebäudekomplexen mit einer Gesamtmietfläche von 12.800 Quadratmetern. Etwa 7.100 Quadratmeter entfallen laut Chrubasik auf den Einzelhandel, zirka 2.000 Quadratmeter auf ein Fitness- Studio. Der Rest verteilt sich auf Büroräume und Arztpraxen, betreutes Wohnen sowie etwa 700 Quadratmeter Mietwohnungen.
Im Casinopark gibt es rund 25 Ladenlokale, darunter zahlreiche gut eingeführte Fachgeschäfte, die zum Teil bereits seit der Eröffnung des Zentrums bestehen. „Der Leerstand im Einzelhandel beträgt zirka zehn Prozent der Mietfläche“, erklärt Chrubasik. Aktuell stehen sieben, zum Teil kleinere Ladenlokale leer.
Ziel des neuen Eigentümers ist es, den Branchenmix des Zentrums zu erweitern. „Wir versuchen, Betriebe zum Beispiel aus dem Dienstleistungssektor zu akquirieren“, so Herrmann. Aber auch Schuh- oder Textileinzelhandel sowie Gastronomie würden das Angebot des Casinoparks abrunden.
Im baulichen Bereich gab es laut Chrubasik jetzt erste Sanierungsmaßnahmen. So ist das Unternehmen zur Zeit dabei, die Parkdecks gestalterisch aufzuwerten, außerdem wurden die Dachüberstände der Gebäude frisch gestrichen. „Mit der Gemeinde stehen wir in Gesprächen, wie sich der Marktplatz attraktiver nutzen und gestalten lässt“, so der Projektierter. Denn die Gemeinde ist Eigentümerin des Platzes, hat allerdings nicht die finanziellen Mittel, um der Fläche mit geeigneten Maßnahmen zu mehr Attraktivität zu verhelfen. „Wir möchten dafür sorgen, dass die Aufenthaltsqualität verbessert wird“, sekundiert Falk Herrmann. So soll etwa der Wochenmarkt wiederbelebt werden, der derzeit nur wenige bis gar keine Verkaufsstände bietet.
„Der Standort hat ein großes Potenzial“, lautet das Urteil der Unternehmensvertreter. In enger Kooperation mit den Gewerbetreibenden und der Gemeinde will der neue Eigentümer eine Basis dafür schaffen, dieses Potenzial zu nutzen.
Das soll unter anderem mit Veranstaltungen wie dem geplanten Weinfest vom 15. bis 17. September erreicht werden. Dafür holte sich Concept-Immobilien den Wentorfer Weinhändler Gregor Zahnow sowie Tim Schulz, Inhaber von Edeka Feinkost Schulz, mit ins Boot. „In einem Festzelt auf dem Marktplatz werden guter Wein, Champagner und andere Getränke angeboten“, erklärt Chrubasik. Für musikalische Unterhaltung sorgt ein DJ, während sich die jüngsten Besucher auf einer Hüpfburg vergnügen können.
Gewerbetreibende, die sich für eines der freien Geschäfte im Casinopark interessieren, können sich wenden an Falk Herrmann, Telefon 040-20 94 22 48, E-Mail herrmann@concept-projekte.de.

Bergedorfer Zeitung 29.08.17

Das Zukunftsthema heißt Ganztag
PROGNOSEN Projektgruppe legt Zahlen für die Schulentwicklung in der Region vor

Von Anne Müller
Reinbek. Knapp 100 Seiten geballtes Zahlenmaterial bekommen die Mitglieder des Sozial- und Schulausschusses zum Auftakt der Sitzungssaison gebündelt auf den Tisch. Darin enthalten sind Prognosen der Projektgruppe Bildung und Region (Biregio) zur Bevölkerungsentwicklung im Mittelzentrum Reinbek, Wentorf, Glinde. Die Statistiken sollen den Politikern Entscheidungshilfen für die Entwicklung der Schulstandorte in den Kommunen an die Hand geben.
Der Schulentwicklungsplan wurde erstmals 2013 für die Region erstellt. Die Neuauflage wird am Dienstag, 5. September, ab 1930 Uhr, in der öffentlichen Sitzung im Rathaus (Hamburger Straße 5) vorgelegt.
Stormarn an Spitze der Bevölkerungsentwicklung
Handlungsbedarf zieht vor allem die Sogwirkung der Metropolregion nach sich. Viele Menschen mit Kindern ziehen auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum in die Randgebiete Hamburgs, was sich deutlich in der Bevölkerungsstatistik widerspiegelt. „Dies wird in den kommenden Jahren das beeinflussende Element für weitere Planungen sein“, sagt Planer Wolf Krämer-Mandeau voraus. Stormarn zählt zu den Regionen Schleswig-Holsteins mit der stärksten Bevölkerungsentwicklung. Liegt der Schnitt in Schleswig-Holstein bei 4,9 Prozent, so wuchs Stormarn in den vergangenen 20 Jahren um knapp 15 Prozent auf gut 240 000 Einwohner. Die Region Mittelzentrum toppt das sogar noch mit knapp 16 Prozent. Mithalten können da nur noch der Kreis Herzogtum Segeberg mit 12,8 und Kreis Herzogtum-Lauenburg mit 13,5 Prozent.
Doch nicht nur der Zuzug sorgt dafür, dass die Kommunen als Schulträger gefordert sind. Denn auch die Aufgaben sind gewachsen. Immer mehr Eltern nutzen die Betreuungsangebote in den Schulen. „Die Zahl der Schulen mit einem über den Mittag hinausreichenden Angebot ist in Schleswig-Holstein stark gestiegen“, resümiert Krämer-Mandeau. Elternbefragungen der Projektgruppe „biregio“ haben dazu gezeigt, dass Eltern nachmittäglichen Betreuungsangeboten überaus befürwortend gegenüberstehen. „Der Ganztag als wichtiges Zukunftsthema, das für die Schulträger erhebliche finanzielle Bedeutung hat, wird für die Schulen immer bestimmender“, folgert Krämer Mandeau daraus.
Nachfrage nach Betreuung bis in Nachmittag steigt weiter
Die kontinuierlich steigende Nachfrage fordert auch die Stadt Reinbek. Alle vier Grundschulen sind „verlässliche Grundschulen“. So werden allein in der Grundschule Mühlenredder 230 Kinder im „offenen Ganztag“ betreut.
Auch die Entscheidungen von immer mehr Eltern, ihre Kinder an weiterführenden Schulen anzumelden, fordert die Schulträger, darauf mit An- oder Ausbauten der Gebäude zu reagieren. In den Gemeinschaftsschulen der Region sind die Schülerzahlen von 11150 auf 16 460 gestiegen. Die Gymnasien verbuchen in den vergangenen 20 Jahren einen Zuwachs von 8959 auf 13 254 Schüler.
In Ausbau und Erweiterung investiert Reinbek Millionen. Nur zwei Beispiele: Allein der neue Anbau für die Schulmensa für die Ganztagsbetreuung kostete 930 000 Euro. Die Investitionen für die noch anstehende Modernisierung des gegenüberliegenden Schulzentrums, das auch die Gemeinschaftsschule beherbergt, werden auf knapp zehn Millionen Euro geschätzt.
Und die Planer prognostizieren weiteren Bedarf: Für das Gymnasium Sachsenwald kommen sie zu dem Ergebnis, dass sechs Räume fehlen. Dabei sei die Problematik von G 9 noch nicht einmal berücksichtigt. Denn bei einer möglichen Rückkehr zur neunjährigen Oberstufe würde sich der Raumbedarf noch erhöhen.

Bergedorfer Zeitung 29.08.17

Kennenlernen beim Gemüseanbau
FLÜCHTLINGE nutzen den Kleingarten Wentorf als Kontaktbörse und Treffpunkt

Wentorf (hof). Rauch zieht über die Anlage der Wentorfer Kleingartenanlage an der Straße Alter Frachtweg gegenüber von Möbel Schulenburg. Es duftet verführerisch nach gegrilltem Fleisch und gebackenem Brot. Fröhliches Stimmengewirr lenkt den Weg zu einer Parzelle, die an den Südring grenzt. Hier wird eindeutig gefeiert - und zwar der Geburtstag von Ocbaa Badur.
Der Syrer ist 31 Jahre alt geworden und lebt seit zwei Jahren in Deutschland, davon die meiste Zeit in Wentorf. Vor elf Monaten ist seine junge Frau Eman Naamah (22) nachgekommen und inzwischen hat das junge Paar aus der Hafenstadt Latakia eine kleine Tochter mit Namen Miryam. Die junge Familie hat mittlerweile auch eine eigene Wohnung in Bergedorf. Ihre Hauptbeschäftigung ist es derzeit, sich um den Nachwuchs zu kümmern und die deutsche Sprache zu erlernen.
Reger Austausch unter freiem Himmel
Der Kleingartenverein in Wentorf ist seit zwei Jahren ein Treffpunkt für die Flüchtlinge geworden. „Er ist eine Möglichkeit der Kommunikation und Integration“, sagt Günther Binder vom Runden Tisch Asyl. Dabei stehen weniger Kartoffeln, Gurken und Beeren aller Art im Mittelpunkt als vielmehr die Chance, miteinander ins Gespräch zu kommen. Denn wo kann man sich besser kennenlernen und austauschen, als am Grill unter freiem Himmel?
Dass unter der Woche weniger Leute in den Kleingarten kommen, wertet Günther Binder keinesfalls negativ. „Viele haben mittlerweile eine Arbeit und haben gar keine Zeit mehr, so oft hier zu sein. Das ist doch positiv“, betont er. Nun kümmern sich vermehrt Freiwillige wie Barbara Lange um die Beete - und die Ernte kann sich sehen lassen.
An seinem Geburtstag konnte Ocbaa Badur beispielsweise vor den Augen seiner zahlreichen Gäste eine riesige Gurke ernten. Einer der Besucher war Ehab Abunabout (25), der gerade seine B2 Sprachprüfung bestanden hat.
„Jetzt möchte ich noch C1 machen. damit ich weiter studieren kann“, erzählte er in ziemlich gutem Deutsch. In der Heimat habe er bereits seit vier Jahren Wirtschaft und Handel studiert. Der größte Wunsch von Omar Jandi (50) und seiner Frau Wahiba Janodi (40) ist es, Arbeit zu finden. Er sei in Syrien zur See gefahren und seit zwei Jahren in Deutschland, während seine Frau erst vor acht Monaten mit den beiden Kindern nachkam. Sie mag die Deutsche Sprache, ließ sie ihren Mann übersetzen, habe aber auch ein bisschen Heimweh. Seit einem Monat lernt Wahiba Janodi jetzt an fünf Tagen die Woche Deutsch.
Zwei Schwestern helfen bei der Integration
Ein Glücksfall für die Neubürger aus Syrien dürften die Schwestern Chiara und Lara Nunes sein. „Wir wohnen direkt neben der Fritz-Specht- Schule. Als die ganzen Flüchtlinge kamen und in der Schule einquartiert wurden, haben wir uns um sie gekümmert“, erzählte die 16-jährige Chiara. Im Laufe der Zeit hätten sie sich mit den Flüchtlingen richtig angefreundet. Während die Syrer immer besser Deutsch sprechen, hätten sie und ihre Schwester immer mehr Arabisch gelernt. Das bestätigten Mustafa Merra und Sadik Halbe, die auch zur Gartenclique gehören.
Die beiden 21-jährigen Freunde kennen sich seit der Schulzeit und sind zusammen aus Latakia geflüchtet. Es liegt 350 Kilometer von Damaskus und 180 Kilometer von Aleppo entfernt. Mustafa schneidet seit neun Jahren Haare und würde hier gerne eine Ausbildung zum Frisör machen. Sadik hat in der Heimat ein Jurastudium angefangen und würde es hier am liebsten fortsetzen. „Wenn man was will, dann schafft man das auch.“ Davon ist er überzeugt.

Bergedorfer Zeitung 25.08.17

Im Einsatz gewürgt - Wenn Helfer Hilfe brauchen
WOHNUNGSBRAND 23-Jähriger attackiert Rettungskräfte

Wentorf (amü). „Die Aggressivität gegen Retter nimmt zu“, sagt Orm Rudolf aus Erfahrung. Doch was der stellvertretende Wehr führ er jetzt bei einem Routineeinsatz erlebt hat, macht ihn wütend. In einer stark verqualmten Wohnung, aus der der Freiwillige Feuerwehrmann eigentlich einen Bewohner retten will, werden er und seine Kameraden erst beschimpft und dann angegriffen.
Alles sah nach einem Routineeinsatz aus: Mit 20 Ehrenamtlichen war die Freiwillige Feuerwehr am Mittwochabend zur Straße Achtern Höben ausgerückt. Nachbarn hatten um 21.30 Uhr gemeldet, dass sie aus einer Wohnung Rauchmelder hören. Unter Atemschutz kämpften sich die Helfer durch das stark verqualmte Treppenhaus ins erste Obergeschoss.
Die Wohnung war voller Rauch und noch bevor die Ursache dafür festgestellt werden konnte, trafen sie auf einen Mann. Er weigerte sich, die Wohnung zu verlassen, bepöbelte, beleidigte die Helfer, und schlug auf Orm Rudolf ein. „Er würgte mich“, sagte dieser gestern immer noch fassungslos.
Die Retter mussten schließlich selbst Alarm schlagen und die Polizei zu Hilfe rufen. Die Beamten überwältigten den 23-jährigen Reinbeker, ein Bruder des Mieters, und führten den um sich schlagenden aus dem Haus.
In der Wohnung fanden die Beamten dann neben völlig verbranntem Essen im Backofen eine geringe Menge Marihuana sowie Zubehör für deren Konsum auf dem Wohnzimmertisch. Beides wurde beschlagnahmt.
Der 23-Jährige musste in Gewahrsam genommen werden. Eine Atemalkoholprobe ergab 2,32 Promille. Wegen Verdachts auf Drogenkonsum wurde die Entnahme einer Blutprobe angeordnet. Gestern Morgen wurde der 23-Jährige wieder entlassen. „Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Widerstandstands gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Beleidigung eingeleitet“, so Holger Meier, Sprecher der Polizeidirektion Ratzeburg.
Orm Rudolf war gestern trotz des traumatischen Erlebnisses bei seinem ehrenamtlichen Einsatz bereits wieder an seinem Arbeitsplatz. „Man kann es nur verurteilen, dass gegen ehrenamtliche Helfer die Hand erhoben wird“, stellt sich Kreiswehrführer Sven Stonies hinter die Freiwilligen im Kreis Herzogtum Lauenburg.
Belastbare Zahlen zu Beleidigungen, Bespucken oder Bepöbelungen gebe es nicht. Laut Olaf Reichelt, Vorsitzender des Berufsverbands der Feuerwehr, sei eine Zunahme der Gewalt gegen Helfer jedoch festzustellen: „Die Hemmschwelle geht nach unten. Das war definitiv vor 20 Jahren noch nicht so.“ Eine aktuelle Doktorarbeit zu dem Thema belege nach Interviews, dass es etwa 35-mal mehr Fälle sind, als tatsächlich zur Anzeige kommen. Vor allem bei der Berufsfeuerwehr, die auch auf Rettungswagen fahren, und in Ballungszentren sei das ein Thema.
Das bestätigt auch Christian Heinz von der Hanseatischen Feuerwehrkasse Nord. Die komme jedoch erst bei Verletzungen ins Spiel, die zum Glück noch Einzelfalle sind. „Aber wir beobachten das sehr genau, denn von vielen Mitteilungen wissen wir, dass sich verbale Übergriffe häufen.“

Bergedorfer Zeitung 25.08.17

„Reichsbürger" werden entwaffnet
NEUER ERLASS Sie bestreiten die Existenz der Bundesrepublik
- Hochburg im Kreis Herzogtum Lauenburg

Von Wolfgang Schmidt und Gerrit Pfennig
Kiel/Ratzeburg. Mit einem neuen Erlass verschärft Schleswig- Holstein den Umgang mit sogenannten Reichsbürgern. Diese dürfen demnach künftig keine Waffen mehr besitzen. Anhänger der „Reichsbürgerbewegung“ seien waffenrechtlich als unzuverlässig einzustufen, sagte gestern Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU). Ziel des Erlasses sei es, ihnen den legalen Waffenbesitz zu entziehen und zu verhindern, dass sie überhaupt eine Erlaubnis erhalten.
„Reichsbürger“ erkennen weder die Bundesrepublik an noch ihre Institutionen an. In Schleswig-Holstein sind davon laut Grote 180 eindeutig identifiziert. 90 weitere Verdachtsfälle würden geprüft. Von den 180 haben derzeit 13 eine waffenrechtliche Erlaubnis. Diese sei fünf „Reichsbürgern“ entzogen worden. Ein Vergleich: Von 1350 Rechtsextremisten in Schleswig-Holstein haben laut Verfassungsschutz 33 einen Waffenschein. „Reichsbürger“ besäßen auffällig viele Waffen, sagte der Minister. Ihre Bestrebungen seien gegen die Verfassung gerichtet und zielten darauf ab, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beseitigen.
Als einen Grund für den Erlass, der bereits in Kraft ist, nannte Grote Vorfälle, in denen „Reichsbürger“ eine Schusswaffe eingesetzt hatten. Im Oktober 2016 tötete ein selbst ernannter „Reichsbürger" in Bayern einen Polizisten bei einer Razzia.
Feste Organisationsstrukturen hätte die Bewegung in Schleswig-Holstein nicht. Dennoch gibt es laut Verfassungsschutz „erhöhte Meldeaufkommen“ aus den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Ostholstein und Rendsburg- Eckernförde. Allein 29 oder 16 Prozent der 180 identifizierten „Reichsbürger“ finden sich im Lauenburgischen.
Dies bedeute aber nicht, dass in diesem Kreis besonders häufig eine rechte Gesinnung zu finden sei, wie ein Verfassungsschutz-Sprecher betont. Stattdessen führe er den hohen Anteil auf eine konzertierte Aktion des Kreises zurück, der dem Verfassungsschutz vor wenigen Monaten sämtliche Vorfälle aus den verschiedenen Verwaltungsbereichen mit potenziellen „Reichsbürgern“ gemeldet habe. 60 solcher Vorgänge wurden nach Angaben des Kreises gemeldet. In zehn Fällen besäßen die Personen eine waffenrechtliche Erlaubnis.
„Dass sich jemand als Reichsbürger bezeichnet, war bislang kein Anlass, ihm diese Erlaubnis zu entziehen“, sagt Kreissprecher Tobias Frohnert. Insofern sei der neue Erlass eine Erleichterung für die Mitarbeiter des Kreises. Es könne damit laut Frohnert aber auch eine Gefährdung einhergehen - nämlich dann, wenn einem bewaffneten „Reichsbürger“ Revolver, Gewehre und Munition abgenommen werden sollen.
Der Kieler Erlass geht laut Minister Grote über bestehende Anordnungen in anderen Bundesländern hinaus. Mit ihm würden erstmals auch die Erkenntnisse der Meldebehörden in den Kommunen berücksichtigt: Sie müssen jetzt Verdachtsfälle der Polizei melden, die diese dann überprüft. Bisher gab es diesen Kontakt zwischen Meldeämtern und Polizei nicht. „Reichsbürger“ betrachteten Waffengewalt als legitimes Mittel zur Abwehr gegen die zum Feindbild erklärten Staatsbediensteten, so Grote.
„Wir werden kein zentrales Register, keine umfassende Datensammlung anlegen“, betonte er. Der Staat werde aber denjenigen, die seine Existenz bestreiten, beweisen, „dass es ihn sehr wohl gibt“. Es sei sehr wichtig, dass die Polizei nunmehr in die Informationsketten eingebunden wird, sagte der Leiter der Polizeiabteilung im Innenministerium, Jörg Muhlack. Mit dem Erlass würden die Handlungsempfehlungen der Innenministerkonferenz komplett umgesetzt.

Glinder Zeitung / Sachsenwald 15.08.17

Der SPD-Landtagsabgeordneter Martin Habersaat bei Bürgermeister Dirk Petersen
Gymnasium: Zurück zum G9-Abitur?

Wentorf (hap) - Nach dem Regierungswechsel in Kiel und der Kurskorrektur in der Bildungspolitik rechnet Wentorfs Bürgermeister Dirk Petersen damit, dass das örtliche Gymnasium von G8 zu G9 zurückkehrt. Das erklärte er bei einem Besuch des Reinbeker SPD-Landtagsabgeordneten Martin Habersaat, für den die Visite zugleich ein Antrittsbesuch war - denn Petersen ist seit dem 1. April Verwaltungschefin der Gemeinde.
Die Bildungspolitik in Schleswig-Holstein, die in den vergangenen Jahren besonders in Wentorf heftige politische Kontroversen auslöste, war einer der Schwerpunkte des Gesprächs.
Nach einer Entscheidung der großen Koalition 2007 war am Wentorfer Gymnasium das Abitur nach acht Jahren eingeführt worden. CDU und FDP räumten den Gymnasien im Lande dann 2011 eine Wahlmöglichkeit ein, mit der Folge, dass das Gymnasium Wentorf zu G9 zurückkehren wollte. CDU und UWW in Wentorf verhinderten dies jedoch. Nach der Kommunalwahl 2013 wurde die Wahlmöglichkeit von der neuen Mehrheit in Kiel wieder aus dem Schulgesetz gestrichen.
Unter der neuen Mehrheit seit der jüngsten Landtagswahl sollen nun alle Gymnasien zu G9 zurückkehren, könnten nur mit einer 75 Prozent-Mehrheit bei G8 bleiben. Dirk Petersen rechnet fest mit einer Rückkehr zu G9. Habersaat wies auf einen besonderen Umstand hin: „2011 gab es ausdrücklich eine Mitsprachemöglichkeit für Schulträger. Die gibt es jetzt nicht - G9 wird von der Landesregierung angeordnet. Das bedeutet, dass das Land auch für zusätzliche Kosten, wie Räume, Ausstattung, Lehrmaterial, aufkommen muss.“
Skeptisch blickte Petersen auf die Regelungen, die der Koalitionsvertrag für Gemeinschaftsschulen bereit hält. Die Regionalschule Wentorf ist nach der letzten Schulgesetzänderung zur Gemeinschaftsschule geworden. „Chancen auf eine eigene Oberstufe gibt es nicht mehr, wenn ich den Koalitionsvertrag richtig interpretiere“, so Petersen. Dabei sei die Gemeinschaftsschule eine starke Schule mit guten Entwicklungsmöglichkeiten.
Petersen betonte, er könne sich gut vorstellen, dass Wentorf von der Möglichkeit Gebrauch macht, künftig auf die Erhebung von Anliegerbeiträgen für den Straßenausbau zu verzichten. Eine entsprechende Gesetzesänderung hat die Regierung in Kiel angekündigt. Er sagte: „Ich fand schon immer, dass diese Kosten über die Steuern von der Allgemeinheit getragen werden sollten.“
Bei der Sportförderung mahnte Habersaat, das ganze Land im Blick zu behalten. Der Landtag hatte jüngst in einem Nachtragshaushalt 15 Millionen Euro für die Sanierung von Sportstätten zur Verfügung gestellt. „Der Haken: Allein sieben Millionen sind für den Umbau des Stadions von Holstein Kiel für die zweite Liga reserviert“, so Habersaat.

Bergedorfer Zeitung 14.08.17

CDU-ANTRÄGE
Weg mit dem Unkraut, her mit Fußgängerüberwegen

Wentorf (sho). Die CDU Wentorf hat die Grünflächen der Gemeinde im Visier. Das „spontane Begleitgrün“ - sprich Unkraut - nehme Überhand. Mittlerweile drohten deshalb sogar Schäden an Gehwegen und Straßen. Der Grund liegt für die CDU auf der Hand. Wegen der Haushaltskonsolidierung hatte die Politik die Mittel für Fremdfirmen gestrichen, die für die Grünpflege verantwortlich waren. Insgesamt fielen 70 000 Euro für diese Arbeiten weg.
Nun muss der Betriebshof der Gemeinde die ganze Arbeit on top leisten - eine Zusatzbelastung für das Team. Der Rasen beispielsweise kann nicht mehr wie früher alle zwei Wochen, sondern nur noch einmal am Anfang der Saison und einmal am Ende gemäht werden.
Auch Einwohner hatten sich über Wildwuchs beschwert
Das ungepflegte Grün fällt nicht nur der CDU auf. Auch Einwohner hatten sich immer wieder bei der Gemeinde über den Zustand von Bäumen, Büschen und Hecken beschwert (wir berichteten). Jetzt will die CDU die Notbremse ziehen und stellt für den Liegenschaftsausschuss im September den Antrag, dass Bürgermeister Dirk Petersen zum einen prüfen soll, welche Kapazitäten der Betriebshof noch frei hat, um sich vermehrt der Grünpflege zu widmen. Zum anderen soll er Grundstückseigentümer anschreiben und sie auf ihre Pflicht hinweisen, Wildwuchs rund um ihre Häuser zu stutzen. Sollte all dies nicht ausreichen, um die Situation zu verbessern, soll die Gemeinde die Grünflächenpflege wieder ausschreiben und an Fremdfirmen vergeben. Ob die anderen Parteien dem folgen, klärt sich am Donnerstag, 7. September, 19 Uhr, im Rathaus, Hauptstraße 16.
Überweg für Fußgänger an der Berliner Landstraße
Zudem macht sich die CDU dafür stark, einen Fußgängerüberweg mit Beschilderung an der Berliner Landstraße einzurichten. Begründung: In diesem Bereich gebe es derzeit lediglich drei Möglichkeiten, die Straße sicher zu überqueren, der Fußgängerüberweg im Bereich des Zugangs zum Casino-Park/Edeka-Markt, die Ampelanlage an der Kreuzung Berliner Landstraße/Am Grotensahl/Zwischen den Toren sowie die Ampelanlage in Höhe der Moorkoppel (Bedarfsampel). „Der zwischen diesen Möglichkeiten liegende Abschnitt ist sehr lang, durch parkende Fahrzeuge am Straßenrand schlecht einsehbar und durch das immer noch hohe Verkehrsaufkommen auf der Berliner Landstraße für die Überquerung durch Fußgänger gefährlich“, beschreibt Kristin Thode für ihre Fraktion die Ausgangslage. Das führe dazu, dass zum Beispiel Grundschüler an parkenden Autos vorbei auf die Straße treten würden. „Die Situation birgt ein nicht unerhebliches Gefahrenpotenzial für die Fußgänger.“

Bergedorfer Zeitung 12.08.17

Ostseeausflug voller Erfolg
RUNDER TISCH fährt mit 42 Flüchtlingen ans Meer

Wentorf (sho). Ein Bus, 42 Flüchtlinge aus Syrien, Iran, Irak, Afghanistan und Eritrea, acht engagierte Wentorfer, bestes Badewetter und viel Sonnenschein - der Ausflug des „Runder Tisch Asyl“ an die Ostsee in dieser Woche war ein voller Erfolg. „Unsere Gruppe war bunt gemischt. Vom sechs Wochen alten Baby bis zur 83-jährigen Wentorferin war alles dabei“, sagt Günther Binder, Mitglied des Runden Tisches. Ziel der Reise war das rund 130 Kilometer entfernte Großenbrode am Fehmarnsund. Auf dem Programm standen Fußballspielen, baden, am Strand spazieren gehen. „Gerade für die neun Kinder war dieser Ausflug toll“, sagt Günther Binder.
Er selbst hat mit seiner Frau rund 20 Jahre im Ausland gelebt, geschäftlich mit Syrien zu tun gehabt. „Ich habe mich sofort in das Land verliebt, Land und Leute damals kennengelernt. Nun möchte ich den Menschen einfach helfen, hier Fuß zu fassen“, erklärt er seine Motivation, sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. Dass sich alle Ausflugsteilnehmer mittlerweile auf deutsch unterhalten konnten, freut ihn besonders. Einige Flüchtlinge waren am Dienstag sogar locker mit anderen Strandbesuchern ins Gespräch gekommen. „Auf der Strandpromenade haben wir jedoch auch gehört, dass jemand zu seiner Begleitung sagte ,Geh schnell weiter, die Flüchtlingen klauen doch alle’“, erzählt Binder. „Das tut weh“, gibt der 78-Jährige zu, der viele Flüchtlinge seit Monaten begleitet, ihnen bei der Wohnungs- und Jobsuche hilft.
Der Runde Tisch Asyl freut sich über weitere Mitstreiter. Treffpunkt ist jeden ersten, dritten und fünften Freitag im Monat das Cafe in der Alten Schule, Teichstraße 1,15 bis 18 Uhr. Mehr unter www.rundertischasylwentorf.com.

Bergedorfer Zeitung 12.08.17

ANGEBOTE SENIOREN
PC-Training und Tipps zur Ernährung

Wentorf (sho). Sechs freie Plätze sind in der Computer-Gruppe des Seniorenbeirats Wentorf noch zu vergeben. Anfänger haben die Gelegenheit, nach den Sommerferien am Mittwoch, 6. September, einzusteigen. Die Teilnehmer treffen sich um 16 Uhr in der Gemeinschaftsschule, Achtem Höben. Wer dabei sein möchte, melde sich bis Ende August unter der E-Mail Seniorenbeirat.Wentorf@gmail.com an. Interessenten, die noch keinen E- Mail-Zugang haben, werfen einen Zettel in den Briefkasten des Seniorenbüros an der Alten Schule, Teichstraße 1. Am 6. September gibt es zudem noch einen interessanten Vortrag. Von 15 bis 1630 Uhr gibt Ernährungsberaterin Britta Gerlach-Bogumil Tipps zu Ernährung und Bewegung. Gäste sind im ersten Stockwerk des Rathauses, Hauptstraße 16, willkommen.

Bergedorfer Zeitung 11.08.17

REICHSBÜRGER-GEBÜHR
Fünf Euro pro Tag für Passabgabe

Kiel (Ino). Ein neuer Gebühren-Tarif aus Schleswig-Holstein weckt vor dem Hintergrund der Reichsbürger-Bewegung das Interesse anderer Bundesländer. Wer im Norden einen noch gültigen Pass oder Ausweis bei den Behörden abgeben will, muss dafür fünf Euro pro Tag zahlen. „Wer unsere Verfassung und unsere Gesetze nicht akzeptiert, wer unsere Behördenmitarbeiter aufs unflätigste beschimpft, dem müssen wir zeigen, dass unsere Rechtsordnung wehrhaft ist“, sagte gestern Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU).
Hintergrund der von Grotes Vorgänger Stefan Studt (SPD) erlassenen Verordnung ist die Abgabe gültiger Papiere bei Behörden. Deren Mitarbeiter müssen die Ausweise und Pässe aber sicher verwahren. Laut Ministerium nehmen seit der Einführung knapp 70 Prozent der „Abgabewilligen“ ihre Papiere wieder mit.

Bergedorfer Zeitung 11.08.17

In dieser Badesaison helfen Regenschirm und viel Humor
TONTEICH Schlechtes Wetter vermiest Besucherstatistik - nun gibt es TV-Werbung

Von Susanne Holz
Wohltorf. Der Tonteich in Wohltorf kommt nun in Norderstedt ganz groß raus. Ein Team des dortigen Lokalsenders noa4 präsentiert seinen Zuschauern das idyllische Naturbad als Ausflugstipp. Tonteichbad-Geschäftsführer Bernd Wyrwinksi wusste gleich, womit er neben der fantastischen Kulisse gestern vor der Kamera noch punkten konnte. „Wir sind garantiert chlorfrei“, sagte er ohne Lampenfieber ins Mikrofon, das ihm Moderatorin Sara Bresan entgegenhielt.
Nach eigenen Angaben kennen rund 83 Prozent aller Norderstedter den Lokalsender, 63 Prozent schauen ihn fast täglich. Eine gute Plattform für das Tonteichbad also, das ein bisschen Werbung in dieser Saison wahrlich gebrauchen kann. Denn das schlechte Wetter vermiest dem Verein derzeit die Besucherbilanz.
„Bis Ende Juli hatten wir nur 22 000 Besucher“, sagt Wyrwinski. Vergangenes Jahr um diese Zeit waren es bereits 31000 Gäste. Auch das war im August 2016 noch kein richtig gutes Ergebnis. „Gerettet haben uns im Vorjahr die zwei Septemberwochen. Knapp 12 000 Schwimmer und Sonnenbader statteten dem Tonteich da bei bestem Wetter noch einen Besuch ab“, so der Geschäftsführer. Ob ein solches Hoch in diesem Jahr noch kommen wird? Wyrwinski wagt es kaum zu hoffen.
Finanziell kommt der Verein gerade so über die Runden. Das Wichtigste: Die Personalkosten sind dank der kommunalen Zuschüsse aus Reinbek, Wentorf, Wohltorf und Aumühle gedeckt. Doch groß Rücklagen bilden, das ist nicht drin. Eine geplante Sanierung zum 60. Geburtstag des Bades 2018 muss deshalb verschoben werden. Für neue Kacheln, Toiletten und Waschbecken ist kein Geld da. In den vergangenen Jahren hatte das Badteam nach und nach die Stege und den Sprungturm erneuert, den Spielplatz modernisiert und den Bereich neben dem Kiosk überdacht. Eine richtig große Sause zum Jubiläum ist deshalb nach heutigem Stand nicht geplant. Nur ein größeres Kinderfest soll es geben. Das hiesige wird am Freitag, 1. September, von 14 bis 18 Uhr gefeiert. An diesem Sonnabend wird Musiker Ike Moritz ab 20 Uhr auftreten.
Noa4-Moderatorin Sara Bresan war gestern so begeistert vom Tonteich, dass sie eine Schwimmrunde drehte. Auch für alle anderen gibt es keine Ausreden, die Wassertemperatur liegt bei 20 Grad. „Und wenn der Tonteich die erstmal erreicht hat, gibt er sie so schnell nicht mehr her“, weiß Bernd Wyrwinski.

Bergedorfer Zeitung 09.08.17

Aussicht auf frühere Sprachheilschule
KUNSTSAMMLER Rik Reinking gewinnt Bieterverfahren –
Museum, Skulpturengarten und Restaurant geplant

Von Anne Müller
Wentorf. Seit knapp drei Jahren versucht das Land Schleswig- Holstein, die frühere Sprachheilschule an der Golfstrafte zu verkaufen. Bisher ohne Erfolg. Jetzt gab es ein neues Gebotsöffnungsverfahren im Kieler Finanzministerium. Das Ergebnis könnte Wentorf zu internationalem Ruf verhelfen: Nach Informationen dieser Redaktion hat der renommierte Kunstsammler Rik Reinking das Verfahren gewonnen.
Auf Anfrage äußerte sich der Hamburger gestern überglücklich, aller Voraussicht nach den Zuschlag für das Anwesen zu bekommen. Der 41- Jährige war vor zwei Jahren auf sein „Traumgrundstück“ aufmerksam geworden und hatte sich bereits mit anderen Bietern in der Gemeinde vorgestellt.
Im Finanzministerium hält man sich derweil noch zurück. „Es sind Angebote eingegangen“, sagt der stellvertretende Sprecher Sven Hashagen. Bis der Landtag nach der Sommerpause im September einem möglichen Kaufvertrag zustimmt, werde sich das Ministerium nicht äußern. „Bevor der Landtag nicht tagt, ist nichts in trocknen Tüchern“, so Hashagen.
Reinking hatte sich zwischenzeitlich keine Hoffnungen mehr gemacht, beim Bieterverfahren um das 103 Hektar große Areal mit denkmalgeschütztem Park, Villa, Hof- und Schulgebäuden im Rennen zu bleiben. Unter der Hand kursierte in der ersten Runde eine Summe von 9 Millionen Euro. Diese konnte nicht realisiert werden. Die meisten Interessenten kamen aus dem Bereich Wohnen. Der Flächennutzungsplan sieht jedoch vor, dass es ausschließlich für Bildungszwecke genutzt werden darf. Und das soll nach Meinung der Wentorfer Politik auch so bleiben.
Der Bildungszweck passt ins Konzept des Kunstsammlers, der ein Haus für seine Sammlung gesucht hatte, um sie dauerhaft öffentlich zu machen. „Ich habe die Anlage gesehen, und hier stimmt alles, was ich in Hamburg nicht gefunden habe“, schwärmte er bereits vor zwei Jahren von dem „Ort der Magie“.
Die Kommunalpolitiker hatte er bei der Vorstellung seiner Pläne spontan mit seiner Begeisterung angesteckt. Ein Museum mit Skulpturengarten, Restaurant, Cafe und Künstlerstätten sowie Ausstellungen könnten das Kulturleben bereichern.
Die Spürnase für junge Kunst, der mit 16 Jahren sein erstes Bild erwarb, hat Werke von 200 Künstlern in seiner Sammlung. Malerei der Gegenwart. Graffiti oder Konzeptkunst lagern verborgen in Transportkisten und sind nur temporär in Museen weltweit zu sehen. Für den Louvre hat Rik Reinking eine Ausstellung mit Werken des belgischen Konzeptkünstlers Wim Delvoye präsentiert.

Glinder Zeitung / Sachsenwald 08.08.17

E-werk sachsenwald erweitert seinen Service
Zweite E-Ladestation

Wentorf (bro) - Bürgervorsteher Andreas Hein und Bürgermeister Dirk Petersen haben zusammen mit Thomas Kanitz, Geschäftsführer des e-werk Sachsenwald, am vergangenen Freitag die zweite Stromtanksäule in der Gemeinde vor dem Rathaus eingeweiht. Nach etwas weniger als zwei Monaten erhalten E- Mobilbesitzer eine zusätzliche Möglichkeit, um in Wentorf Strom zu tanken. Die erste E-Tanksäule wurde - wie berichtet - vor kurzem auf dem Parkplatz des Casinoparks freigegeben.
„Ich bin stolz darauf, dass wir jetzt in Wentorf eine weitere Tankmöglichkeit für E-Mobile in direkter Nähe des Rathauses zur Verfügung haben“, sagte Bürgermeister Petersen bei der Einweihung der E-Säule. Auch hier ist die Parkfläche gut sichtbar blau angestrichen und mit einem Elektrosymbol markiert. Ein zusätzliches Schild weist darauf hin, dass die zwei Parkplätze ab sofort ausschließlich für E-Mobile reserviert sind.
„Das ist jetzt die zehnte von zwölf Ladesäulen, die bereits in diesem Jahr in Betrieb gegangen ist“, sagte Thomas Kanitz. „Damit geht der versprochene Ausbau der Ladenetzinfrastruktur in unserer Region zwischen Hamburger Stadtrand und Sachsenwald weiter voran und gibt dem Mobilitätswandel vor Ort weitere Impulse“, machte er deutlich.
Die neue Tanksäule ist mit zwei Ladepunkten und einer Leistung bis zu 22 Kilowatt ausgestattet. Auf jeder Seite befindet sich eine Typ-2-Steckdose. Ein vierzeiliges LCD-Display dient der Statusanzeige und ein Sichtfenster auf jeder Steckdosenseite ermöglicht das Ablesen des Zählers.

Bergedorfer Zeitung 07.08.17

SCHLESWIG-HOLSTEIN
Grundschüler lernen Schreibschrift

Kiel (Ino). Die Schreibschrift bleibt auch in Zeiten von SMS, Chat-Programmen und Videobotschaften wichtig. Die schleswig-holsteinische Landesregierung wolle deshalb die gebundene Schreibschrift an den Grundschulen schnell wieder einfuhren, sagte die neue Bildungsministerin Karin Prien (CDU). „Denn die Kinder haben zunehmend Schwierigkeiten, die Schreibschrift zu erlernen.“ Immer mehr kämen mit unzureichenden motorischen Fähigkeiten in die Schule. „Die neue Landesregierung will deshalb den Fokus auf die Grundschulen richten.“
Allerdings gibt es keine Überlegungen, auch eine Note zu vergeben. Sie werde sich die Lehrpläne noch einmal ansehen, sagte Prien. „Denn jeder Schüler sollte die Chance erhalten, die Schreibschrift zu lernen.“
Ab wann diese an den Schulen wieder verpflichtend wird, sei aber noch unklar. „Denn wir wollen das mit Sorgfalt angehen.“ Mehr Lehrerstellen brauche das Land dafür nicht, nur überarbeitete Lehrpläne.

Bergedorfer Zeitung 02.08.17

24 Wohnungen im Ortskern
NACHVERDICHTUNG Am Wischhoff wäre Platz für vier Häuser

Wentorf (hof). Freie Bauflächen werden rar, auch in der Gemeinde Wentorf. Und so geraten auch großzügigere Grünflächen zwischen Mehrfamilienhäusern ins Visier von Planern. Mitten in Wentorf, in absolut zentraler Lage an der Straße Am Wischhoff, soll deshalb jetzt nachverdichtet werden.
Die Pläne des Eigentümers, hier vier neue Gebäude mit 24 Wohnungen zwischen die vorhandenen Wohnhäuser beziehungsweise rückwärtig zu bauen, hat Architekt Klaus Giffey im jüngsten Umwelt- und Planungsausschuss den Politikern vorgestellt. Gerade für ältere Wentorfer seien die geplanten Wohnungen in Größen um die 60 Quadratmeter ideal, wirbt der Planer.
Die neuen Häuser sind in dreigeschossiger Bauweise geplant. Sie sollen dort errichtet werden, wo derzeit eine asphaltierte Decke Parkplätze vor den Mietblocks ausweist sowie hinter den Häusern. Für die wegfallenden Parkplätze könnte eine benachbarte Parkpalette mitgenutzt werden. „Den Eigentümern des Grundstückes ist es wichtig, dass es sich um eine lockere Nachverdichtung handelt“, so der Hamburger Architekt. Baurechtlich sieht er keine Probleme für mehr Wohnraum zwischen vorhandenen Gebäuden.
Die Ausschussmitglieder und Bürgermeister Dirk Petesen nahmen die Ausführungen des Bauexperten wohlwollend zur Kenntnis. „Wir werden das Thema noch ausführlich mit der Wentorfer Bevölkerung beraten“, sagte Petersen. Für die Verdichtung der Bebauung sei im Herbst auch ein Workshop geplant, an dem sich alle beteiligen können.

Bergedorfer Zeitung 28.07.17

„Unser Ziel: gesunder Gewerbe-Mix"
INTERVIEW Bürgermeister Dirk Petersen hat sich nach gut 100 Tagen im Rathaus eingearbeitet

Wentorf. Seit gut 100 Tagen ist Wentorfs neuer Bürgermeister Dirk Petersen (58) im Amt. Der ehemalige Fraktionschef der Wentorfer Grünen, Ex- Kreistagsabgeordneter und Diplom-Ingenieur hat einen radikalen Schnitt mit seinen politischen Ämtern und dem bisherigen Berufsleben gemacht. Bei der Bürgermeisterwahl im vergangenen September hatte er mit deutlichem Sieg das Rathaus erobert. 56 Prozent der Wähler sprachen ihm das Vertrauen aus. Jetzt ist er am Zuge, es im Rathaus einzulösen und sprach darüber mit Redakteurin Anne Müller.
Im April haben Sie Ihr neues Bürgermeisterbüro bezogen, was hatten sie mitgebracht?
Etwas, das mir vertraut ist. Die Bilder meiner Frau, die als Grafikdesignerin auch leidenschaftlich gerne malt.
Verlief der Wechsel an die Spitze einer kommunalen Verwaltung reibungslos?
Ja, ich habe mich von meinem Job in der Verbraucherzentrale verabschiedet, bewusst einen radikalen Schnitt gezogen.
Fiel es Ihnen leicht, von der Politik auf die ausführende Seite des Verwaltungschefs zu wechseln?
Ich hatte mich bereits im Dezember aus allen Ämtern in der Gemeindevertretung und auch im Kreistag zurückgezogen. Ich gestehe, es ist mir schwergefallen, rauszugehen. Dafür wurde es mir von meinen neuen 120 Mitarbeitern leicht gemacht, in die neue Aufgabe hereinzukommen. Das war ein sehr angenehmes Gefühl.
Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?
Ich sitze an den Schaltstellen und kann mit vielen interessanten Menschen Gespräche führen und danach an der einen oder anderen Stellschraube drehen. Zum Beispiel habe ich gerade die neue Staatssekretärin im Finanzministerium kennengelernt und zu einem Gespräch über die Zukunft der Sprachheilschule eingeladen.
An welchen Stellschrauben würden Sie gern drehen?
Für mich ist es vor allem spannend zu erleben, wo den Bürgern der Schuh drückt. Dafür habe ich bei meinen Sprechstunden im Casinopark ein offenes Ohr und versuche in Richtung Politik weiterzugeben, was die Menschen bedrückt.
Was sind das für Themen?
Zum Beispiel die Grünpflege. Da ist mein Einfluss allerdings limitiert. Aufgrund der aktuellen Haushaltslage müssen wir Abstriche machen. Die Politik hat uns auferlegt, keine Fremdverträge für die Grünpflege mehr zu vergeben. Daran ist nicht mehr zu rütteln.
Drohen aufgrund der Haushaltstage weitere Einschnitte für die Bürger?
Wir versuchen, die Konsolidierung des Haushaltes weiter hinzubekommen. Allerdings wird diese keine weiteren unmittelbaren Auswirkungen, wie etwa die Steuererhöhungen im vergangenen Jahr, mehr haben.
Wentorf geriet kurz vor den Haushaltsberatungen finanziell in die Schieflage, weil ein Unternehmen, das noch vor drei Jahren größter Gewerbesteuerzahler war, Probleme bekam. Was tut die Gemeinde, um solche Einbrüche künftig zu verhindern?
Wir arbeiten händeringend an der Gewerbeentwicklung, um künftig bei den Gewerbesteuereinnahmen nicht von einzelnen Firmen so stark abhängig zu sein. Das Ziel ist eine gesunde Mischung. Da werden wir in absehbarer Zeit Ergebnisse vorlegen können. Ein Positives ist auf jeden Fall, dass der Casinopark inzwischen einen neuen Eigentümer hat.
Wie steht es um das Prisma, das in der Konsolidierungsliste auch zur Disposition gestellt wurde?
Die Idee einer Schließung ist nicht weiter diskutiert worden. Die Folgen wären auch fatal gewesen. Ich gehe davon aus, dass das politisch auch nicht gewünscht ist.
Im Rathaus werden zurzeit viele Investoren vorstellig.
Wie steht es um das verkaufte HSB-Gelände?
Der Investor ist bei uns inzwischen vorstellig geworden. Wir werden im dritten Quartal dieses Jahres ein Gespräch führen. Es ist schon befremdlich, dass jemand so ein großes Areal erwirbt, ohne im Vorfeld mit uns ein Gespräch zu führen.
Ist die Gemeinde für Wohnbebauung dort verhandlungsbereit?
Ich gehe davon aus, dass wir in den kommenden fünf bis zehn Jahren nicht mehr in die Wohnbebauung gehen. Wenn alle aktuellen Neubauprojekte bezogen sind, hat die Gemeinde 14 000 Einwohner. Da müssen wir erst im Auge haben, wie das mit der vorhandenen Infrastruktur funktioniert.
Was sind die aktuellen Baustellen, die die Verwaltung beschäftigen?
Akut der Reinbeker Weg. Da haben wir alle Hände voll zu tun. Parallel werden wir den Friedrichsruher Weg angehen. Hier ergibt sich noch die Frage der Kostenumlage. Im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung wird die Möglichkeit eröffnet, auf eine Straßenbaubeitragssatzung ganz zu verzichten und das Geld über Steuern umzulegen. Die Frage muss noch von der Politik entschieden werden. Viel Aufklärungsarbeit haben wir zurzeit auch beim Thema Niederschlagswasserbeseitigung auf Privatgrundstücken zu leisten. Ein Konfliktfeld, das wir momentan abarbeiten.
Wo sehen sie Gestaltungspotenzial für die Gemeinde?
Das liegt ja nicht nur beim Thema Wohnen. Es gibt noch viel zu tun. Zum Beispiel beim Thema öffentlicher Nahverkehr. Die Anbindung an die S- Bahn Reinbek könnte verbessert werden durch höhere Taktungen der Busverbindungen. Ich bin auch im Gespräch mit Car-Sharing-Firmen, die ihre Angebote auf Wentorfer Gebiet ausweiten könnten.
Wenn Sie einen Wunsch an eine Fee hätten, was würden Sie veranlassen?
Sofort den Reinbeker Weg öffnen.
Wo werden Sie die Sommerferien verbringen?
In Wien und in der Steiermark. Das war ein Wunsch meiner Frau und meiner beiden jüngsten Töchter (17/19). Ich freue mich sehr, dass sie noch am Familienurlaub teilnehmen möchten.

Bergedorfer Zeitung 27.07.17

Frischer Wind im Casinopark
WECHSEL Neuer Eigentümer aus Hamburg kümmert sich künftig vor Ort um das Einkaufszentrum

Von Anne Müller
Wentorf. Sie packen es jetzt gemeinsam an. Endlich hat Jan Vogel (52) wieder Unterstützung vor Ort. Eine klemmende Tür, eine flimmernde Beleuchtung oder abblätternde Farbe: Es gibt viel zu tun im EKZ Casinopark. Bisher wurde es von Berlin aus betreut und der engagierte Hausmeister hatte nicht immer den Etat bekommen, den er sich für Reparaturen gewünscht hätte. Jetzt hat der ehemalige Eigentümer, die israelische Fondsgesellschaft Gazit Immobilien GmbH, das Objekt abgegeben - und es quasi wieder in Wentorfer Hände gelegt.
Der neue Projektentwickler Arne Hopmann (53) lebte bis zu seinem 20. Lebensjahr in Wentorf, wo auch heute seine Eltern noch zu Hause sind. Der Geschäftsführer von Concept-Immobilien betreut von Hamburg aus bundesweit ähnliche Einkaufszentren und Bauvorhaben.
„Ich habe verfolgt, dass Wentorf wächst und gedeiht und mit vielen Einzelhändlern vor Ort gesprochen“, sagt Hopmann, der von dem Standort überzeugt ist. Inklusive des Kaufpreises werden die Hamburger Projektentwickler 25 bis 30 Millionen Euro in Wentorfs Ortsmitte investieren. Vor allem in die Pflege und Betreuung des Ensembles rund um den Casinopark. „Zurzeit sanieren wir das Parkdeck, um es wieder heller und freundlicher zu gestalten“, so Hopmann. Auch die Erweiterung des Aldi-Marktes sei in Vorbereitung. „Wir sind hier am Anfang des Bauleitverfahrens", fügt Hopmann hinzu. Zufrieden sei er vor allem auch mit dem Ankermieter, Edeka-Feinkosthaus R.A. Schulz KG, mit seinem großen Angebot an frischen Lebensmitteln. Das Herz des Nahversorgungszentrums ziehe viele Kunden nach Wentorf.
Um die Läden des Zentrums macht sich Hopmann keine Sorgen, allerdings würde er den Platz gern wieder etwas mehr beleben: „Wir möchten zum Beispiel den Wochenmarkt stärken, das gastronomische Angebot verbessern und Veranstaltungen anbieten, damit die Menschen hier auch gern verweilen.“ Auch gehe es darum, die Sortimentsvielfalt zu ergänzen. Sieben kleine Läden stehen derzeit noch leer.
Wochenmarkt soll wieder gestärkt werden
Künftig soll auch ein Betreuer vor Ort als Ansprechpartner für die Geschäfte zur Verfügung stehen. Zur Wirtschaftsinitiative Wentorf (WIW) hat der Hamburger Projektentwickler bereits Kontakt aufgenommen.
Die Gesamtmietfläche, welche sich auf fünf Gebäude verteilt, beträgt etwa 12 800 Quadratmeter und schlüsselt sich wie folgt auf: 9100 Quadratmeter Fitness- und Einzelhandelsfläche, etwa 1400 Büro- und Praxisfläche und 1600 Betreutes Wohnen sowie 700 Quadratmeter Wohnen. Die Einzelhandelsfläche verteilt sich auf 25 Ladenlokale.
„Derzeit befinden wir uns in der Vermietungsphase, zur Auswahl stehen Einzellokale - zwischen 30 und 350 Quadratmeter groß. Interessenten können sich gern bei uns melden“, sagt Hopmann. Telefonisch ist die Projektentwicklungs GmbH unter (040) 20 94 22 28 zu erreichen.
Im April 2002 wurde der Casinopark in der neuen Ortsmitte vom damaligen Investor Hans-Dieter Schmitter eröffnet. Aldi hatte bereits ein Jahr zuvor noch auf der Baustelle eröffnet. Als ein Joker erweisen sich auch die 600 Parkplätze rund um das Center. Das Parkhaus bietet 180 weitere Stellflächen.

Bergedorfer Zeitung 27.07.17

Kinderbetreuung mit Zertifikat
QUALIFIZIERUNG für die Tagespflege

Schwarzenbek (cus). Vier anstrengende Monate liegen hinter den 17 neuen Tagesmüttern und einem Tagesvater: An jeweils zwei Abenden in der Woche und an vielen Sonnabenden wurden sie im Evangelischen Familienbildungszentrum (FBS) am Verbrüderungsring 14 durch acht Referenten in 160 Stunden Theorieunterricht auf ihre neue Tätigkeit vorbereitet.
Zur Qualifizierungsmaßnahme gehörten Themen wie: Wie erziehe ich und wie wurde ich erzogen? Welche rechtlichen und finanziellen Grundlagen benötige ich für meine künftige Aufgabe? Dazu wurde im Kursus auch gespielt und gesungen oder Anregungen aus der Psychomotorik mit Alltagsmaterialien für die Betreuung der Kinder gegeben.
15 der 18 neuen Tagesmütter kommen aus dem Kreisgebiet, drei reisten sogar aus Lübeck zum Kursus an. Während einer Feierstunde überreichte jetzt FBS-Leiterin Kerstin Dlugi den Teilnehmern ihr Zertifikat, das gemeinsam mit der Praktikumsbescheinigung und dem Nachweis der Ersten Hilfe Basis für die vom Kreis Herzogtum Lauenburg oder der Stadt Lübeck zu erteilende Pflegeerlaubnis ist. Ohne diese darf keine Tagesmutter arbeiten. Die Namen und Adressen aller zertifizierten Kindertagespflegepersonen gibt es auf der Internetseite des Kreises unter www.kreis-rz.de/kindertagespflege. Weitere Informationen gibt es beim Leiter der Fachberatung Kindertagespflege des Kreises, Klaus Riemann, unter (0 45 41) 88 85 65.
Das sind die neuen Tagesmütter: Klaudia Rondzisky (Lübeck), Julia Jörn (Behlendorf), Stephanie Trost (Ratzeburg) , Jennifer Hoffmann (Lauenburg), Sabrina Herzig (Schwarzenbek), Karina Willhöft (Walksfelde), Bärbel Stephan (Kollow), Julia Mahn (Gülzow), Henrike Hecht (Wentorf), Jaqueline Knocke (Wiershop), Kathrin Krahn (Gudow), Jasmin Schwarz (Groß Gronau), Sandra Gala (Lübeck), Christoph Wojichiowsky (Lübeck), Ines Neizel (Mölln), Andrea Marin-Benito (Geesthacht) und Monika Nadler (Schwarzenbek).

Bergedorfer Zeitung 26.07.17

Kiel bringt Verbot der Pferdesteuer auf den Weg
ABGABE vor dem Aus - Besitzer atmen auf

Von Wolfgang Schmidt
Kiel. Als eine ihrer ersten Maßnahmen hat die neue Landesregierung das angekündigte Verbot einer Pferdesteuer in Schleswig-Holstein eingeleitet. Mit einer Änderung des Kommunalabgabengesetzes soll die Erhebung einer Steuer auf das Halten von Pferden untersagt werden, wie Innen-Staatssekretärin Kristina Herbst gestern erläuterte. Zuvor hatte das Kabinett den Gesetzentwurf des Innenministeriums zur Kenntnis genommen.
Auslöser war die Entscheidung der Gemeinde Tangstedt im Kreis Stormarn für eine Pferdesteuer. Nach einer seit 1. Juli trotz massiver Proteste geltenden Satzung sollen dortige Halter 150 Euro jährlich für ein Pferd zahlen.
CDU, Grüne und FDP hatten sich bei ihren Koalitionsverhandlungen darauf verständigt, gegen eine solche Steuer vorzugehen. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu, die Erhebung einer Steuer „auf die Ausübung eines Sports“ sollte untersagt werden. Nach juristischer Prüfung entschied sich das Innenministerium aber dafür, eine Steuer auf das Halten von Pferden zu verbieten. Darauf bezieht sich auch der entsprechende Passus in der Tangstedter Satzung. Nach der nun anstehenden Verbandsanhörung wird sich das Kabinett wahrscheinlich am 26. September das zweite Mal mit dem Gesetzentwurf befassen und ihn dann dem Landtag zuleiten. Dieser könnte dann möglicherweise im November entscheiden. „Wenn das Parlament unserem Entwurf zustimmt, ist mit dieser Regelung die Pferdesteuer vom Tisch“, erklärte Staatssekretärin Herbst. Dies würde auch für Tangstedt gelten. Die Gemeinde könnte dann aber klagen.
Gesamtgesellschaftliche und sozialpolitische Erwägungen könnten es erfordern, bestimmte Bereiche dem Steuererhebungsrecht der Gemeinden zu entziehen, sagte Herbst. Bei der Pferdesteuer sei das eindeutig der Fall. Es gehe hier nicht nur um den Spitzensport, sondern auch um den Breitensport mit seiner Jugendarbeit. Aus Sicht des Innenministeriums wiegt ein landesweites Verbot einer Pferdesteuer schwerer als das Interesse von Gemeinden an einer „geringfügigen Verbesserung ihrer Einnahmen“.
Kaum eine Entscheidung hatte in Schleswig-Holstein in den letzten Monaten so viel Aufregung ausgelöst wie die Pferdesteuer von Tangstedt, das als erste Gemeinde im nördlichsten Bundesland diesen Schritt gegangen war. Auf Mehreinnahmen von fast 100 000 Euro jährlich hatte die Gemeinde gehofft - diese Rechnung geht wohl nicht auf.
Eine Pferdesteuer wäre ein Einschnitt für das Reiterland Schleswig-Holstein, sagte Herbst. Die geplanten Änderungen bei den Kita-Kosten und beim Finanzausgleich würden die Gemeinden und damit auch Tangstedt im Übrigen stärker entlasten, als es die Mehreinnahmen über die Pferdesteuer bedeutet hätten.
Diese könne auch nicht mit der Hundesteuer gleichgesetzt werden, sagte Herbst. Schon die Dimension sei eine andere. Über die Hundesteuer hätten die Gemeinden 2016 rund 15,9 Millionen Euro eingenommen. Aufgrund der Reinigungskosten sei die Belastung der Gemeinden durch Hunde erheblich höher. Zudem stehe bei Hunden der Sportcharakter nicht an erster Stelle.
Die CDU-Fraktion im Kieler Landtag setzte sich dafür ein, ein Pferdesteuer-Verbot schnell umzusetzen. Nach FDP-Ansicht tragen Einzelmaßnahmen wie eine Pferdesteuer nicht wirklich dazu bei, die finanzielle Ausstattung der Gemeinden zu verbessern. Dies müsse über eine Neuordnung des kommunalen Finanzausgleichs laufen.

Bergedorfer Zeitung 26.07.17

Immer weniger Einbrüche im Norden
IN EINIGEN KREISEN ging die Zahl der Delikte sogar um bis zu 80 Prozent zurück

Kiel (Ino). Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist in Schleswig-Holstein zurückgegangen. Sie sei auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren, teilte das Landeskriminalamt gestern mit. Im ersten Halbjahr 2017 sank die Zahl der vollendeten und versuchten Wohnungseinbrüche im Vergleich zum Vorjahr um 898 polizeilich registrierte Fälle auf landesweit 2757 Fälle (2016:3655 Fälle). „In einigen Kreisen des Landes kann man im Vergleich zu den Vorjahren sogar von einem erfreulichen Rückgang der Wohnungseinbruchsdelikte um bis zu 80 Prozent sprechen“, sagte Kriminaldirektor Rainer Bretsch.
Besonders starke Rückgänge verzeichneten die Polizeidirektionen Bad Segeberg und Ratzeburg. Dort wurden zusätzlich zu den üblichen Maßnahmen auch Anhalte- und Sichtkontrollen durchgeführt. „Wir haben aber nach wie vor Tätergruppen, die bestimmte Bereiche wie den Hamburger Rand oder die Nähe zu Autobahnen bevorzugen“, sagte Bretsch. In größeren Städten wie Kiel und Neumünster gebe es darüber hinaus aktive örtliche Täterstrukturen, die sich ihre Ortskenntnisse zunutze machen.
In Schleswig-Holstein wird die Tatortarbeit nicht nur von Polizisten, sondern seit einigen Monaten auch durch 28 speziell ausgebildete Spurensicherungskräfte gewährleistet.

Glinder Zeitung / Sachsenwald 25.7.17

100 Tage als Bürgermeister im Amt: Dirk Petersen Im Gespräch
mit der Glinder Zeitung • Sachsenwald
„Wentorfer haben mich sehr gut aufgenommen"

Am 1. April begann die Amtszeit von Dirk Petersen als Bürgermeister in Wentorf. Nun sind die ersten 100 Tage vorüber, eine gute Gelegenheit, um eine erste Bilanz zu ziehen. Journalistin Barbara Schult sprach mit Dirk Petersen.
Haben Sie Ihre 100 Tage Schonzeit bekommen?
Ich betrachte die erste Zeit nicht als Schonzeit, denn ich erwarte nicht, dass die nächsten 1.000 Tage härter werden. Ich habe ein Rathaus vorgefunden, das sehr gut funktioniert. Auch die Politik arbeitet sachbezogen und ist nicht darauf fokussiert, der Verwaltung das Leben schwer zu machen.
Was hat Sie besonders gefreut?
Ich habe mit den Wentorfern bereits viele gute Gespräche geführt. Meine Bürgermeistersprechstunden sonnabends im Casinopark eigneten sich gut dazu. Die Gespräche verliefen immer in freundlicher Atmosphäre, auch wenn es mal kontroverse Meinungen gab. Ich freue mich auch, dass ich von den Bürgern ebenso wie von der Verwaltung und der Politik gut aufgenommen wurde.
Was hat Sie besonders geärgert?
Ich ärgere mich über die Ignoranz einiger Verkehrsteilnehmer, die die Sperrung im Reinbeker Weg nicht akzeptieren. Durch das unerlaubte Befahren des Baustellenbereichs werden die Arbeiten behindert. Das gefährdet den Zeitrahmen. Dass die Sperrung vielen Bürgern zu lange dauert, verstehe ich gut. Aber es muss viel koordiniert werden und geht daher nicht schneller.
Was war anders als Sie sich das vorgestellt hatten, als Sie zur Wahl antraten?
Ich habe mir gar nicht so konkrete Vorstellungen gemacht. Bei vielen Gesprächen ist es für mich als Verwaltungschef jetzt eine andere Kragenweite. Ich muss Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. Aber genau das war es ja auch, was ich wollte.
Was war das bestimmende Thema der ersten Zeit?
Es gibt etliche Dinge, die vorher bereits da waren und jetzt weitergeführt werden. Dazu gehört der Casinopark, die große leere Fläche attraktiver zu machen und mit mehr Leben zu füllen. Ich sehe große Chancen, mit dem neuen Betreiber dort eine attraktive Ortsmitte zu gestalten.
Eine positive Entwicklung zeichnet sich für die ehemalige Sprachheilschule ab. Laut Auskunft vom Ministerium in Kiel können wir Mitte August mit Ergebnissen rechnen, die uns Planungssicherheit geben. Das Votum Wentorfs, dass wir dort keine Wohnbebauung wünschen, ist angekommen. Das Land hat die Kröte geschluckt. Es gab bereits einen Interessenten aus der Kunstszene, der dort ein Museum einrichten möchte. Aber es sind wohl noch weitere Interessenten da.
Sehr schön ist auch die Idee, am Rand der Gemeinde einen Japanischen Garten anzulegen. Das erfordert noch viel Vorbereitung. Doch ich habe die Hoffnung, dass ich das so begleiten kann, dass ich auch die Eröffnung noch im Amt erlebe.
Außerdem arbeiten wir intensiv an der Gestaltung einer neuen lnternetseite. Unser veralteter Internetauftritt soll bürgerfreundlicher und interaktiv werden. Ich habe die Hoffnung, dass wir in diesem Jahr eine erste Version vorstellen können, die dann auch schnell umgesetzt wird.
Was haben Sie sich für die nächste Zeit außerdem vorgenommen?
Ein großes Anliegen ist es mir, mehr Unternehmen für eine Gewerbeansiedlung in der Gemeinde zu gewinnen. Wir führen intensive Gespräche mit Gewerbetreibenden und werden von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Herzogtum Lauenburg (WFL) unterstützt. Gewerbeflächen stehen zur Verfügung. Ich bin überzeugt, dass sie auch für viele Betriebe attraktiv sind. Ein Plus für uns ist die absolute Nähe zu Hamburg.
Eine große Baustelle ist noch die eingeschränkte Grünflächenpflege. Die Politik hatte beschlossen, dass die Fremdvergabe aufgegeben wird, um 70.000 Euro einzusparen. Der Baubetriebshof schafft jedoch nicht mehr, als er jetzt erledigt. Nun beklagen sich Bürger über den Wildwuchs. Mein Appell, Patenschaften für Grünflächen zu übernehmen, findet leider bisher wenig Gehör. Ich hoffe, dass sich das noch ändert.
Zudem machen wir uns zurzeit Gedanken über die Entwicklung der Einwohnerzahl und die Zukunft der Gemeinde. Wir müssen beschließen, wo wir hin wollen, wenn die Baugebiete bezogen und die Nachverdichtungen erfolgt sind. Wir bereiten einen Workshop für den Planungs- und Umweltausschuss vor, in dem Ziele des Wachstums und die Auswirkungen auf die Kapazitäten der Infrastruktur zum Beispiel der Kindertagesstätten und Schulen beraten werden.

Glinder Zeitung / Sachsenwald 25.07.17

Öffentlichkeitsbeteiligung
Wo gibt es Probleme mit Lärm?

Reinbek (pt) - Das Eisenbahn-Bundesamt aktualisiert den Lärmaktionsplan für die Bahnstrecken.
Ziel der Lärmaktionsplanung ist die Regelung von Lärmproblemen und Lärmauswirkungen. Die erste Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung findet vom 30. Juni bis zum 25. August 2017 statt. Alternativ zur online-Beteiligung können Beteiligungen auch per Post an die Redaktion „Lärmaktionsplanung“, Postfach 601230,14412 Potsdam, geschickt werden. Der dafür erforderliche Fragebogen kann vom 30. Juni 2017 an über die angegebene Internetadresse heruntergeladen oder postalisch über die oben stehende Adresse angefordert werden.
Unter der Adresse www.laermaktionsplanung-schiene.de sind die Ergebnisse der ersten Umgebungslärmkartierung veröffentlicht.
Die Anwendung zur aktiven Beteiligung wird rechtzeitig zum Start der Öffentlichkeitsbeteiligung freigeschaltet. Fragen zur Lärmkartierung im Eisenbahn-Bundesamt sind an die folgende E-Mail-Adresse zu richten: laermkartierung@eba.bund.de.
Kontakte in den Rathäusern Reinbek und Wentorf bei Hamburg: stadtentwicklung-umwelt@reinbek.landsh.de bzw. a.ohde@wentorf.de und telefonisch unter 040-727 50-332 für Reinbek und 040-720 01-276 für Wentorf.

Bergedorfer Zeitung 24.7.17

So schnell ist das langsame Abitur
GYMNASIEN müssen rasch entscheiden

Von Matthias Popien
Kiel Schleswig-Holsteins Gymnasien stehen vor grundlegenden Veränderungen. 88 der 99 Schulen müssen bis spätestens kommenden Februar klären, ob sie in Zukunft nach neun Jahren zum Abitur führen oder beim derzeitigen Modell bleiben wollen. Elf der 99 Gymnasien sind aus dem Schneider: Sie bieten schon jetzt G9 an.
Karin Prien (CDU), die neue Bildungsministerin, schreibt den Schulen einen straffen Zeitplan vor. „Entscheidend ist für uns, dass die Eltern schon Ende Februar 2018 wissen, ob die jeweilige Schule künftig G9 oder G8 oder beides anbietet, denn dann finden dort die Informationsveranstaltungen für die Eltern statt“, sagt Prien.
Um dieses Ziel zu erreichen, bleibt den Schulen nur ein kleines Zeitfenster. Denn zunächst muss das Schulgesetz geändert werden. Mit der parlamentarischen Arbeit daran kann frühestens nach der Sommerpause begonnen werden, also im September. Prien hofft, dass die Gesetzesänderung bis Jahresende abgeschlossen ist. Erst dann kann der wichtigste Schritt erfolgen: Die Schulkonferenzen entscheiden im Januar oder Februar, wie schnell oder langsam die jeweilige Schule zum Abitur führt.
Politisch gewollt ist, dass dies in neun Jahren geschieht. Das lässt sich unschwer an der hohen Hürde ablesen, die zu überwinden ist, falls die Schule bei G8 bleiben will. Dafür wird eine 75-Prozent-Mehrheit in der Schulkonferenz benötigt. Selbst Grundgesetzänderungen sind mit weniger Zustimmung hinzubekommen (hier reicht eine Zweidrittelmehrheit).
G9 soll Kindern wieder mehr Raum für schöne Dinge geben
Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass diese Hürde den meisten G8- Gymnasien den Garaus machen wird. Prien selbst hofft, dass mindestens 80 Prozent der Schulen zum langsameren Abitur zurückkehren werden - am besten noch mehr. Die inhaltliche Begründung für die „Rolle rückwärts“ in der Schulpolitik ist bekannt. G9 soll den lästigen Nachmittagsunterricht reduzieren und den Kindern wieder mehr Raum für Hobbys, für gesellschaftliches Engagement und auch für die schönen Dinge des Lebens geben. Für die Umstellung auf G9 haben die Schulen ein bisschen Zeit. Sie soll erst zum Schuljahr 2019/2020 vollzogen werden und für die fünften und sechsten Klassen gelten. Insofern sind auch die Schüler betroffen, die im Sommer kommenden Jahres ihre Gymnasialkarriere starten.
Prien will für den Umbau der G8-Gymnasien die Kenntnisse nutzen, die die G9-Gymnasien in den vergangenen Jahren gemacht haben. Dort lägen Lehrpläne, Fachanforderungen und Prüfungsordnungen bereits vor. Noch im August will die Ministerin mit den Leitern der G9-Gymnasien erörtern, wie man von deren Erfahrung profitieren kann.

Bergedorfer Zeitung 21.7.17

G8 oder G9 - noch ist alles offen
GYMNASIUM wartet Sommerferien ab

Glinde (ug). Die Landesregierung will an Gymnasien zu einem Abitur nach neun Jahren (G9) zurückzukehren. Das war ein zentrales Versprechen der CDU im Wahlkampf. Laut Bildungsministerin sollen die Gymnasien Anfang 2018 die Möglichkeit bekommen, sich mit einer Dreiviertel-Mehrheit in der Schulkonferenz für einen Verbleib bei G8 zu entscheiden. Andernfalls sollen sie zu G9-Gymnasien werden.
Eva Kuhn, Leiterin des Glinder Gymnasiums, kann noch nicht sagen, wohin die Reise geht. „Wir werden uns nach den Sommerferien mit dem Thema beschäftigen. Wir warten ab, bis ein offizielles Schreiben aus Kiel vorliegt.“
Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD- Landtagsfraktion, kritisierte gestern hingegen in einer Debatte im Kieler Landtag, „dass eine Dreiviertel-Mehrheit eine wahnsinnig hohe und willkürlich gesetzte Hürde ist“. Die Schwelle für eine Änderung der Landesverfassung sei niedriger gelegt, hier ist eine Zweidrittel-Mehrheit nötig. Besser wären laut Habersaat: dreimal 51 Prozent der Stimmen - von Eltern, Lehrer und Schülern.
Auch gab er zu bedenken, dass eine neue Klassenstufe mehr Raumbedarf bedeute, der wiederum für Kosten bei Schulen und Schulträger sorgt. „Damit dürfen sie aber nicht allein gelassen werden, da muss das Land einspringen und für die Kosten geradestehen“, fordert der Reinbeker.
Sollte sich das Glinder Gymnasium für G9 entscheiden, fällt die Einführung in die Umsetzungsphase der Schulfusion beider Gemeinschaftsschulen. Geplant ist, dass das Gymnasium dann mit der Gemeinschaftsschule Wiesenfeld die Räume tauscht, an den Holstenkamp umzieht. Nach ersten Berechnungen der Verwaltung reicht das Raumangebot auch am neuen Standort für einen zusätzlichen Jahrgang aus.
Gemeinschaftsschulen verlieren an Attraktivität
Da allerdings ist der große Ansturm auf die Gymnasien nicht eingerechnet. Den aber befürchtet Martin Habersaat, wenn der größte Unterschied zwischen G8 an Gymnasien und G9 an Gemeinschaftsschulen wegfällt. Gemeinschaftsschulen könnten an Attraktivität verlieren.
Schon jetzt sind die Anmeldezahlen an der Gemeinschaftsschule Wiesenfeld rückläufig, wandern die Schüler wegen der umstrittenen Fusionspläne nach Barsbüttel und Reinbek ab. „In Glinde könnte das neue Varianten in der Debatte um Fusion und Standorte nötig machen“, sagt Martin Habersaat.

Bergedorfer Zeitung 22.7.17

„Hai" für den Japanischen Garten
VORHABEN von Politik gelobt –
Anwohner äußern Sorge vor „Bruchlandung" und Einstieg in Bebauung

Wentorf. Wentorfs Politiker haben „Hai“ gesagt - das ist Japanisch und bedeutet „Ja.“ Am Donnerstagabend haben sie sich im zuständigen Umwelt- und Planungsausschuss einstimmig dafür ausgesprochen, das Projekt „Japanischer Garten“ weiter zu verfolgen. Vertreter aller Parteien fanden lobende Worte für das Vorhaben, an dessen Ende auf dem jetzigen Acker im Bereich Mühlenstraße/Hamburger Landstraße einer der größten japanischen Gärten Deutschlands entstehen könnte.
Das Projekt Japan-Garten scheint ein wahrer Glücksfall für die Gemeinde zu sein, auch das haben die Ausschussmitglieder noch einmal betont. Im besten Fall kostet es die Gemeinde keinen Cent, schafft dafür aber einen überregionalen Publikumsmagneten und zugleich eine exotische Erholungs-Oase für die Wentorfer. Möglich wird das ganze durch den Wentorfer Tetsuo Hayashi. Der gebürtige Japaner möchte den Japan-Garten auf einer ihm gehörenden Fläche von insgesamt sechs Hektar realisieren und finanzieren. Auf die Art möchte er der Gemeinde, in der er seit rund dreißig Jahren lebt, „Domo Arigato“ sagen - Dankeschön.
Während der Ausschuss-Sitzung wurde ebenso deutlich, dass auch bei einem Geschenk genau hingesehen werden muss. Tatsächlich birgt der Japan-Plan noch so einige offene Fragen und ungeklärte Punkte. Um diese anzusprechen, waren einige Anwohner der Mühlenstraße zur Ausschuss-Sitzung erschienen. So macht sich Jörn Mertes Sorgen, dass der Japanische Garten nur vorgeschoben sei und wollte wissen: „Kann der Beschluss, den japanischen Garten zu errichten, am Ende dazu führen, dass aus dem jetzigen Acker Bauland wird?“
Der Ausschuss-Vorsitzende Torsten Dreyer und der ebenfalls anwesende Bürgermeister Dirk Petersen bestätigten, dass ähnliche Bedenken schon zuvor geäußert worden seien. Dreyer aber versuchte die Sorgen zu zerstreuen: „Der jetzige Beschluss ist keinesfalls ein Freibrief für die Zukunft.“ Er betont, dass die noch zu erfolgende Änderung des Bauplanes punktgenau ausfällt: „Dann ist dieses Garten-Vorhaben möglich und sonst nichts.“ Was dann in fernerer Zukunft geschehe, dafür wollte der Politiker seine Hand allerdings nicht ins Feuer legen.
Eine andere Anwohnerin mahnte die Politiker vor möglichen falschen Versprechungen des fernöstlichen Investors. Was passiere beispielsweise mit dem Japan-Garten, wenn dem Investor das Geld ausgehe? So etwas sei schließlich auch in anderen Kommunen schon vorgekommen. Die Politiker gelobten, auch hier besonders sorgfältig hinzuschauen. Der Bürgermeister: „Wir werden keine Bruchlandung hinlegen. Das Risiko trägt allein der Investor.“
Oliver König, der ebenfalls mit seiner Familie an der Mühlenstraße wohnt, wollte wissen: „Gibt es so etwas wie einen Wirtschaftlichkeitsplan durch den Investor?“ Auch andere Fragen beschäftigten den in Finanzdingen bewanderten Steuerexperten: „Ist eine Obergrenze für Besucher vorgesehen und reichen die vorgesehenen Parkplätze wirklich aus, damit es nicht zum Wildparken in unserer Straße kommt?“
Die Politiker betonten, dass das eigentliche Planverfahren noch gar nicht begonnen habe. Spätestens dann würden die Bedenken und Sorgen der Anwohner gründlich geprüft. Vor allem aber sollen alle notwendigen Schritte transparent erfolgen. „Hier wird nichts hinter verschlossenen Türen entschieden“, so Torsten Dreyer. Nach der Ausschusssitzung lässt sich eines jedenfalls sagen: Wentorf ist dem Tag nähergerückt, an dem der japanische Garten seine Türen öffnen kann.

Glinder Zeitung / Sachsenwald 18.07.17

Erster Kommunalpolitischer Abend für Entscheidungsträger im Mittelzentrum
Am Grill Gemeinsamkeiten entdecken

Glinde (bs) - Seit fast acht Jahren sind Glinde, Reinbek und Wentorf ein Mittelzentrum. So soll die Region vorangebracht werden. Doch die Verbindungen können über offizielle Sitzungen hinaus noch besser werden, war man sich in den drei Kommunen einig. So lud Glindes Bürgermeister Rainhard Zug zum ersten Kommunalpolitischen Abend ein.
Dabei war gegenseitiges Kennenlernen ganz ohne Tagesordnung angesagt. Rund 30 Kommunalpolitiker aus allen drei Orten waren zum Grillen an einem der schönsten Orte Glindes, an der Kupfermühle, willkommen. Der Heimat- und Bürgerverein hatte dort ein Zelt aufgebaut, die Glinder Wehr den Grill angeheizt.
Wenn sich die Glinder, die sich an einem Ende der Tischreihen niedergelassen hatten, mit den Wentorfern, die zunächst am anderen Ende zusammensaßen, mischten, sei das Ziel der Zusammenkunft erreicht, so Zug. Es dauerte etwas, bis sich die Teilnehmer fraktions- und ortsübergreifend unterhielten, wobei auch die Reinbeker aktiv dabei waren. In der angenehmen Atmosphäre kamen viele Themen zur Sprache wie Verkehrsprobleme, Finanzen und die Debatten über die Schulen. Gemeinsamkeiten und Unterschiede ebenso wie die Konkurrenz der Orte ließen sich in diesem Rahmen ganz entspannt ansprechen.
„Das waren gute Gespräche, das machen wir jetzt häufiger“, zog Andreas Hein, Bürgervorsteher in Wentorf, Bilanz.
Beim nächsten Mal kommen dann bestimmt noch viel mehr Politiker, hofft er. Jedenfalls wurde schon über den geeigneten Rahmen für den nächsten Kommunalpolitischen Abend nachgedacht.

Bergedorfer Zeitung 14.07.17

Beschwerden über ungepflegtes Grün häufen sich
KEIN GELD Politik hatte bei der Grünpflege im Haushalt den Rotstift angesetzt
- jetzt fehlen Arbeitskräfte

Wentorf (hof/sho). Zugewachsene Straßenkreuzungen, vermüllte Wanderwege, ungepflegte Grünanlagen in Wentorfs Zentrum - Katharina Barett ist entsetzt. Es sei ihr aufgefallen, dass vor allem in diesem Jahr weniger gemacht wird. „Auf dem Weg zum Sport sind schon häufiger am helllichten Tag Ratten über den Verbindungsweg zum Casinopark an mir vorbeigelaufen“, sagt die 61-Jährige entsetzt. Ein Weg, der auch von vielen kleinen Kindern aus den benachbarten Kitas genutzt werde.
An der Ampel, die über den Südring führt, sei es so zugewuchert, dass Autofahrer kleine Menschen gar nicht mehr sehen könnten. „Vor allem die Rabatten an den Straßen müssen aus Sicherheitsgründen zurückgeschnitten werden“,
fordert Katharina Barett, die aus Trittau stammt und von Neuschönningstedt nach Wentorf gezogen ist. Besorgt beobachtet sie die zunehmende Verwahrlosung. Dort, wo es ungepflegt aussieht, geselle sich auch schnell Müll hinzu. Auch am Kreisel seien Fußgänger - zumindest kleine - zunehmend von wucherndem Unkraut verdeckt. „Das macht ja keinen schönen Eindruck auf Besucher, schließlich ist das hier das Aushängeschild von Wentorf4, findet die als Postzustellerin arbeitende Frau.
Im Rathaus weiß man, wovon die Einwohnerin spricht. Denn nicht nur Katharina Barett, sondern auch andere haben sich schon wegen der mangelnden Grünpflege in der Gemeinde beschwert. „Wir haben schlicht weniger Geld für die Grünflächenpflege“, sagt Hauptamtsleiter Karsten Feldt. Grund: Die Politik hatte für die Haushaltsjahre 2016 und 2017 jeweils 70 000 Euro eingespart. Geld, mit dem bislang immer Drittfirmen bezahlt wurden, um das Grün der Gemeinde zu pflegen.
Die Mitarbeiter des Betriebshofes können die zusätzlich anfallenden Arbeiten nun nicht allein bewältigen. „Die Kollegen machen das, was nötig ist. Am Wichtigsten ist der Grünschnitt an Verkehrsflächen“, sagt Kai Siemers, Mitarbeiter im Wentorfer Rathaus. Unkraut zupfen, öffentliche Blumenbeete pflegen oder Hecken schneiden - das fällt dann des Öfteren hintenüber. „Der Rasen wird auch nicht wie früher alle zwei Wochen, sondern einmal am Anfang der Saison und einmal am Ende gemäht“, so Siemers.
Auch die Ratten im Casinopark dementiert das Rathaus keinesfalls. „Wir kennen das Problem, sind fortlaufend dran“, sagt Karsten Feldt. Er kennt aber auch einen Grund für die Misere. Einige Besucher füttern zu gern Vögel oder Katzen im Casinopark, bedenken bei aller Tierliebe dabei aber nicht, dass sie im Wesentlichen Ratten damit anziehen.

Bergedorfer Zeitung 13.07.17

Verkehrsaufsicht in Eigenregie
POLITIK GEFORDERT 60000 Euro kostet es,
wenn die Stadt Glinde die Straßen selbst überwacht

Von Ann-Kathrin Schweers
Glinde. Was spricht für und was dagegen, dass die Stadt Glinde die Verkehrsaufsicht vom Kreis Stormarn übernimmt? Darüber möchte Glindes Politik im September entscheiden. Wenn die Stadtvertreter sich dafür aussprechen, könnte die Stadt ab Anfang 2018 selbst festlegen, ob und wo etwa Tempo 30 angebracht ist. Denn seit Ende März können Kommunen mit mehr als 10 000 Einwohnern ihre eigene Verkehrsaufsicht einrichten (wir berichteten). Bislang liegt diese beim Kreis.
„Insgesamt kommen rund 60 000 Euro pro Jahr auf die Stadt zu“, sagte Bernd Mahns, Amtsleiter für Bürgerservice. Er informierte jetzt den Hauptausschuss über die Kosten, sollte Glinde die Verkehrsaufsicht und zugleich die Überwachung des ruhenden Verkehrs in die Hand nehmen. Schon seit Jahren fordern die Politiker, dass die Verwaltung den ruhenden Verkehr selbst kontrolliert. Das liegt nun nahe. In den Kosten stecken 6000 Euro für Hard- und Software zur Überwachung des ruhenden Verkehrs. Die restlichen 54 000 Euro sind für Personalkosten veranschlagt.
Auf der anderen Seite stehen die Einnahmen, die Hilfspolizisten beim Verteilen von Knöllchen einkassieren. Zunächst sollen diese bei einer Halbtagsstelle gut 88 000 Euro jährlich ergeben, also ein Plus. Danach - sobald sich die Anwohner auf die Kontrollen eingestellt haben - rechnen Bernd Mahns und Bürgermeister Rainhard Zug mit einem Plus- Minus-Null-Geschäft.
Von einer eigenen Verkehrsaufsicht samt Überwachung des ruhenden Verkehrs erhofft sich CDU-Fraktions- chef Rainer Neumann, dass Dauerparker vom Parkplatz am Markt vertrieben werden können. Bürgermeister Rainhard Zug sieht jedoch einen anderen Schwerpunkt: „Sicherheitsaspekte haben höchste Priorität. Die Feuerwehrzufahrten sind in Glinde leider häufig zugeparkt“, sagt Zug.
Der Bürgermeister hat sich noch nicht festgelegt, welche Lösung er für sinnvoll hält. „Grundsätzlich sind wir mit der Arbeit der Verkehrsaufsicht zufrieden“, sagt er. Einen Vorteil für die Aufsicht in den eigenen Reihen sieht er dennoch: Die Kommunikation würde deutlich schneller ablaufen. „Alles andere wird gleich bleiben“, sagt er.
Der Beschluss des Hauptausschusses: Zunächst soll die Verwaltung die bisher nur mündlich vorgestellten Kosten sowie die Vor- und Nachteile noch einmal schriftlich Zusammentragen. Außerdem prüft die Verwaltung, ob sie auch den fließenden Verkehr überwachen soll.
Frank Lauterbach, Vorsitzender der SPD-Fraktion, sowie Bürgervorsteher Rolf Budde (CDU) hatten angeregt zu prüfen, ob feste Blitzstationen durch die Stadt installiert werden können. Die Vorlage soll bis 5. September fertig sein, wenn sich der Hauptausschuss das erste Mal nach der Ferienpause trifft. Das letzte Wort hat die Stadtvertretung.

StvO ist der Rahmen

Übernimmt Glinde die Verkehrsaufsicht, so kann die Verwaltung über Ampeln, Zebrastreifen und Temporegelungen entscheiden. Genau wie der Kreis, der zurzeit die Aufgabe der Verkehrsaufsicht übernimmt, kann Glinde dann nach geltendem Recht, also im Rahmen der Deutschen Straßenverkehrsordnung (StvO), tätig werden. Mitarbeiter der Verwaltung bewerten dann verkehrliche Situationen. Die Politik hat die Möglichkeit, Anliegen vorzubringen. Die finalen Entscheidungen fällt der Bürgermeister. Der Kreis behält auch eine überwachende Funktion und schreitet ein, wenn Glinde gegen die StVO handelt.

Bergedorfer Zeitung 12.07.17

Anliegerbeiträge über Jahre strecken?
STRASSENAUSBAU Fachanwalt spricht über Finanzierungssysteme –
und warnt vor juristischen Problemen

Von Timo Jann
Geesthacht. Wenn in Geesthacht eine Straße gebaut oder saniert wird, dann bezahlen die Grundstücksbesitzer die Maßnahme über Straßenausbaubeiträge mit. Mit den einmalig erhobenen Beiträgen werden teils happige Forderungen fällig - ein Zustand, der nicht nur Bürgern regelmäßig übel aufstößt, den auch einige Politiker gern ändern möchte. Die Höhe der Beiträge errechnet sich anhand der Grundstücksgrößen. Die Lösung des Problems könnte die Erhebung von wiederkehrenden Beiträgen sein, quasi in Anlehnung an die Gebühren für Abwasser oder Straßenreinigung, die regelmäßig gezahlt werden müssen: Jährlich abgerechnet, fallen sie weniger ins Gewicht.
Über Vor- und Nachteile der Finanzierungssysteme sprach auf Einladung der Stadt Professor Dr. Marcus Arndt, Fachanwalt für Verwaltungsrecht aus Kiel, im Bauausschuss. Sein Tipp: Die Ratenzahlung, die neuerdings bei einmaligen Beiträgen möglich ist, sei ein guter Weg, die Kosten für die Bürger zu strecken.
Wiederkehrende Beiträge zu erheben, erfordert dagegen aus Arndts Sicht einen enormen Verwaltungsaufwand: „In Thüringen gibt es die Möglichkeit wiederkehrender Beiträge seit 1996. Es ist bis heute keine einzige beklagte Satzung einer Kommune vor Gericht durchgekommen“, entwarf Arndt ein Bild extremer bürokratischer Anforderungen durch eine Systemveränderung. Zudem warnte der Jurist, dass auf Geesthacht mehr Bauvorhaben und damit höhere Kosten zukommen könnten: Vor dem Hintergrund, dass alle Grundeigentümer Beiträge zahlen müssen, würden möglicherweise mehr Anlieger Straßenausbauten fordern. Arndt: „Die Frequenz, in der saniert wird, könnte sich erhöhen.“
Geesthachts Politiker befassen sich bereits länger mit den Straßenausbaubeiträgen. Im September wird ihnen Verwaltungsmitarbeiterin Marion Schumacher eine Beratungsvorlage präsentieren, um die 20-jährige Ratenzahlung in die Satzung aufzunehmen. Ziel: Das Problem hoher Einmalzahlungen entschärfen. Der Bauausschuss musste keinen Beschluss fassen. Es zeichnet sich ab, dass Geesthacht beim System der einmaligen Beiträge bleiben könnte. Als nächstes werden auf die Anlieger von Finkenweg und Spaken- berg Beiträge zukommen.
Fahrt aufgenommen hat die Diskussion um die Straßenausbaubeiträge im Zuge der vergangenen Landtagswahl. Im Koalitionsvertrag haben sich CDU, Grünen und FDP auf eine entscheidende Änderung geeinigt: Bisher mussten Kommunen ihre Bürger zur Kasse bitten - unabhängig von der Haushaltslage der Stadt oder Gemeinde. Das soll sich nun ändern. Außerdem sollen die Kommunen genügend Geld vom Land für Straßensanierung bekommen - allein für Planungen zweieinhalb Millionen Euro mehr.

Der Reinbeker 10.07.17

Vermehrter Starkregen macht Satzung erforderlich
Gemeinde plant neue Gebühren

Wentorf - Immer häufiger gibt es unwetterartige Niederschläge - mit dramatischen Folgen, denn durch zunehmende Flächenverdichtung muss immer mehr Oberflächenwasser abgeleitet werden. Das stellt die Gemeinde Wentorf vor große technische und finanzielle Herausforderungen, weshalb die Gemeindevertretung bereits im September 2012 die Niederschlagswasserbeseitigungssatzung beschloss. Zuvor war aus Rechtsgründen ausschließlich die Gemeinde abwasserbeseitigungspflichtig für anfallendes Niederschlagswasser - auch für Grundstücke, die auf eigenem Grund Niederschlagswasser beseitigen konnten. Erst seither kann die Abwasserbeseitigungspflicht auf Grundstückseigentümer übertragen werden.
Jetzt stand ein Antrag der GRÜNEN zur Änderung der Satzung auf der Tagesordnung des Liegenschaftsausschusses. Die Fraktion will die Regelungen vereinfachen und Bürger unterstützen, die teilweise seit Jahrzehnten erfolgreich und zum Wohl der Allgemeinheit Versickerungsanlagen pflegen und Vorhalten. Deshalb fordern sie unter anderem eine Übergangsregelung für Betreiber von Altanlagen. Zur Abstimmung kam der Antrag allerdings ebenso wenig wie die Änderung der Satzung und der anschließende nicht-öffentliche Tagesordnungspunkt Personalangelegenheiten Niederschlagswasser, denn auf Antrag von Günter Weblus (FDP) stimmten alle Fraktionen für die Vertagung. Grund: Die Unterlagen waren den Politikern nicht rechtzeitig zugegangen und es gibt noch Diskussionsbedarf in den Fraktionen.
Diskutiert wurde dennoch über das Thema, das unter anderem auch einige Anwohner der Straßen Unter den Linden, Blumenweg und Heckenweg in den Ausschuss gelockt hatte. Hauptamtsleiter Karsten Feldt erläuterte, die Gemeinde sei vor vier Jahren vom Kreis als Aufsichtsbehörde aufgefordert worden, ein Gutachten über das gesamte Gemeindegebiet sowie ein Beseitigungskonzept vorzulegen. »Die Frage der Genehmigungspflicht von Grundwassernutzung ist keine Idee der Gemeinde. Das ist Bundesrecht, das zu erfüllen ist.
Die zuständige Behörde ist die Wasserbehörde des Kreises Herzogtum Lauenburg. Bürger, die Niederschlagswasser auf ihrem Grundstück versickern lassen, müssen dafür beim Kreis eine Genehmigung einholen. Die Wasserbehörde fordere dann ein Gutachten darüber, dass die Fläche, in die hinein versickert werde, auch versickerungsfähig sei. Das koste, wenn es teuer sei, 600 Euro pro Grundstück. In Bereiche mit ähnlichen Bodenstrukturen könnten sich die Eigentümer diesbezüglich zusammentun.
Die genehmigungsfreie Nutzung über belebte Bodenzonen erfolgt über Mulden, in denen sich das Wasser sammelt, führte Feldt weiter aus. »Alle anderen Nutzungen des Wassers sind genehmigungspflichtig, etwa in ein Gewässer wie die Bille oder den Mühlenteich oder aber über Betonringe ins Erdreich«. Ein Anwohner gab mit Blick auf den Starkregen vor zwei Wochen zu bedenken: »Wenn die ganzen Dachflächen in den Vorfluter geleitet werden...« und Karsten Feldt ergänzte: »Dann wäre Wentorf abgesoffen.« Unklar ist bislang, wie viele Grundstücke angeschlossen sind, wie Karsten Feldt auf der Sitzung des Liegenschaftsausschusses im Juli feststellte. Zwar hat die Gemeinde im Rahmen einer Fragebogenaktion damit begonnen, den Verbleib des Niederschlagswassers auf den Grundstücken abzufragen. Die Auswertung der rund 3.600 Fragebögen erwies sich jedoch aus personellen Gründen als sehr schwierig, außerdem hätte über die Hälfte falsche Angaben gemacht. Inzwischen sind rund 70 Prozent überprüft. Bis Ende 2017 plant die Verwaltung einen Satzungsentwurf, der für 2017 eine Gebührenerhebung für diejenigen zulässt, die an die Straßenentwässerungsanlagen angeschlossen sind.
Christa Möller

Bergedorfer Zeitung 04.07.17

VERSICKERUNGSANLAGE
Grüne stärken Hausbesitzern den Rücken

Wentorf (sho). Bündnis 90/Die Grünen möchten Hausbesitzern den Rücken stärken, die eine Versickerungsanlage auf ihrem Grundstück haben. Die Fraktion beantragt ein vereinfachtes, kostengünstigeres Verfahren zur Genehmigung von solchen Versickerungsanlagen. Das Thema steht auf der Tagesordnung des Liegenschaftsausschusses am Donnerstag, 6. Juli, 19 Uhr, im Wentorfer Rathaus. Dann beschäftigen sich die Politiker mit der Satzung zur Niederschlagswasserbeseitigung.
„Für Bürger, die seit Jahren, zum Teil seit Jahrzehnten, erfolgreich und zum Wohle Aller auf dem eigenen Grundstück Versickerungsanlagen betreiben, ist es eine Zumutung, dafür nun teure Genehmigungen inklusive Bodengutachten beantragen und einreichen zu müssen. Zusätzlich tragen sie auch noch das Risiko, für eine jahrelange, gängige Praxis für die Zukunft möglicherweise keine Erlaubnis zu erhalten“, begründet der Fraktionsvorsitzende Gregor Zahnow den Antrag. Ein Gutachten wird von der Unteren Wasserbehörde gefordert.

Bergedorfer Zeitung 28.6.17

Koalitionsvertrag ist unterzeichnet
„JAMAIKA" Ab heute sollen Taten folgen

Kiel (Ino). Der Kieler „Jamaika“-Koalitionsvertrag ist offiziell besiegelt. Die Spitzen von CDU, Grünen und FDP unterzeichneten gestern das 114-seitige Vertragswerk über ein gemeinsames Regierungsbündnis. Zuvor hatten die drei Parteien den Weg dafür freigemacht - per Mitgliederbefragung oder Parteitagsbeschluss. Alle Entscheidungen fielen sehr deutlich aus. „Ich bin sehr glücklich über diese klaren Voten“, sagte der designierte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Dies unterstreiche, dass sich alle drei Parteien in dem Koalitionsvertrag wiederfanden. Günther sprach von einer tollen Rückendeckung durch die Mitglieder.
Der CDU-Landesvorsitzende will sich heute im Landtag zum neuen Ministerpräsidenten wählen lassen. Die Wahl des 43-Jährigen gilt als sicher, denn die neuen Koalitionspartner verfügen im Parlament über 44 der 73 Mandate. In der neuen Landesregierung wird die CDU drei Minister stellen, die Grünen und die FDP jeweils zwei.
Der Koalitionsvertrag weise die Handschrift aller drei Parteien auf, sagte Grünen- Verhandlungsführerin Monika Heinold. Er sei eine sehr gute Grundlage, um das gemeinsam Vereinbarte auch umzusetzen.

Bergedorfer Zeitung 27.06.17

„Jamaika" fast perfekt
KLARE MEHRHEIT 84 Prozent der Grünen stimmen für Koalition mit CDU und FDP

Von Matthias Hoenig und Wolfgang Schmidt
Kiel. Sieben Wochen nach der Landtagswahl in Schleswig- Holstein ist das „Jamaika“-Bündnis von CDU, Grünen und FDP so gut wie perfekt. Mit unerwartet großer Mehrheit von 84,3 Prozent stimmte die Grünen-Basis bei ihrem verbindlichen Mitgliederentscheid für den Koalitionsvertrag. Dies sei „ein großer Vertrauensvorschuss und klarer Auftrag zur Regierungsbeteiligung“, sagte Finanzministerin Monika Heinold, die für die Grünen den Koalitionsvertrag ausgehandelt hatte. Heute soll er unterschrieben und am Mittwoch soll CDU-Landeschef Daniel Günther zum neuen Ministerpräsidenten gewählt werden.
Letzte schwierige Hürde für die Grünen im Norden
Damit haben die Grünen die letzte schwierige Hürde genommen. Für die FDP sollte gestern Abend zwar noch ein Kleiner Parteitag endgültig entscheiden. Dies galt aber als Formsache, nachdem bereits die FDP-Mitglieder in einer Online-Befragung mit 92,8 Prozent zugestimmt hatten. Ein CDU-Parteitag hatte die Koalition schon einmütig gebilligt.
Bei der Landtagswahl am 7. Mai hatte die bisherige Koalition von SPD, Grünen und SSW ihre Mehrheit verloren. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat seinen Rückzug aus der Landespolitik angekündigt, er verzichtet auch auf sein Landtagsmandat. CDU, Grüne und FDP haben zusammen eine solide Mehrheit von 44 der 73 Landtagssitze. Sollte das Bündnis zustande kommen, wäre es bundesweit die zweite „Jamaika“-Koalition auf Landesebene nach dem Saarland (2009 bis 2012).
„Ich werde Daniel Günther mit voller Überzeugung zum Ministerpräsidenten wählen“, kündigte Heinold an. Denn er habe sehr klar gemacht, Grüne und FDP als gleichberechtigte Partner zu akzeptieren. „Jamaika“ sei „kein Zweck- oder Notbündnis“, sondern eine Chance, aus einem besonderen Wahlergebnis Gutes zu machen.
„Bei den Grünen hat es viele Skeptiker gegeben, aber auch viele, die Lust haben, etwas Neues zu wagen“, sagte Heinold. Die Grünen wollten Tag für Tag dafür arbeiten, dass dieses Bündnis auch die gesamte Legislaturperiode von fünf Jahren trägt. Und: „Wir werden jeden Tag die grüne Handschrift des Koalitionsvertrages neu beleben.“ Die Mitglieder erwarteten natürlich, dass die Inhalte auch umgesetzt werden.
Als Modell für den Bund betrachtet Heinold „Jamaika“ im Norden nicht, sondern als Antwort „auf ein etwas komplizierteres Wahlergebnis“. Man wolle Schleswig-Holstein ökologisch und weltoffen gestalten. „Dann schauen wir mal, wie es bei der Bundestagswahl kommt. Auch auf Bundesebene schließen die Grünen außer einer Zusammenarbeit mit der AfD nichts aus“, sagte Heinold.

Die Wahlbeteiligung bei dem Online-Mitgliederentscheid betrug 59,6 Prozent. Neben den 84,3 Prozent Zustimmung gab es aber auch 13,9 Prozent Ablehnung und 1,8 Prozent Enthaltungen. Von den insgesamt 2449 Grünen- Mitgliedern in Schleswig-Holstein stimmten 1459 ab.
Die CDU stellt drei Minister, FDP und Grüne je zwei
Im künftigen Kabinett wird die CDU mit Bildungsministerin Karin Prien, Innenminister Hans-Joachim Grote und Justizministerin Sabine Sütterlin-Waak drei Minister stellen. Die Grünen sind mit Finanzministerin Heinold und Umweltminister Robert Habeck vertreten. Die FDP stellt mit Wirtschaftsminister Bernd Buchholz und Sozialminister Heiner Garg ebenfalls zwei Ressortchefs.

Bergedorfer Zeitung 27.06.17

Diese Truppe braucht dringend Verstärkung
STRATEGIE Mitgliederwerbung und fünf Millionen für neue Wache

Von Susanne Holz
Wentorf. Bei der jüngsten Landtagswahl in Schleswig-Holstein musste die Gemeinde Wentorf Wahlhelfer zwangsverpflichten. Zu wenige Bürger hatten sich freiwillig zur Arbeit an der Urne gemeldet. „Die Betroffenen waren nicht amüsiert“, gibt Bürgermeister Dirk Petersen zu. Theoretisch könnte die Gemeinde ihre Bürger auch dazu verpflichten, sich in der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren. Nämlich dann, wenn dort zu wenige Menschen aktiv sind, um den Brandschutz in der bald 14000-Einwohner-Gemeinde zu gewährleisten. „Ich hoffe, dass es dazu niemals kommen wird“, betont Wentorfs Verwaltungschef. Er setzt jetzt auf eine Doppelstrategie: Mitgliederwerbung und Millionen für eine moderne Wache.
Fest steht: Wentorfs Freiwillige Feuerwehr hat, gemessen an der Größe der Gemeinde, zu wenig Personal. Das geht aus dem aktuellen Feuerwehrbedarfsplan hervor. Derzeit sorgen 49 aktive Einsatzkräfte für Sicherheit. Das Problem: Nur 38 von ihnen sind unter 50 Jahre alt. Rein rechnerisch müssten es mindestens 43 sein. Wird die Feuerwehr derzeit tagsüber alarmiert, springen oft die Nachbarwehren mit ein, damit genug Männer und Frauen Hilfe leisten können.
Sorgen muss das den Wentorfern derzeit zwar nicht bereiten. Der Feuerwehrbedarfsplan stellt ganz klar fest, dass die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von zehn Minuten überall in Wentorf eingehalten wird. Damit dies weiterhin gewährleistet ist, werden jedoch mehr Menschen gebraucht, die sich engagieren. Ob die mit 28 Engagierten gut aufgestellte Jugendfeuerwehr dies langfristig sicherstellen kann, ist fraglich. Studium, Beruf, Familiengründung - es gibt viele Gründe, warum die jungen Leute nach der Schule der Feuerwehr den Rücken kehren und nicht in die aktive Einsatzabteilung übertreten.
Die Wache ist für Personal und Technik zu klein
Ein weiterer Stolperstein ist die Größe der Wache. Neue Mitglieder sind zwar herzlich willkommen, aber sehr viel mehr gibt die Gebäudegröße auch nicht her. Schon 2015 hatte die Hanseatische Feuerwehrunfallkasse erhebliche Mängel festgestellt - unter anderem auch die Größe der Stellflächen bemängelt. Das für 2020 anvisierte neue Feuerwehrauto passt schon nicht mehr in die Hallen. Die Gemeinde geht das Problem nun von zwei Seiten an.
Zum einen wirbt Bürgermeister Dirk Petersen bei jeder sich bietenden Gelegenheit für die Feuerwehr. „Dort wird die Kameradschaft groß geschrieben. Wer einmal dabei ist, wird merken, wie toll die Gemeinschaft dort ist“, sagt er, zuletzt bei der Gemeindevertretersitzung vergangenen Donnerstag. Zum anderen hat die Politik fünf Millionen Euro für eine neue Wache in den Haushalt eingestellt.
Ob Umbau, Anbau oder Neubau - diese Frage sei noch völlig offen. „Wir werden das jetzt in den politischen Gremien angehen“, sagt Petersen. Er rechnet mit einer Lösung in den kommenden fünf Jahren. Was sich lang anhört, reicht dennoch nicht immer - das beobachten die Wentorfer seit Jahren in Reinbek. Dort stehen die Zeichen auf Stillstand.